Zidane trifft Materazzi

»Da bist Du stumm«

Zinédine Zidane sagt, dass er lieber sterben würde, als sich bei Marco Materazzi zu entschuldigen. Dabei haben die beiden ihren Zwist längst aus dem Weg geräumt. 11FREUNDE lauschte, als sich die beiden Streithähne trafen. Zidane trifft Materazzi

Ein regnerischer Morgen am Flughafen Madrid. Draußen hasten gestresste Geschäftsleute vorbei. In der Gold-Lounge hockt Marco Materazzi und schlürft seinen dritten Espresso in Folge. Die gläserne Schiebetür surrt leise auf. Ein Windstoß durchfährt die Lounge und Zinédine Zidane tritt ein. Die Menschen an den Tischen springen aufgeregt auf und verlassen den Raum. Zeitungen landen auf dem Boden. Das Personal duckt sich hinter den Tresen. Plötzlich fliegt ein einzelner Steppenläufer über das Rollfeld. Irgendwo spielt ein alter Mann auf der Mundharmonika.

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Marco Materazzi (überschwenglich): Ciao, Zizou. Wir haben uns ja ewig nicht gesehen. Lass mich überlegen. Weißt Du noch, wann es das letzte Mal war?

Zinédine Zidane (mürrisch): Ja.

Materazzi: Hilf mir auf die Sprünge. Wann war das? In Milano? In Madrid? In Berlino?

Zidane (schroff): Ja.

Materazzi (betont locker): Ah, ich erinnere mich. Das WM-Finale. Ein tolles Spiel. Du hast getroffen, ich habe getroffen. Und dann ging es in die Verlängerung. Mein Gott, ist das lange her. Nicht wahr, alter Freund?

Zidane (Kautabak auspuckend): Nein.

Materazzi: Doch, doch. Schon fast vier Jahre. Was für eine Nacht wir in Berlino hatten. Wir sind mit dem Goldpokal in den Pool gehüpft, überall bella signoras, die mich getröstet haben. Ich habe immer gewinselt: »Meine Brust.Meine Brust. Es tut so furchtbar weh.« Habe extra noch versucht Dich an dem Abend zu erreichen. Ich wollte mit bedanken, weil die Mädels reihenweise darauf reingefallen sind. (lacht hysterisch)

Zidane streicht sich blinzelnd über den Kopf.

Materazzi: Da bist Du stumm. Was, alter Freund? Mein Gott, was waren wir damals jung. Da macht man schon Mal dummes Zeug, oder?

Zidane (mit starrem Blick): Nein.

Materazzi (lebensbejahend): Zizou, nun komm schon, fra amici, wollen wir uns nicht vertragen? Entschuldige Dich doch einfach bei mir und ich lad Deine Familie zum Essen ein. Deine Schwester kann auch gerne kommen.

Zidane holt Schwung. Sein Kopf schnellt zurück.

Materazzi (kleinlaut): Oh no, amico, bleib locker. Nur ein kleiner Scherz. Komm schon, sag einfach Entschuldigung und die Sache ist aus der Welt.

Zidane Kopf schnellt nach vorne. Und trifft.

Materazzi: Ummmmmpf. (winselnd) Fanculo!!!

Zidane poliert seinen kahlen Schädel mit einem Tuch, blickt düster durch die Gold-Lounge und verlässt den Raum. Hinter ihm surrt die Schiebetür zu. Die Geier kreisen über Materazzis zuckenden Körper. Auf dem Boden liegt ein Zettel. Darauf steht mit rotem Filzstift geschrieben: »Die Fußballwelt ist zu klein für uns zwei!«

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