Zehn Dinge über Trainer und ihre Präsidenten

»Ich als Verein musste handeln«

»Ich habe seinen Rücktritt nicht akzeptiert und lasse ihn nicht gehen«. Lazio-Präsident Claudio Lotito weigerte sich unter der Woche, das Gnadengesuch des erfolglosen Edy Reja anzunehmen. Zehn Dinge über Fußballer und ihre Präsidenten! Zehn Dinge über Trainer und ihre Präsidenten

1.
Hartwig Piepenbrock & Siegfried Meltzig


»Mit einem Hauptschüler rede ich nicht«, polterte Osnabrücks Trainer Siegfried Melzig 1977. Gemeint war der eigene Präsident, Hartwig Piepenbrock, dessen Reaktion nicht lang auf sich warten ließ: »Herr Melzig, Sie sind fristlos beurlaubt.« Melzig, stolzer Besitzer eines Abiturs, schrie: »Das will ich schriftlich.« Bekam er.

2.
Friedhelm Runge & Werner Kasper


Weihnachtsfeste sind die letzte Bastion des Rock´n Roll im modernen Profifußball.
Der Wuppertaler Trainer Werner Kasper war nicht gerade ein Fan großer Saufgelage und verließ die Feierlichkeiten seines Vereins 2004 bereits um viertel nach zehn stocknüchtern. Eine Tatsache, die Klubchef Friedhelm Runge überhaupt nicht gefiel: »Das ist nicht eben ein Zeichen grenzenloser Identifikation mit dem Verein«, fand der Präsident. Und feuerte Kasper prompt.

3.   
Friedhelm Runge & Uwe Fuchs


Enger zusammen standen Runge und Kaspers Nachfolger Uwe Fuchs. Als der Wuppertaler SV bei einer Jahreshauptversammlung die von Runge initiierte Umbenennung des Vereinsnamens in SV Borussia Wuppertal durchsetzen wollte, traf er auf eine Menge Widerstand seitens der Fans. Die hätten den alten Namen gerne behalten und verwiesen auf die Tradition des Vereins. Rhetorisch fehlerfrei sprang Fuchs seinem Präsidenten zur Seite: »Wohin zu viel Tradition führen kann, sieht man im Nahen Osten. Dort werden Botschaften angezündet.«

4.   
Mohamed Al Fayed & Mark Hughes


Das Gelächter war groß, als Fulham Präsident Mohamed Al Fayed mit den Plänen um die Ecke kam, eine riesige Michael Jackson Statue vor dem Craven Cottage zu errichten. Trainer Mark Hughes zeigte sich loyal: »Wir sollten seine Motive nicht hinterfragen, immerhin hat er viel für den Klub getan und eine persönliche Beziehung zu Michael Jackson.« Die persönliche Beziehung des Popstars zum Verein will sich allerdings nicht ganz erschließen, verirrte sich »Jacko« doch nur ein Mal zu einem Heimspiel der Cottagers. Der Präsident selbst zeigt sich wenig empfänglich für Kritik: »Mir ist egal, was die Fans denken. Wem das nicht gefällt, soll zur Hölle fahren.«

5.   
Jesús Gil y Gil & Rest der Welt


Von 1987 bis 2003 war Jesús Gil y Gil Präsident von Atlético Madrid. Während seiner 16-jährigen Amtszeit schaffte er es, 26 verschiedene Trainer zu beschäftigen. Erst mit 70 Jahren quittierte er den Dienst, die Begründung:»Ich bin jetzt alt, und es gibt so viele Dilettanten, die mich kritisiert haben. Das muss ich mir nicht mehr antun.«

6.   
Cristoph Daum & Dietmar Artzinger-Bolten


Über Christoph Daums unerwartete Entlassung beim 1.FC Köln 1990 herrscht noch immer Unklarheit. Effzeh-Präsident Dietmar Artzinger-Bolten fuhr extra nach Italien, um der überraschten Presse Daums Entlassung mitzuteilen. Erst zehn Jahre später, im Zuge der Kokain-Affäre, trat er noch einmal nach:» Ich fühle mich in meiner Entscheidung bestätigt, daraus können Sie Ihre Schlüsse ziehen.«

7.   
Günter Eichberg & Udo Lattek


Der Schalker Mäzen Günter Eichberg zählt zu den schillerndsten Präsidenten der Bundesligageschichte. Um Udo Lattek als Trainer zu verpflichten, machte der Schalker Sonnenkönig Lattek ein Angebot, das dieser sehr wohl ablehnen konnte: »Udo, dein Gehalt bezahlen wir nach einem einfachen Modell: Du bekommst für jeden Zuschauer im Parkstadion eine Mark ausgezahlt.« Lattek lehnte dankend ab, Eichberg verbesserte sein Angebot und der ehemalige Münchener landete doch noch auf Schalke.

8.   
Jean Löring & Toni Schuhmacher


Präsident Jean Löring von Fortuna Köln brachte es 1999 fertig, den völlig perplexen Trainer Toni Schuhmacher, beim Spiel gegen Waldhof Mannheim in der Halbzeitpause zu feuern. Frei nach Ludwig dem 14. argumentierte Löring vor einem Journalisten: »Ich als Verein musste handeln.«

9.   
Vicente Pastor & Angel Pedraza


Noch etwas schneller als bei Löring und Schuhmacher ging es beim spanischen Drittligisten CD. Der Präsident Vicente Pastor gab dem Coach Angel Pedraza vor dem Spiel gegen die zweite Mannschaft des FC Barcelona die Anweisung, seine Startelf noch einmal zu überdenken. Als dieser sich weigerte zu reagieren, wurde er kurzerhand gefeuert. Die Spielern, die beim Aufwärmen von der Entlassung erfuhren, reagierten unbeeindruckt: Benidorm gewann mit 2:0.

10.   
Peter Maaßen & Peter Maaßen


Es ist bekannt, dass man sich selbst am Nächsten steht und so wollte auch Peter Maaßen nicht auf fremde Hilfe angewiesen sein. 35 Jahre lang war der KFZ-Großhändler, den alle nur »Pascha« nannten, Trainer, Präsident und Betreuer bei Rot-Weiß Oberhausen. Mit bescheidenem Erfolg: am Ende seiner Amtszeit war der Klub dermaßen pleite, dass es nicht einmal mehr reichte, den Spielern das Essen im Trainingslager zu bezahlen.

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