Zu den Hasskommentaren auf unserer Seite

Was uns wichtig ist

In unseren Kommentarspalten beobachten wir immer öfter bösartige und widerwärtige Ausfälle von Usern. Das werden wir nicht hinnehmen, weil sie gegen alles sprechen, wofür wir einstehen.

imago

Um halb vier war die Welt noch in Ordnung. Am vergangenen Samstag beschrieb dieser alte Fanzine-Titel recht gut unsere Gefühlslage. Wir hatten bei Facebook ein Bild vom Twitteraccount des Exprofis Ralph Gunesch geteilt und es mit den Worten »Stark! Danke, Bremen-Fans« versehen. Es zeigte den Fanblock von Werder Bremen in Ingolstadt, der vor dem Anpfiff ein Banner mit der Botschaft »Refugees Welcome« hochgehalten hatte. Angesichts der derzeitigen Diskussion um den Umgang mit geflüchteten Menschen hier in Deutschland, aber auch unter dem sehr gegenwärtigen Eindruck der Bilder von Clausnitz eines von vielen ermutigenden Zeichen, dass Fußballfans nicht das Denken eingestellt haben.

»Schädlingsbekämpfung in Flüchtlingsheimen«

Nur Sekunden später jedoch erschien der erste Kommentar. Im O-Ton: »liebe 11freunde-redaktion, dass ihr so völlig ungeniert eure absolut nichts mit Fußball zu tun habende meinung uns allen aufzwängt! In diesem sinne: stark! Danke, 11freunde!«. Nur der erste in einer Reihe von Beiträgen, die entweder unverhohlen von »Schädlingsbekämpfung in Flüchtlingsheimen« sprachen oder offen rassistische Beleidigungen platzierten.



Manch einer hielt Guneschs Foto gar für eine gezielte Provokation. Und wenig überraschend kam auch schnell das Totschlagargument: Es gehe hier einzig um Fußball. Und nicht um Politik. Die habe nämlich nichts im Stadion zu suchen. Natürlich gab es rasch Leser, die diesen Einwand schnell als das entlarvten, was er ist: ein billiger Allgemeinplatz, der in der Regel nur dazu dient, den Gegenüber mundtot zu machen. Sicher, Fußball ist bisweilen nur Fußball, oft ist der Sport aber auch Politik und von gesellschaftlicher Relevanz. Und Menschlichkeit und Toleranz sind Grundlage unseres Zusammenlebens.  

Fans sind kein Klatschvolk

Das betrifft insbesondere uns Fans. Auf den Rängen steht kein Klatschvolk, das einfach nur unterhalten werden will. Fußball ist kein Musical. In den Fanblöcken stehen Menschen, die sich Gedanken machen, eine Stimme haben und gehört werden wollen. Ob es um Ticketpreise oder die Flüchtlingsdebatte geht, spielt dabei keine Rolle.

Eine lebendige Diskussionskultur ist uns daher auch bei 11FREUNDE wichtig. Das jedoch, was seit geraumer Zeit auf vielen Medienseiten und eben auch auf unseren Online-Seiten passiert, hat damit nichts zu tun. Die bösartigen und widerwärtigen Kommentare vom Samstag waren nur ein weiteres Beispiel dafür, dass es längst nicht mehr um den zivilisierten Austausch von Meinungen und Ansichten geht, sondern um die Ausweitung der Kampfzone.

Die Grenze ist überschritten

Wir wollen gerne über alles diskutieren und akzeptieren andere Ansichten, aber rassistische, diskriminierende oder abwertende Beschimpfungen sind für uns nicht akzeptabel. Nicht im Stadion, nicht vor dem Fernseher und auch nicht im Internet. Wenn darüber schwadroniert wird, »fremde Menschen zu entsorgen« oder gar »abzufackeln«, ist die Grenze des Erträglichen längst überschritten. Wir werden auch in Zukunft nicht vollständig verhindern können, dass sich solche Ausbrüche in den Kommentarspalten finden. Wir können löschen und blockieren und hoffen, dass sich am Ende die Vernunft und die Toleranz durchsetzt.

Eines ist uns aber wichtig: Wir, die Redakteure von 11FREUNDE, berichten seit jeher über die vielfältigen Facetten des Fußballs und der ihn umgebenden Kultur. Die können lustig sein oder traurig, sehr bunt und leider auch immer wieder tiefbraun. Wir wenden uns gegen jede Form von Ausgrenzung, Homophobie und Rassismus. Mal laut, mal leise, aber beständig. Anders könnte ein Magazin wie unseres nicht existieren.

Weil wir ihn lieben

Der Fußball, wie wir ihn lieben, zerreißt uns bisweilen das Herz und treibt uns die Tränen in die Augen. Er lässt uns oft nachts schlecht schlafen und lässt uns Hochzeiten guter Freunde absagen, weil zeitgleich ein wichtiges Freundschaftsspiel ansteht.

Vor allem aber ist Fußball eine universelle Sprache, die Menschen zusammenbringt. In Schweden, Togo, Afghanistan und direkt vor unserer Haustür. Der Fußball, wie wir ihn lieben, eint Menschen und bringt sie nicht auseinander. Schon gar nicht wegen ihrer Religion, ihrer Herkunft oder ihrer Sexualität.

Für diesen Fußball wollen wir kämpfen. Jetzt und in der Zukunft.  

Die 11FREUNDE-Redaktion,
Andreas Bock
Alex Raack
Benjamin Kuhlhoff
Christoph Biermann
Dirk Gieselmann
Jens Kirschneck
Philipp Köster
Ron Ulrich
Stephan Reich
Tim Jürgens


NACHTRAG: Um 16:59 Uhr haben wir die Kommentare unter diesem Artikel abgeschaltet, weil es keine Diskussion zum Thema gab, sondern nur eine sinnlose Aneinanderreihung von Beleidungen, Beschimpfungen und Drohungen. Danke an alle Leser, die versucht haben, dagegen zu halten und uns auch in unserer Meinung bestärkt haben. 

Hinweis: Wenn Du feststellst, dass hier extremistisches Gedankengut verbreitet wird, Nutzer diskriminiert werden oder Diskussionen einen unschönen Ton annehmen, dann informiere uns bitte per Mail! Wir werden dann gegebenenfalls eingreifen. Diskussionen bei 11FREUNDE sollen sportlich und sauber ablaufen! Diskriminierung und Intoleranz werden von uns nicht akzeptiert! Niemals! Danke für deine Hilfe!