Zum Abschied von Miro Klose

Der letzte Anti-Star

Miroslav Klose beendet seine Karriere. Mit ihm geht der letzte seiner Art.

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Ein beliebtes Lebensmotto junger Fußballprofis lautet »Träume nicht dein Leben, sondern lebe deinen Traum«. Das ist natürlich nicht viel mehr als eine abgegriffene Poesiealbum-Weisheit, ein Carpe Diem für Arme. Manche aber schaffen es, diese Floskel tatsächlich mit Leben zu füllen. So wie Miroslav Klose.

Denn Miro Klose ist ein Relikt aus einer vergangenen Zeit. Eine Zeit, in der die Träume, die man als Jungprofi leben konnte, noch andere waren. Als der Stürmer 2000 zu den Profis des 1.FC Kaiserslautern stieß und mit seinen Toren schnell das Interesse der Medien auf sich zog, traf ihn die »Sport Bild« nach einer erfolgreichen ersten Hinrunde zum Gespräch. Da erzählte der Nachwuchskicker nicht etwa von seinem ersten Sportwagen oder anderen Extravaganzen, sondern von der Wichtigkeit seiner Zimmermannsausbildung nach der Schule, und dass er mit seinem ersten Profi-Gehalt nun erstmal gemeinsam mit den Eltern ein Haus baue. »Das ist der einzige Luxus, den ich mir gönne.«

Eine Karriere, die heute undenkbar scheint

Wenige Monate zuvor hatte er noch, mit 20 Jahren, in der siebten Liga gespielt, bei einem Verein Namens SG Blaubach-Diedelkopf, und möglicherweise ist die Bescheidenheit, die ihn zu dem Spieler gemacht hat, eine direkte Folge dieses Spätstarts, der heute, in Zeiten der Nachwuchsleistungszentren, undenkbar scheint, und schon damals eher unverhofft gekommen sein mag. 

16 Jahre später ist Klose Weltmeister, WM-Rekordtorschütze, Rekordtorschütze der deutschen Nationalmannschaft, zweifacher deutscher Meister und lebende Lazio-Legende, und seine Bodenständigkeit dürfte mit ein Grund gewesen sein, dass seine Karriere nur Höhen, keine Tiefen kannte. Klose hat sich diese Karriere mit der Geduld eines Zimmermanns erarbeitet, mit der Bescheidenheit desjenigen, für den das Haus der Eltern das Wichtigste ist. Er hat sich in 16 Jahren Weltkarriere keinen einzigen Skandal geleistet, hat Tore zurücknehmen lassen, weil er zuvor Hand gespielt hatte, hat geackert und gerackert, Bälle erlaufen und Lücken gerissen, hat sich viele, viele Tore erarbeitet, während das einzig Ausgefallene an ihm all die Jahre sein Salto-Jubel war. Das kann man langweilig finden, aber in seinen Teams hat dieses Musterprofitum Klose stets zum Vorbild für andere Spieler gemacht. 2014, bei seinem größten Triumph, war Klose sportlich vielleicht nicht mehr so wertvoll, aber er war längst ein Spieler geworden, an dem sich die anderen orientieren konnten.

»Manchmal frage ich mich noch immer, ob ich das alles nur träume?«

»Manchmal frage ich mich noch immer, ob ich das alles nur träume?«, sagte Klose in jenem »Sport Bild«-Interview anno 2001 zaghaft und sprach anschließend noch über die sportlichen Ziele, von denen er zu träumen wagte: »Irgendwann in die Nationalmannschaft kommen und bei der Weltmeisterschaft 2006 dabei sein.« Das hat er geschafft. Und vieles mehr. 

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