Zum Abschied von Rivaldo: Das Tor seines Lebens

Brazilian Dream Boy

Rivaldo hat sein Karriereende bekannt gegeben. Nach 24 Jahren Profifußball sei nun Zeit für die Rente – das habe ihm übrigens Gott in einem nächtlichen Dialog klargemacht. Ganz weltlich möchten wir uns von Rivaldo verabschieden: Mit einer Reminiszenz an das Tor seines Lebens.

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Ich weiß nicht, was ich an jenem Abend getan habe. Vielleicht hockte ich im Wohnzimmer und trank eine heiße Schokolade, vielleicht war ich auf einer Fahrradtour durch Wilhelmsburg oder die Lüneburger Heide, vielleicht bestellte ich in einer Eckkneipe das siebte Bier. Wen interessiert das schon? Denn heute sieht meine Erinnerung auf den 11. Juni 2001 aus wie eine Szene aus einem Kammerspiel.

Ich sitze vor dem Fernseher. Es läuft das Spiel FC Barcelona gegen den FC Valencia. Ich hocke hier alleine auf einem Holzschemel. Nur der Fernseher und der Stuhl. Nur Rivaldo und ich.

Irgendein Spartensender überträgt die Partie. Die Ausgangssituation vor dem letzten Spieltag der Saison 2000/01 ist folgende: Der FC Valencia belegt mit 63 Punkten Rang 4 der Primera Division, er berechtigt für die Teilnahme an der Champions League. Gegen den FC Barcelona, die mit 60 Punkten und einem besseren Torverhältnis auf dem 5. Platz stehen, reicht ein Unentschieden.

Rivaldo: Ein Mensch aus der Zukunft

Ich klebe auf meinem Stuhl, doch es fühlt sich von Minute zu Minute mehr an, als schwebte ich durchs Zimmer. Rivaldo erfindet in diesem Spiel den Fußball neu. Elegant ist seine Körperhaltung, als der einen Freistoß zum 1:0 über die Mauer zirkelt, vehement sein Drang zum Tor beim zweiten Treffer aus dem Spiel. Rivaldo wirkt wie ein Mensch aus der Zukunft. Wie eine Idee, die Menschen in den siebziger Jahren vom Jahr 2001 hatten. Alleine, dass er beim zweiten Tor umfällt, lässt ihn irgendwie irdisch erscheinen.

Doch diese Tore reichen nicht, denn Ruben Baraja hat zweimal ausgeglichen. Es steht 2:2. Also rennen die Katalanen an, rennen an, rennen an, rennen an – kopflos, glücklos, es wird nichts mehr passieren, und ich klebe auf meinem Stuhl, und der Fernseher flimmert. Immer weiter. Es klingelt an der Tür, es klingelt am Telefon. Es klingelt im Fernseher. Es läuft die 88. Minute. 

Frank de Boer führt einen Ball im Mittelfeld, Männer stehen im Strafraum, Männer rufen Dinge, Männer erwarten ein Anspiel, eine Flanke, einen Pass, irgendetwas. Dann lupft Frank de Boer den Ball an die Strafraumgrenze, dort steht Rivaldo mit dem Rücken zum Tor. Und schon in diesem Moment der Flugphase ist alles erleuchtet.

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