1.
Der Mann hat keine Zeit zu verlieren: Bereits im zarten Alter von vier Jahren kickte der kleine Raffa bei »De Kennemers«, mit zehn ging's zu Ajax Amsterdam, wo er mit frühreifen 15 Jahren den ersten Profivertrag unterschrieb, um mit 17 in der ersten Liga zu debütieren und vier Jahre später schließlich jüngster Kapitän der Ajax-Historie zu werden. Durchatmen. Bei so viel Leben in so kurzer Zeit ist es fast logisch, dass die erste Biografie bereits auf den Markt gespuckt wurde, als Van der Vaart erst 21 Jahre alt war. » Fenomeen. Rafael Ferdinand van der Vaart.«. Ein fenomeenaler Titel.
2.
In so jungen Jahren ein kapitänswürdiges Standing in der Mannschaft zu haben, zeugt einerseits natürlich von einer unheimlichen Reife, geht aber andererseits auch nur über gute Leistungen auf dem Platz. Im Falle von Rafael van der Vaart waren das sogar herausragend gute Leistungen, garniert mit dem ein oder anderen Kabinettstückchen, das dem geneigten Freund des feinen Balles den Speichel in den Mundwinkel treibt. Ganz ehrlich: Wer auch immer im Beisein der 11FREUNDE-Redaktion eine Hereingabe ähnlich unmöglich mit der Hacke wegmacht, wird umgehend zum 11FREUNDE-Ehrenspielführer befördert...
3.
Auch wenn die HSVer jetzt empört aufschreien werden, aber der direkte Schritt von Ajax zu einem ganz großen Klub blieb zunächst aus. Nach einem Formtief schwand das Interesse der europäischen Spitzenclubs am holländischen Hochbegabten, van der Vaart ging für überschaubare fünf Millionen Euro nach Hamburg. Ein echter Schnappo, denn VdV wurde ruckzuck Topscorer, Kapitän, Fanliebling, Aushängeschild und Topstar der Liga. 29 Tore und 19 Vorlagen in 74 Ligaspielen – eine echte Hausnummer. Klar ist aber auch: Es kann nicht immer alles klappen. Hier sieht man den kleinen Engel beim Rückpass auf einen nicht vorhandenen Torhüter. Hups.
4.
In den Herzen der Hamburger hat Rafael van der Vaart seinen Platz spätestens seit seiner Rückkehr sicher, aber auch in den nicht eben dünnen Geschichtsbüchern des HSV hat sich VdV verewigt. In sieben aufeinanderfolgenden Ligaspielen traf der Holländer das Tor, eine Serie, die vor ihm nur der große »Uns Uwe« Seeler im HSV-Trikot schaffte. Seite an Seite teilen sich die beiden lebenden Legenden nun den Rekord. Episch.
5.
Dabei hätte die erste Schaffensphase des Mittelfeld-Filigranos beinahe nur zwei dünne Jährchen angedauert. Im Sommer 2007 zog es van der Vaart nämlich ins sonnige Valencia nach Spanien. So sehr, dass VdV zu Protokoll gab, dass er »große Schmerzen haben werde«, sollte er in der nächsten Saison noch für Hamburg spielen müssen. Um das zu unterstreichen, ließ er sich in einer schon legendären Aktion kurzerhand und ein wenig naiv mit dem Valencia-Trikot ablichten. Dumm nur, dass ihm die Hamburger Klubführung die Freigabe verweigerte und der »Kleine Engel« in der Hansstadt bleiben musste. Ganz auf Einsätze im Valencia-Trikot musste Van der Vaart aber nicht verzichten. Von den Mitspielern gab's ein Trikot der Spanier mit der Bepflockung »Van der Verrat« geschenkt. Hach, da blüht der Flachs...
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Home is where your heart is
6.
