Zum 20. Todestag: Ernst Happel, wir vermissen Sie!

»Is mir eh wurscht«

Ernst Happel. Einer, an dessen Bilanz und Charisma sich noch Generationen von Fußball-Trainern messen lassen müssen. Nicht nur beim Hamburger SV vermisst man den alten Grantler schmerzlich. Zum 20. Todestag erinnern wir uns an das Vorbild von Felix Magath.
Heft #50 12 / 2005
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Die kleine Begebenheit ist unterhaltsam, aber wie jede gute Anekdote hat sie eine zweite Ebene. Die Moral von der Geschicht‘, sozusagen. Als Ernst Happel im Sommer 1981 zum Hamburger SV kam, versammelte er die Mannschaft am ersten Tag auf dem Trainingsplatz und ließ den langen Horst Hrubesch eine leere Cola-Dose auf das Lattenkreuz stellen. Happel nahm sich den Ball, lief ohne weitere Umschweife an und schoss die Büchse aus 20 Metern Entfernung herunter. Dann wandte er sich an seine Spieler und sagte nur: »Nachmachen!« Eine Aufgabenstellung, mit der nicht nur technisch limitierte Haudegen wie Ditmar Jakobs ihre Probleme hatten. Auch ein Magath, ein Hieronymus, ein von Heesen scheiterten, und sogar Manfred Kaltz, der so präzise Flanken schlagen konnte wie kein Zweiter zu seiner Zeit. Der einzige, dem es gelang, dem Trainer nachzueifern, war – natürlich – der im Spätherbst seiner Karriere in Hamburg gestrandete Franz Beckenbauer. Als Happel genug gesehen hatte, legte er sich das Leder noch einmal zurecht und schoss die Büchse wieder im ersten Versuch herunter. »Das war seine Art uns zu zeigen, dass man ihm nichts vormachen konnte«, sagte Manfred Kaltz später. »Damit gewann er schon am ersten Tag Autorität und Respekt.«

Autorität und Respekt. Kennzeichen, auf die ein Ernst Happel besonders angewiesen war. Weil er von seinen Spielern nicht im klassischen Sinne geliebt wurde. Verehrt schon, aber nicht geliebt. Dafür war er zu grantig und zu wenig mitfühlend den kleinen Malaisen und Wehwehchen der Profis gegenüber. Happel hielt nichts von Streicheleinheiten. »Dafür müsst ihr zur Mama gehen«, hat er gerne gesagt. Und dennoch, glaubt Kaltz, wären die Spieler für ihn »durchs Feuer gegangen«. Fußballer wollen den Erfolg, und sei es nur der persönliche, und sie haben ein feines Gespür dafür, ob ihnen ein Trainer dabei helfen kann, ihr Ziel zu erreichen.

Als Happel in Hamburg anfing, war er bereits 56 Jahre alt und galt fast europaweit als Erfolgsgarant. Wo immer er das Traineramt übernahm, wendeten sich die Dinge zum Besseren. Den holländischen Underdog ADO Den Haag übernahm er als Abstiegskandidat und machte ihn zu einer festen Größe in der Ehrendivision und zum niederländischen Pokalsieger. Mit Feyenoord Rotterdam gewann er 1970 sensationell den Europapokal der Landesmeister und den Weltpokal. Der zuvor auch national unbedeutende FC Brügge wurde mit ihm viermal belgischer Meister und erreichte zwei Europapokalfinals. Als Nationalcoach der Niederlande verlor er erst in der Verlängerung das WM-Finale 1978 gegen Argentinien.

Einer der ersten Vertreter der Raumdeckung


18 Titel hat Ernst Happel in seiner 30-jährigen Trainerlaufbahn gewonnen, eine Zahl, die umso höher einzuschätzen ist, als er nie ein Real Madrid, Juventus Turin oder Bayern München betreut hat. Happel hat sich selten ins gemachte Nest gesetzt, sondern den Erfolg in der Regel erst mitgebracht. Das war auch beim HSV so, der mit dem gleichen Spielerstamm zwar 1979 schon Deutscher Meister geworden war, aber erst nach Happels Einstieg zur – neben dem FC Bayern – wichtigsten Referenzgröße der Bundesliga wurde. Natürlich fällt auch der größte Erfolg der Klubgeschichte, der Gewinn des Europapokals der Landesmeister im Jahr 1983, in die Ära Happel. Und bezeichnenderweise haben sich die Hamburger nach seinem Ausstieg Ende der 80er stante pede ins Mittelmaß verabschiedet. Gemessen an früheren Maßstäben darf man sagen: bis heute.

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