Zu den Ermittlungen gegen Anti-DFB-Plakate

Prostitutionsfernes Milieu

Der Deutsche Fußballbund ermittelt wegen angeblich beleidigender Anti-DFB-Fanbanner gegen Union Berlin und Fortuna Düsseldorf. 11FREUNDE-Redakteur Jens Kirschneck zeigt sich erschüttert.

Es gibt Nachrichten, über die liest man zunächst mal hinweg und bleibt erst auf den letzten Drücker hängen, weil sich eine winzige Irritation einstellt, die das ganze plötzlich in einem neuen Licht dastehen lässt. Diese Meldung zum Beispiel: »Der DFB ermittelt gegen Union Berlin und Fortuna Düsseldorf.« Soweit erst mal nichts Besonderes, der DFB ermittelt ja täglich gegen alle und jeden, hinterfotzige Spieler, tourettekranke Trainer, lodernde Bengalos. Hier aber geht es um etwas anderes. In den betroffenen Stadien sollen Fanbanner mit verunglimpfenden Inhalten gezeigt worden sein, Wortlaut: »Fick dich DFB!« und »Hurensöhne DFB«. Außerdem sei es zu skandalösen Sprechchören (»Fußballmafia DFB!«) gekommen. Und jetzt kommt man als über viele Jahre stadionerfahrener Konsument dieser Nachricht doch ins Grübeln: Gibt es solche Sprüche und Plakate nicht schon seit immer und ewig? Und hat sich in der Vergangenheit jemals jemand darum geschert?

Kann der DFB sich überhaupt selbst f*****?


Ja, ich bekenne: »Fußballmafia DFB!« haben wir bereits in der Saison 1990/91 in der Oberliga Westfalen auf der Bielefelder Alm gerufen, wenn uns wieder mal ein Schiri aus dem Ruhrgebiet verpfiffen hat. Der DFB möchte deshalb sofort Ermittlungen gegen Arminia Bielefeld und meine Person aufnehmen. Als Zeugen könnten meine Kumpels KL, Volker und der Metaller dienen, wobei zumindest KL selbst Dreck am Stecken hat, war es doch damals seine Spezialität, bei unliebsamen Entscheidungen des Linienrichters mit hochrotem Kopf und hüpfendem Adamsapfel runter zum Zaun zu laufen und dem armen Mann ins Gesicht zu brüllen: »Du musst doch zuhause den Müll runter bringen!« Also bitte auch gegen KL ermitteln!

Wegen des inkriminierten Inhaltes der Banner stellt sich ebenfalls Stirnrunzeln ein. »Fick dich DFB« soll den Tatbestand der »obszönen Verunglimpfung« erfüllen, doch ist das juristisch überhaupt haltbar? Wie soll denn ein abstraktes Gebilde wie ein Fußballverband sexuelle Handlungen an sich vornehmen können? Anders verhält es sich womöglich mit dem Plakat »Hurensöhne DFB«, was andeuten will, Elternteile von Funktionsträgern des Deutschen Fußballbundes hätten eine Vergangenheit im Rotlichtsektor. Da gerät man heute rasch in einen sehr sensiblen Bereich, Stichwort: Bettina Wulff. Aber vielleicht könnten Wolfgang Niersbach oder Helmut Sandrock auch einfach ein Buch über ihre Kindheit im prostitutionsfernen Milieu schreiben, damit ließen sich vielleicht sogar ein paar Euro verdienen.

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Kurz gesagt: Ist es wirklich der Ernst des DFB, sich mit solchem Fankurven-Trash juristisch auseinander setzen zu wollen? Haben die Leute vom Verband keine anderen Sorgen? Ist ihnen entgangen, dass Stadiontribünen stets ein Ort für den etwas rustikaleren Schnack waren? Effektiver kann man die Sorgen der Fans, der Fußball der Zukunft solle im keimfreien Ambiente stattfinden, nicht befeuern. Meine Oma pflegte in solchen Fällen zu sagen: »Die denken nicht weiter als von zwölf bis Mittag.« War eine kluge Frau.

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