14.08.2013

Zum 40. Geburtstag von Jay Jay Okocha

Ein Top-Highlight

Seite 2/3: Die große Liebe Jay Jay
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Imago

Bestimmt gab es zwischen 1992 und 1996 Fußballer, die wichtiger für den Erfolg von Eintracht Frankfurt waren, als Jay Jay Okocha. Aber Fußballfans denken nicht immer mit dem Kopf. Häufig mit dem Bauch, meistens mit dem Herzen. Und Jay Jay Okocha war wie geschaffen, um die Herzen der Zuschauer zu gewinnen. Er war jung und als er alt wurde, merkte man das nicht, weil er immer noch so spielte wie ein kleiner Junge. Einfach drauflos. Er konnte Dinge mit dem Ball, die kein anderer Fußballer konnte. Jedenfalls nicht im Bundesliga-Fußball der neunziger Jahre. Er kam aus Nigeria, das war exotisch. Er hieß nicht Hans-Peter, Ralf oder Frank, er hieß Jay Jay. Okocha musste man nicht respektieren, fürchten oder anerkennen. Jay Jay musste man lieben.

Okocha kostete der Eintracht 25.000 DM

Er war erst 17, als ihm seine Eltern zum bestandenen Abitur eine Reise nach Deutschland schenkten. Er besuchte seinen Bruder Emanuel, der damals sein Glück im deutschen Fußball suchte (und es im Vergleich zu seinem kleinen Bruder nicht fand). Der Legende nach begleitete er einen Kumpel seines Bruders zum Training der Oberliga-Mannschaft von Borussia Neunkirchen. Die wollten ihn gleich dabehalten und Jay Jay blieb. Zwei Jahre spielte er in der Oberliga Südwest. Dann tauchte eines Tages ein beleibter Mann mit Schnauzbart und Sonnenbrille am Spielfeldrand auf. »Wie heißt du?«, fragte der Mann den Dribbelkönig von Neunkirchen. »Jay Jay«, antwortete der. »Was machst den Rest des Tages, wenn du hier nicht Fußball spielst?« »Schlafen.« »Dann«, sagte der Schnauzbart mit der Sonnenbrille, »kannst du auch zu uns zum Training kommen.« Eintracht-Frankfurt-Trainer Dragoslav Stepanovic hatte den seiner Meinung nach »originellsten Spieler seit Pelé« entdeckt. Jay Jay Okocha kostete 25.000 DM.

Okocha hat auch eine beeindruckende Karriere außerhalb von Frankfurt vorzuweisen. 1994, 1998 und 2002 führte er seine Nationalmannschaft zur Weltmeisterschaft, 1996 wurde er mit dem legendären »Super Eagles« Olympiasieger. Er spielte in Istanbul und bekam den türkischen Pass. Seitdem heißt er Muhammed Yavuz. 1998 wechselte er zu Paris St. Germain, von 2001 bis 2002 zauberte er dort gemeinsam mit Ronaldinho. Bis heute hält sich in der französischen Hauptstadt das Gerücht, Okocha habe dem Brasilianer dessen schönste Tricks erst beigebracht. Vier Jahre verzückte er die Fans der Bolton Wanderers, auf den Tribünen trugen sie Shirts mit der Aufschrift »Jay Jay - so good, they named him twice«. So gut, dass er gleich zwei Namen bekam. Noch ein Jahr Katar, noch ein Jahr Hull City, das langsame Austrudeln einer Karriere. 2008 beendete Okocha seine Laufbahn.

>>>> Die Karriere von Jay Jay Okocha in der Bildergalerie!

 
 
 
 
 
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