Zum 50. Geburtstag von Ingo Anderbrügge

Der Feuerstarter

Ingo Anderbrügge war bestimmt nicht der beste Fußballer seiner Generation. Dass man sich an seinem 50. Geburtstag trotzdem noch an ihn erinnert, hat er sich allerdings hart erarbeitet. Ein Loblied.

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Es ist doch immer die Frage, was von einem bleibt, wenn man nicht mehr da ist. Das vom Jubel entstellte Gesicht auf alten Fotos? Der Name auf Medaillen, Urkunden und Pokalen? Die vage Erinnerung an große Spiele, tolle Tore, gewonnene Zweikämpfe? Letzte Schritte auf dem Weg in die Vergessenheit?

Oder hinterlässt man einen Stil, ein Image? Einen historischen Fußabdruck, beinahe so unvergänglich wie die Klubs, für die man einst die Meter machte und Felder umpflügte?

Ingo Anderbrügge war ganz sicher nicht der beste Fußballer seiner Zeit, nicht mal einer der besten. Anderbrügge, der heute 50 Jahre alt wird, war ein Arbeiter im Mittelfeld, Mensch gewordene Antriebsmaschine zwischen Verteidigung und Angriff. Zu seinen besten Zeiten war er schnell, ausdauernd und mit einer überdurchschnittlichen Übersicht gesegnet. Er hatte einen Schuss, der gestandene Schwergewichtsboxer ins Reich der Träume befördert konnte. Und er besaß einen Kampfgeist, einen brennenden Ehrgeiz, mit dem sich die Fans auf den Rängen und selbst vor dem Fernseher identifizieren konnten. Weil Ingo Anderbrügge auf dem Rasen so brannte, dass durch seine Hitze andere erst Feuer fangen konnten.

Selbst der Vokuhila schien Funken zu sprühen

Und das ist es, was bis heute von diesem Fußballer bleibt. Leidenschaft und unbedingter Einsatz. Ein Mensch mit unmöglichem Namen und erstaunlicher Frisur – selbst Anderbrügges blonder Vokuhila schien Funken zu sprühen, wenn er mal wieder gegnerischen Angreifern hinterher hetzte oder mit langen Schritten durch das Mittelfeld galoppierte.

Ingo Anderbrügge war und ist ein Kind des Ruhrgebiets. In Datteln geboren, bei der SpVgg Erkenschwick zum Fußballer gereift, bei Borussia Dortmund und Schalke 04 zu einem Teil der Geschichte der beiden größten Klubs des Ruhrpotts geworden. Als Anderbrügge 1991 mit Schalke in die erste Bundesliga aufstieg, gingen die meisten Zechen im Pott schon vor die Hunde, das Image der knallharten Malochergegend, wo sich Männer die Gesundheit unter Tage versauten, um ihre Familien zu ernähren, wird hier bis heute gepflegt. Vor allem beim FC Schalke. Wie schafft das ein Klub, der längst viele Millionen Euro umsetzt, einen Vertrag mit einem riesigen Unternehmen aus Russland geschlossen hat und dessen Spieler mit Autos zur Arbeit kommen, die so teuer sind wie vor 30 Jahren ein ganzes Malocherleben? Er konserviert die Erinnerung an Fußballer, die diesem Image zumindest so nah kamen, dass man ihnen die Malocherattidüde auch abnahm. Und Ingo Anderbrügge, der Eurofighter von 1997, gehört dazu.

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