20.03.2013

Zum aktuellen WM-Qualifikationsmodus

Wie ein Bingo im Seniorenstift

Die DFB-Elf spielt innerhalb von vier Tagen zweimal gegen Kasachstan. Jogi Löw wünscht sich deswegen eine Vorqualifikation, in der sich die ganzen Kasachstans und Armeniens und Andorras gegenseitig eliminieren. Jens Kirschneck ist bei ihm.

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Als in Europa die Qualifikation zur Weltmeisterschaft 1990 ausgespielt wurde, war die Fußballwelt noch geordnet. 32 Teams wollten nach Italien, die bundesdeutsche Elf musste sich in einer durchaus anspruchsvollen Vierergruppe mit Holland, Finnland und Wales messen. Ohne Thomas Häßlers spätes Tor im letzten Spiel gegen die Waliser hätte der spätere Weltmeister Bundesrepublik Deutschland beim WM-Turnier gar nicht mitmachen dürfen. Natürlich gab es auch damals die sogenannten Kleinen, sie hießen Albanien, Island, Zypern, Malta und Luxemburg. Das war’s. Und im Fernsehen lief »Diese Drombuschs«.

Seitdem ist viel passiert. Jugoslawien und die Sowjetunion, beides respektable Schwergewichte im europäischen Fußball, sind explodiert und haben dabei eine Unzahl von Nationen ausgespuckt, die mit mal mehr, meist weniger Erfolg versuchen, im Länderfußball zu reüssieren. Kleinstaaten und Autonomiegebiete wie Liechtenstein, San Marino oder die Färöer haben den Reiz eigener Nationalmannschaften für sich entdeckt.

...ohne den Hauch einer Chance

Wenn die Europäer derzeit ihre Teilnehmer für die WM 2014 ermitteln, konkurrieren 53 Verbände um die 13 Plätze, die dem Kontinent zustehen. Bestimmt die Hälfte davon ist ohne den Hauch einer Chance. Man hat sich freilich daran gewöhnt, dass die deutsche Mannschaft von Zeit und Zeit auf Moldawien oder Aserbaidschan trifft  – und freut sich, wenn Berti Vogts dort Trainer ist, damit es überhaupt etwas gibt, worüber man reden kann, derweil der sportliche Reiz durch Abwesenheit glänzt.

Selten aber ist das Elend der Qualifikationsrunden so deutlich geworden wie jetzt, wo die deutsche Elf in den entscheidenden Wochen der Saison zweimal innerhalb von vier Tagen gegen Kasachstan antreten muss, den aktuell 139. der Weltrangliste. Da ächzt auch der Bundestrainer und fordert angesichts der Terminfülle die Einführung einer sogenannten Vorqualifikation, in der sich die ganzen Kasachstans und Armeniens und Andorras gegenseitig eliminieren. Mehr Respekt für die Kleinen, rufen da reflexartig manche, die gleich wieder deutsche Großmannssucht (»Auf Jahre hinaus unschlagbar«) um die Ecke biegen sehen.

Groß gegen Klein sollte die Ausnahme sein

Doch bei Licht betrachtet muss man sagen: Natürlich hat Löw recht. Die derzeitige Qualifikationsrunde ist so spannend wie ein Nachmittagsbingo im Seniorenstift. Natürlich hat das Duell »Klein gegen Groß« seinen Reiz, aber nur dann, wenn es die Ausnahme und nicht die Regel ist. Germania Windeck oder Wacker Burghausen müssen sich ja auch erst durch ihre Länderpokale kämpfen, um dann im DFB-Pokal mit viel Losglück ganz vielleicht mal auf den FC Bayern zu treffen.

 
 
 
 
 
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