Zu Besuch in der WM-Stadt Cuiabá

Am Rande des Riesensumpfes

Die Arena Pantanal ist wohl das skurrilste Stadion der Fußball-WM in Brasilien: Sie befindet sich entlegen am größten Feuchtgebiet der Erde, wo die Temperaturen locker 40 Grad erreichen können. Gut möglich, dass die deutsche Nationalmannschaft 2014 hier antreten muss. Ein Ortsbesuch.

Marco Tripmaker

»Bom dia Cuiabá. Es wird sehr sehr heiß heute«, hatte der Mann im Radio noch gesagt. Und tatsächlich, fast 40 Grad. So heiß, dass aus dem Hahn nur noch warmes Wasser plätschert und die Flipflops beim Gehen auf der Straße weich wie Marshmallows werden. Tuiuiú liegt trotzdem auf der Lauer. Denn heute wird es spannend. Mit seiner Kamera verfolgt er, wie die Bauarbeiter Teile des Stadiondachs auf 46 Meter Höhe heben.

Niemand kennt die Arena Pantanal, mit einer Kapazität von 43.000 Zuschauern das viertkleinste der zwölf WM-Stadien, so gut wie Tuiuiú. Seit dem ersten Spatenstich 2010 begleitet der Fotograf des Diário de Cuiabá die Bauarbeiten. Tuiuiú? Jeder im Bundesstaat Mato Grosso kennt den 54-jährigen unter diesem Spitznamen. Denn wie der gleichnamige Riesenvogel, der im Pantanal lebt, ist auch Dinalte de Oliveira Miranda, ständig und rastlos unterwegs.

Die größte Baustelle der 550.000-Einwohner-Stadt

Mit dem Architekten Ivan Moreira de Almeida darf Tuiuiú heute ins Stadioninnere. De Almeida hat es mit seinen gerade einmal 36 Jahren weit gebracht; ist als Architekt beim Bundesstaat Mato Grosso angestellt und zuständig für den Bau der Arena Pantanal in Cuiabá, der Hauptstadt des Mato Grosso. 1700 Menschen arbeiten derzeit auf der größten Baustelle der 550.000-Einwohner-Stadt, die knapp zwei Flugstunden von São Paulo entfernt Richtung Nordwesten liegt. Cuiabá ist das geographische Zentrum Südamerikas und stolz darauf.

Die Arena Pantanal liegt knapp zehn Autominuten vom Stadtzentrum entfernt. Bis zum 31. Dezember soll sie fertig sein. Offiziell. Darüber kann Tuiuiú nur schmunzeln, denn bislang sind sie nur bei 80 Prozent. »Jeder hier weiß, dass die Arena viel später fertig wird. Ich glaube, dass es frühestens im April soweit ist«, sagt der Fotograf.

Selbst die Einheimischen schwitzen bei diesen Temperaturen. Auch Architekt de Almeida ist froh, als die Schatten spendende Tiefgarage für VIPs und Mannschaftsbusse erreicht ist. Bauarbeiter legen gerade Strom und Wasserleitungen, in den nicht allzu großen Mannschaftskabinen, wo vielleicht schon bald Schweinsteiger und Klose ihre Trikots anlegen, hängen noch die Kabel von den Decken. »Hier kommen bald die Duschen rein«, sagt der Architekt und ist schon wieder auf dem Sprung eine Etage höher.

Bis zu sieben Liter Wasser am Tag!

Auf den Tribünen ist noch kein Sitz montiert, Rasenfachleute richten gerade den Untergrund für das Grün her, während 46 Meter weiter oben Bauarbeiter wie Spinnen in der Dachkonstruktion hängen. Um sich bei 45 Grad in der Sonne nicht den Nacken zu verbrennen, tragen die Bauleute ein langes Tuch unter dem Helm. Sie trinken bis zu sieben Liter Wasser am Tag »und reiben sich die Haut mit einem Mangoextrakt ein, das sie vor der Sonne schützt«, sagt Fotograf Tuiuiú, der noch das alte Stadion José Fragelli kennt.

Vier Mal spielte dort die brasilianische Nationalmannschaft - örtliche Clubs haben sich in jüngerer Vergangenheit nicht gerade mit Ruhm bekleckert. Mixto Esporte spielt nur in der Bundesstaatenmeisterschaft, Cuiabá Esporte in der dritten brasilianischen Liga vor 300 Zuschauern.

Hinweis: Wenn Du feststellst, dass hier extremistisches Gedankengut verbreitet wird, Nutzer diskriminiert werden oder Diskussionen einen unschönen Ton annehmen, dann informiere uns bitte per Mail! Wir werden dann gegebenenfalls eingreifen. Diskussionen bei 11FREUNDE sollen sportlich und sauber ablaufen! Diskriminierung und Intoleranz werden von uns nicht akzeptiert! Niemals! Danke für deine Hilfe!