02.09.2013

Zum 100. Geburtstag von Bill Shankly

The Man. The Legend.

Seite 2/3: Der Messias
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Der neue Mann drehte an den richtigen Schrauben. Ließ die Trainingsplätze und das angeschlagene Stadion renovieren. Professionalisierte seine Zweitliga-Truppe in kleinen Schritten – gemeinsame Treffen vor dem Training, gemeinsames Essen nach dem Training, anständiges Aufwärmtraining, regelmäßige Fitnesskontrolle. Aufbauarbeit Schritt für Schritt. Das Talent seiner Spieler war begrenzt, also injizierte er ihnen eine simple Spielphilosophie, auf einfachen taktischen Anweisungen gebaut, Disziplin, Kraft, Kondition – und vor allem: Herz. Das kam an bei den Spielern. Und bei den Fans. Er kam an. Mit seiner kernigen Art. Zwar streng, aber nicht ohne Humor. Er sog den Verein in sich auf, wurde der größte Fan seines eigenen Arbeitgebers. Obwohl er nie für Liverpool gespielt hatte. Liebe – Talent – Fleiß – Glück. Ein Quartett aus dem Fußball-Trainer-Baukasten, in Bill Shankly vereint.

Shanks, der Psychologe

Selbstverständlich verklärt man seine Arbeit heute zum Teil. Denn beinahe wäre er nach wenigen Monaten wieder aus dem Verein geflogen, den Klubbossen gingen seine ständigen Forderungen nach besseren Arbeitsbedingungen und vor allem neuen Spielern auf den Sack. Und den Erfolg konnte auch Shankly nicht sofort erzwingen. Erst 1962 stieg seine Mannschaft in die »First Division« auf, erst jetzt rannten die Leute dem Verein die Bude ein. Erst jetzt interessierten sich die größten Fußballer ihrer Zeit für Liverpool. In der Branche hatte es sich zumindest rumgesprochen, dass im Nordwesten Englands ein spannendes Projekt im Gange war. Geleitet von einem Mann, den die eigenen Fans bereits als Messias verehrten, der aber offenbar tatsächlich geradezu überirdischen Einfluss auf sein Umfeld zu haben schien.

Shankly war ein überragender Psychologe. Ron Yeats, ein Landsmann Shanklys und aufgrund seiner körperlichen Erscheinung nur »Big Ron« genannt, stieß schon 1961 zum damaligen Zweitligisten aus Liverpool. »In welcher Liga spielt Liverpool überhaupt?«, fragte Yeats beim ersten Gespräch mit Shankly. »Wir spielen in der First Division, mein Sohn«, antwortete Shankly. »Ich dachte, ihr würdet in der zweiten Liga spielen?« Antwort: »Wenn du bei uns unterschreibst, mein Sohn, dann spielen wir im nächsten Jahr in der First Division.« Yeats unterschrieb, Shankly hatte seinen Anführer für das, was da kommen sollte, gefunden.

1964 wurde Liverpool Meister. 1965 gewann der Klub den FA-Cup. Erstmals in seiner Geschichte. »Der schönste Titel meiner Karriere«, befand Shankly später. 1966 und 1973 holte der LFC unter seiner Regie erneut den Meistertitel, ebenfalls 1973 den UEFA-Cup. 1974 noch einmal den FA-Cup.

 
 
 
 
 
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