Eine überragende Saison später war es dann aber so weit. Für 15 Millionen Euro ging van der Vaart zum großen Real Madrid. Wie schnell man im Superstar-Durchlauferhitzer der Madrilenen vom »neuen Zidan« zum übergewichtigen Ersatzbänkler abgestempelt wird, lernte der Holländer auf die harte Tour. Nach einem guten Einstand folgte ein Formtief und die Degradierung zum Einwechselspieler. Dass VdV in der Sommerpause 2009 nicht mal mehr eine Trikotnummer zugewiesen bekam zeigt, wie wenig Stil die ach so Königlichen manchmal im Umgang mit ihren Profis an den Tag legen. Dass er sich dennoch durchsetzte und als eigentlich Abgeschriebener eine ganz passable Saison spielte, ist der gerechtigkeitsfanatischen 11FREUNDE-Redaktion eine Genugtuung. 2010 war dann aber wirklich Schluss in Spanien. Müde davon, um ein angemessenes Standing im Verein kämpfen zu müssen, wechselte er in die Premier League zu den aufstrebenden Tottenham Hotspur.
7.
Auch in London war Rafael van der Vaart Leistungsträger und Publikumsliebling. Neben den gewohnt guten Leistungen waren es vor allem die starken Auftritte gegen den Lokalrivalen Arsenal London, die er in der Gunst der Fans kometenhaft nach oben beförderten. Vier Tore und zwei Vorlagen in den ersten drei Spielen gegen die Gunners sind quasi ein »Wie werde ich Fanliebling in drei einfachen Schritten«-Leitfaden. Eine besonders schöne Szene hob sich der Spielmacher für den bemitleidenswerten Jack Wilshere auf, den er gleich zweimal tunnelte. Für so viel federleichte und beiläufige Arroganz samt anschließenden Spott hat man in dem ein oder anderen Spiel auch schon mal ein zünftiges Revanchefoul gesehen. Wilshere belässt es bei einem demütigen Schubserchen.
8.
Nun also wieder der HSV. Die Fans sind selig, Investor Kühnes Hosentaschen um ein wenig Münzgeld leichter und Rafaels Ehefrau Sylvie natürlich überglücklich, wieder in Hamburg, ihrer Perle zu sein. Auch die Wohnungssuche auf dem überhitzten Hamburger Wohnungsmarkt verlief nicht allzu zähflüssig. Zur kuscheligen 400 (in Worten: Vierhundert) Quadratmeter-Wohnung, in der die Kleinfamilie VdV jetzt residiert, sagte Sylvie bescheiden: »Wir wollten es schön gemütlich haben. Wie eine ganz normale Familie.«
9.
Aber die Heimat hört natürlich nicht an der Haustür auf. Um seinen zahlreichen Verwandten, Bekannten und Freunden nicht nur Rafael, den ganz normalen Hausmann, sondern auch Rafael, den erstaunlich guten Fußballer präsentieren zu können, kaufte van der Vaart kurzerhand eine Loge in der Imtech-Arena. Kostenpunkt: 100.000 Euro pro Saison. Angesichts des derzeit, nunja, eher schmalen Hamburger Portemonnaies ein feiner Zug des Holländers. »So kann ich dem HSV, dem ich sehr, sehr dankbar bin, etwas zurückzahlen.« Es menschelt zwischen Spieler und Klub, in Zeiten von Fußballsöldnern und Heuschreckenkapitalisten finden wir das sehr, sehr schön und sind ebenfalls sehr, sehr dankbar.
10.
Es gibt sie also doch noch, die Profis, die sich bei einem bestimmten Verein heimisch fühlen und nicht mit offenem Klingelbeuel von Klub zu Klub ziehen. Rafael van der Vaart und Hamburg scheint einfach zu passen wie Arsch auf Eimer. Neben dem qualitativen Quantensprung, den der HSV sportlich mit dem Holländer gemacht hat, ist es vor allem auch die aufrichtige Zuneigung, die der Holländer der Stadt, dem Verein und nicht zuletzt den Fans entgegen bringt, die die Liaison VdV-HSV so besonders macht. Von Seiten der Fans bekommt der kleine Engel die Liebe natürlich bedingungslos zurück, und das nicht nur auf den ausgetrampelten Pfaden üblicher Fanverehrung. Ein ganz besonderes Schmankerl findet sich, natürlich, bei Youtube. Ein Welthit in spe mit dem Titel »Willkommen zurück Rafael van der Vaart« von Smoke B. Hitpotential, ganz klar. Die 11FREUNDE-Redaktion bounct mit und freut sich über so viel Kreativität. Bring the beat back...
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