Zum Aufstieg von Hertha BSC

»Jetzt fängt die Arbeit erst an«

Den reinen Zahlen nach hat Hertha eine grandiose Spielzeit hingelegt, doch bedingungslose Ausgelassenheit wollte sich nach dem entscheidenden Sieg gegen Sandhausen nicht einstellen. Denn die traumatische Vorsaison wirkt immer noch nach. Ein Kommentar.

Die Chance zur großen Inszenierung ließ Christian Leicher leider ungenutzt verstreichen. Auf dem Feld lag Pierre-Michel Lasogga, die Zuschauer erwarteten einen Freistoßpfiff für Hertha BSC – doch Schiedsrichter Leicher nutzte die günstige Gelegenheit, um mit seinem Pfiff gleich das Spiel zu beenden. Den großen Knall auf den Rängen, eine Explosion der Gefühle, gab es im Olympiastadion nicht. Ach, ist es schon vorbei?, schienen sich die Zuschauer zu fragen. Ach, ist es schon vorbei? Irgendwie trifft das auch auf die gesamte Saison zu.

Den reinen Zahlen nach hat Hertha eine grandiose Spielzeit hingelegt: aufgestiegen nach rekordverdächtigen 30 Spielen, mit den meisten Siegen, den meisten Toren, den wenigsten Niederlagen und wenigsten Gegentoren. Doch bedingungslose Ausgelassenheit wollte sich am Sonntag im Olympiastadion nicht einstellen, der Aufstieg wurde eher geschäftsmäßig zur Kenntnis genommen als ekstatisch bejubelt. Als die Mannschaft nach einer schlappen Ehrenrunde schließlich vor der Ostkurve ankam und dort das handelsübliche Feierprogramm mit Bierdusche und Humba abspulte, leerten sich die restlichen Tribünen doch recht schnell.

Man muss ja nicht ausflippen

Die vergangene Saison, in der Hertha in der Rückrunde einen rekordverdächtigen Absturz erlebt hat, wirkt bei vielen Anhängern immer noch nach. Unabhängig davon, wie souverän die Mannschaft den Auftrag Wiederaufstieg erfüllt hat: Die aktuelle Spielzeit war immer von einer gewissen Skepsis grundiert. Das zeigen auch die Zuschauerzahlen, die in dieser Saison bei weitem nicht nicht so gut sind, wie sie es vor zwei Jahren waren. Am Sonntag, beim Vollzug des Aufstiegs, war das Olympiastadion trotz verbilligter Karten nicht mal annähernd ausverkauft.

Selbst im Moment des Aufstiegs schien die Verbundenheit der Fans mit Hertha nur unter Vorbehalt möglich zu sein. Dafür haben die Anhänger vor einem Jahr einfach zu viel erlebt. Mit der Rückkehr in die Bundesliga hat die Mannschaft den Normalzustand wiederhergestellt. Natürlich darf man sich darüber freuen. Aber ausflippen muss man nun auch nicht.

Insofern kann es ein Segen sein, dass Hertha von Jos Luhukay trainiert wird, einem Mann, dem übertriebenes Ego fremd ist. Er hat nicht nur aus einer Ansammlung von Egoisten ein funktionierendes Team geschaffen, er hat auch mit seinen optimistischen Prophezeiungen weitgehend recht behalten. Das gilt vermutlich auch für einen Satz, den Luhukay wenige Minuten nach dem Spiel gegen Sandhausen gesprochen hat: »Ich weiß, dass die Arbeit erst jetzt richtig anfängt.«

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