6. Eine überragende Saison später war es dann aber so weit. Für 15 Millionen Euro ging van der Vaart zum großen Real Madrid. Wie schnell man im Superstar-Durchlauferhitzer der Madrilenen vom »neuen Zidan« zum übergewichtigen Ersatzbänkler abgestempelt wird, lernte der Holländer auf die harte Tour. Nach einem guten Einstand folgte ein Formtief und die Degradierung zum Einwechselspieler. Dass VdV in der Sommerpause 2009 nicht mal mehr eine Trikotnummer zugewiesen bekam zeigt, wie wenig Stil die ach so Königlichen manchmal im Umgang mit ihren Profis an den Tag legen. Dass er sich dennoch durchsetzte und als eigentlich Abgeschriebener eine ganz passable Saison spielte, ist der gerechtigkeitsfanatischen 11FREUNDE-Redaktion eine Genugtuung. 2010 war dann aber wirklich Schluss in Spanien. Müde davon, um ein angemessenes Standing im Verein kämpfen zu müssen, wechselte er in die Premier League zu den aufstrebenden Tottenham Hotspur.
7. Auch in London war Rafael van der Vaart Leistungsträger und Publikumsliebling. Neben den gewohnt guten Leistungen waren es vor allem die starken Auftritte gegen den Lokalrivalen Arsenal London, die er in der Gunst der Fans kometenhaft nach oben beförderten. Vier Tore und zwei Vorlagen in den ersten drei Spielen gegen die Gunners sind quasi ein »Wie werde ich Fanliebling in drei einfachen Schritten«-Leitfaden. Eine besonders schöne Szene hob sich der Spielmacher für den bemitleidenswerten Jack Wilshere auf, den er gleich zweimal tunnelte. Für so viel federleichte und beiläufige Arroganz samt anschließenden Spott hat man in dem ein oder anderen Spiel auch schon mal ein zünftiges Revanchefoul gesehen. Wilshere belässt es bei einem demütigen Schubserchen.
8. Nun also wieder der HSV. Die Fans sind selig, Investor Kühnes Hosentaschen um ein wenig Münzgeld leichter und Rafaels Ehefrau Sylvie natürlich überglücklich, wieder in Hamburg, ihrer Perle zu sein. Auch die Wohnungssuche auf dem überhitzten Hamburger Wohnungsmarkt verlief nicht allzu zähflüssig. Zur kuscheligen 400 (in Worten: Vierhundert) Quadratmeter-Wohnung, in der die Kleinfamilie VdV jetzt residiert, sagte Sylvie bescheiden: »Wir wollten es schön gemütlich haben. Wie eine ganz normale Familie.«
9. Aber die Heimat hört natürlich nicht an der Haustür auf. Um seinen zahlreichen Verwandten, Bekannten und Freunden nicht nur Rafael, den ganz normalen Hausmann, sondern auch Rafael, den erstaunlich guten Fußballer präsentieren zu können, kaufte van der Vaart kurzerhand eine Loge in der Imtech-Arena. Kostenpunkt: 100.000 Euro pro Saison. Angesichts des derzeit, nunja, eher schmalen Hamburger Portemonnaies ein feiner Zug des Holländers. »So kann ich dem HSV, dem ich sehr, sehr dankbar bin, etwas zurückzahlen.« Es menschelt zwischen Spieler und Klub, in Zeiten von Fußballsöldnern und Heuschreckenkapitalisten finden wir das sehr, sehr schön und sind ebenfalls sehr, sehr dankbar.
10. Es gibt sie also doch noch, die Profis, die sich bei einem bestimmten Verein heimisch fühlen und nicht mit offenem Klingelbeuel von Klub zu Klub ziehen. Rafael van der Vaart und Hamburg scheint einfach zu passen wie Arsch auf Eimer. Neben dem qualitativen Quantensprung, den der HSV sportlich mit dem Holländer gemacht hat, ist es vor allem auch die aufrichtige Zuneigung, die der Holländer der Stadt, dem Verein und nicht zuletzt den Fans entgegen bringt, die die Liaison VdV-HSV so besonders macht. Von Seiten der Fans bekommt der kleine Engel die Liebe natürlich bedingungslos zurück, und das nicht nur auf den ausgetrampelten Pfaden üblicher Fanverehrung. Ein ganz besonderes Schmankerl findet sich, natürlich, bei Youtube. Ein Welthit in spe mit dem Titel »Willkommen zurück Rafael van der Vaart« von Smoke B. Hitpotential, ganz klar. Die 11FREUNDE-Redaktion bounct mit und freut sich über so viel Kreativität. Bring the beat back...