20.06.2013

Zum Abschied von Oka Nikolov

Farewell, Oka

Nach 22 Jahren in Frankfurt verlässt Torwart-Oldie Oka Nikolov die Eintracht und wechselt in die USA. 11FREUNDE-Autor und Frankfurt-Fan Stephan Reich sagt leise: »Farewell«.

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Da waren sie wieder, die »Nikolov, Nikolov«-Rufe. Gerade hatte Frankfurts Keeper einen Elfmeter des Schalkers Michel Bastos pariert und seine Eintracht damit im Spiel gehalten. Nikolov ballte kurz die Faust, positionierte sich zur Ecke und als diese ertraglos über den Frankfurter Strafraum gesegelt war, ballte er die Faust noch einmal. Im Fortgang des Spiels verzweifelten die Schalker zusehends am 39-jährigen Torwart, Frankfurt gewann die wichtige Partie, die Fans feierten ihn, Nikolov selber nahm das mit der ihm eigenen Ruhe und Zurückhaltung entgegen und winkte kurz in die Kurve. Man wird eben gelassen, wenn man immer wieder zurückkommen muss.

Ein Relikt aus einer anderen Fußballzeit

Oka Nikolov ist ein Relikt aus einer anderen Fußballzeit. Als er vor 19 Jahren in seine erste Profisaison mit der Eintracht ging, kickten Spieler wie Uwe Bein und Anthony Yeboah am Riederwald, die SGE war ein Spitzenklub und die Liga bestand hauptsächlich aus Schnauzbärten und Baumwolltrikots. Jetzt tragen die Spieler neongrüne Synthetikschlangenlederschuhe und die Eintracht ist schon lange kein Spitzenteam mehr – doch Oka Nikolov ist immer noch da. Er ist eine Konstante des Vereins geworden. In seiner nun fast zwei Dekaden umfassenden Karriere hat er nie ein anderes Leibchen übergezogen als das der Eintracht. Völlig egal, ob er Ersatz oder Nummer Eins, ob die Eintracht in der zweiten Liga vor sich hindilletierte oder überraschend um den Europacup mitspielte. Eine derartige Vereinstreue ist längst die Ausnahme der Regel geworden. Hinzu kommt seine bescheidene, bodenständige Art, die er auch dann beibehielt, wenn er mal wieder zur Nummer Zwei degradiert wurde. Ebenso wie er sie beibehielt, wenn er den Konkurrenten mal wieder verdrängt hatte, was letztlich auch eine Konstante war. Denn ganz gleich, wen die Eintracht als neue Nummer Eins verpflichtete, am Ende spielte doch immer Nikolov. All die Prölls und Fährmanns bissen sich am Odenwälder die Zähne aus. Der stellte sich einfach ins Tor und hielt und hielt und hielt.

Trotzdem war Nikolov nie unumstritten. Vielmehr hat er seine Klasse immer wieder neu beweisen müssen. Als sich wenige Wochen vor dem Spiel gegen Schalke Stammkeeper Kevin Trapp verletzte und Nikolov die letzten acht Spiele bestreiten musste, empfanden das nicht wenige im Umfeld der SGE als deutliche Schwächung. Und was machte Nikolov? Er stellte sich ins Tor und hielt und hielt und hielt – mittlerweile als ältester Spieler der Liga und gefühlte Lichtjahre entfernt von den Beins und Yeboahs früherer Tage. Am Ende seiner letzten Bundesligasaison stand schließlich das Erreichen der Europa League, nach dem finalen Spiel gegen Wolfsburg besangen ihn die Fans in der heimischen Arena. Wie so oft. Und Nikolov? Winkte gelassen in die Kurve.

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