Zu Besuch beim Trainerlehrgang in Hennef

Zweifelhafte Konzepttrainer

Der Trainerlehrgang in Hennef ist in diesem Jahr so prominent besetzt wie selten. Ehemalige Nationalspieler wie Mehmet Scholl oder Christian Wörns drücken hier die Schulbank. Auch dabei: Stefan Effenberg, der vor kurzem noch Sportdirektor werden wollte. Zu Besuch beim Trainerlehrgang in HennefKarol Herrmann

Es ist noch nicht Mal drei Monate her, da saß Stefan Effenberg auf einer Pressekonferenz in Mönchengladbach. Er trug Anzug und Krawatte und wollte als Sportdirektor der Borussia Max Eberl beerben. Dem fachlich unerfahrenen Effenberg und seiner umstrittenen Initiative traute man am Niederrhein  den großen Coup nicht zu. Sein Vorhaben scheiterte grandios am Votum der Mitglieder. Am Mittwochnachmittag saß Effenberg erneut in einer Pressekonferenz. Diesmal war es in der Sportschule Hennef, er trug einen weißen Trainingsanzug und wirkte im Vergleich wesentlich entspannter. »Gladbach ist Vergangenheit«, sagt Effenberg. Jetzt möchte er Trainer werden, sitzt deshalb bei Frank Wormuth beim 58. Trainerlehrgang des DFB und muss wieder die Schulbank drücken. 

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Für die diesjährige Ausbildung zog die Hennes-Weisweiler-Akademie nach Hennef um. In dem beschaulichen Örtchen bei Bonn findet man beste Begebenheiten vor. Die Räumlichkeiten an der Deutschen Sporthochschule in Köln waren aufgrund von Umbauarbeiten nicht mehr geeignet. Der Zeitplan der zehnmonatigen Ausbildung ist straff. Um acht Uhr morgens ist Unterrichtsbeginn. Neben praktischen Übungen auf dem Platz muss vor allem Theorie gepaukt werden. »Am Anfang war es wieder sehr gewöhnungsbedürftig und man muss manchmal ganz schön beißen«, sagt Effenberg, wenn mal wieder Sportmedizin auf der Agenda steht. Natürlich holen sich die Trainer entsprechende Spezialisten in den Stab, doch der Chefcoach sollte Grundkenntnisse aus allen Gebieten der Sportwissenschaft haben. »Wenn ich den Konditionstrainer einfach machen lasse, dann habe ich am Wochenende eine ausgebrannte Mannschaft«, begründet Lehrgangsleiter Wormuth das umfassende Programm.

Sammer redet sich in Rage

Effenberg ist einer von 24 Schülern dieses Jahrgangs, der so prominent besetzt ist, wie seit Jahren nicht mehr. Neben ihm sind auch Mehmet Scholl, Christian Wörns, Jörg Heinrich, Jörg Böhme und die ehemalige Nationalspielerin Britta Carlson vertreten. War es früher ein Privileg verdienter Ex-Profis nach ihren Karrieren die Trainerbänke der Bundesligisten zu besetzen, so geht der Trend in den letzten Jahren vermehrt zu den so genannten Konzepttrainern, die zwar einen Matchplan haben, selbst aber nie die großen Stars auf dem Platz waren.

Als Stereotypen dieses Modells gelten Thomas Tuchel und Robin Dutt. Wormuth und DFB-Sportdirektor Matthias Sammer, der gleich neben Effenberg Platz genommen hat, stehen dem gefeierten Trend zum modernen Trainer sehr reserviert gegenüber. »Glauben Sie nicht, dass Trainer wie Friedhelm Funkel oder Jupp Heynckes keine Konzepte haben«, entgegnet Wormuth der zweifelhaften Wortschöpfung des Konzepttrainers.  Sammer redet sich sogar etwas in Rage. »Es ist mir viel zu oberflächlich, wenn nur die modernen Trainer angepriesen werden. Wir dürfen die traditionellen Werte dabei nicht vergessen.« Bisher haben weder Dutt noch Tuchel oder Slomka einen Titel gewonnen und es wird, wie Sammer betont, in den nächsten Jahren auch nicht möglich sein, die Spanier mit eigenem Kurzpassspiel zu schlagen. Er glaubt, dass es ein Vorteil ist, wenn man bereits als aktiver Spieler Trophäen gesammelt hat. Wichtig sei es aber vor allem, dass es in der Bundesliga eine gesunde Mischung von erfahrenen und jungen Trainern gibt.  

»Es hat angefangen zu kribbeln«

Es überrascht also nicht, dass der Traditionalist Sammer seinen ehemaligen Nationalmannschaftskollegen Effenberg unbedingt dabei haben wollte. Dabei habe ihn Ottmar Hitzfeld schon vor Jahren zum Trainerschein gedrängt. Doch wie so viele Spieler, brauchte Effenberg zunächst Abstand vom Fußball nach der aktiven Karriere. Sieben Jahre hat er sich damit Zeit gelassen, um den Kopf frei zu bekommen und mehr Zeit mit seinen Kindern zu verbringen, wie er sagt. »Dann hat es wieder angefangen zu kribbeln«. Warum es mit dem Posten des Sportdirektors in Gladbach nicht funktioniert hat? Sammer sagt: »Wir haben das bei der Mitgliederversammlung so eingefädelt, dass Stefan nicht gewinnt.« Der lockere Scherz des ehemaligen Dortmunders hat aber durchaus einen ernsten Hintergrund. Denn Sammer hält es nicht für möglich, dass man ohne eine adäquate Ausbildung ein guter Sportdirektor sein kann.

Für den Trainerposten erhält Effenberg jetzt die notwendige Lehre. Allein das sollten seine Erfolgschancen als Trainer gegenüber seinem vergangenen Auftritt deutlich steigern.

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