30.04.2014

Zum Champions-League-Debakel des FC Bayern

Bürokratischer Breitbandfußball

Der FC Bayern läuft seit der Niederlage gegen Augsburg seiner Form hinterher – und fand sie im entscheidenden Moment nicht wieder. Nach dem 0:4-Debakel gegen Real Madrid muss sich zeigen, wie lernfähig der Trainer und seine Spieler sind.

Text:
Roland Wiedemann
Bild:
imago

Es ist noch nicht lange her, da mussten einem die Gegner des FC Bayern München Leid tun – ihnen blieb nicht einmal Zeit und Luft zum Staunen über die präzisen Ballstafetten, die zielgerichtet zum Torerfolg führten und als Zeichen einer neuen Ära im europäischen Fußball galten. Gestern Abend waren es die Protagonisten des Bayern-Ballbesitz-Fußballs Guardiolascher Prägung, die Mitleid verdienten, als sie betroffen vom Platz schlichen.

Am Anfang war Augsburg
 
Ihr Fall, der mit einer scheinbar harmlosen Niederlage gegen den FC Augsburg seinen Anfang genommen hatte und mit einer demütigenden 0:4-Niederlage im Champions League-Halbfinale seinen vorläufigen Höhepunkt erreichte, ist ein Sinnbild dafür, wie fragil der Erfolg im Mannschaftssport Fußball ist. Wie leicht ein  scheinbar vor unerschütterlichem  Selbstvertrauen strotzendes Kollektiv urplötzlich die Balance verliert, in Verunsicherung gerät und in sich zusammenbrechen kann. Und wie schnell es im Fußball geht, dass Dinge in Frage gestellt werden, die erst kürzlich noch als »stilbildend« (Jürgen Klopp) angesehen wurden.
 
»Wir haben schlecht gespielt, das ist meine Verantwortung«, zeigte sich Pep Guardiola nach der höchste Heimniederlage des FC Bayern München in der Europapokal-Geschichte selbstkritisch. Doch generelle Zweifel an seinem Spielsystem scheint er noch nicht zu hegen. »Der Grund für die Niederlage ist, dass wir zu wenig mit dem Ball gespielt haben«, lautete sein Erklärungsversuch. Und: »In Manchester und in Madrid haben wir es überragend gemacht, heute nicht.«

Ballbesitz? Eine stumpfe Waffe!
 
Dabei war schon im Estadio Santiiago Bernabéu offenkundig geworden, wie sehr sich das Mittel der Ballkontrolle zuletzt zum Selbstzweck ohne Wirkung, zur stumpfen Waffe entwickelt hat. Und wie anfällig die Bayern-Defensive gegen starke Kontermannschaften wie Real – oder Dortmund – derzeit ist.
 
Es ist eher ein schlechter Witz, dass nicht das gefürchtete Umschaltspiel von Real Madrid, sondern zwei Standardsituationen den Untergang des FC Bayern herbeiführten. Dass nicht Ronaldo und Bale, sondern Abwehrrammbock Sergio Ramos die guten Vorsätze der Bayern binnen weniger Minuten zunichte machte. Der Rest war Formsache, tat aber der Münchner Fußballerseele dennoch weh - mag auch Thomas Müller nach dem Spiel behaupten, dass es egal sei, ob man das Spiel 0:20 verloren oder 2:1 gewonnen gewonnen hätte.

»Es war das Gegenteil vom Hinspiel«
 
»Vielleicht wollten wir zu viel«, antwortet Müller auf die Frage nach den Gründen für die frühe Entscheidung in der Allianz Arena. Teamkollege Philipp Lahm schloss sich der Sichtweise seines Trainers an: »Wir haben es taktisch in der ersten Halbzeit nicht gut gemacht. Es war zu offen. Es war das Gegenteil vom Hinspiel, wo wir das das Spiel kontrolliert haben.« Man habe dort zwar auch Konter des Gegners zugelassen, so Lahm. »Aber heute ging das Spiel in der ersten Spielhälfte hin und her. Das ist das, was Real mag.«

 
 
 
 
 
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