6. Michael Ballack kann alles verkaufen. 2005 kannten bereits 98% aller Deutschen den Sachsen. Die Mehrheit konnte sich sogar darauf einigen, Ballack als den deutschen David Beckham zu bezeichnen. Es folgte der marktwirtschaftliche Ausverkauf: Ballack machte Werbung für Müsliriegel, einen Elektronikkonzern, Spielekonsolen, Sportartikel, verschiedene Cola-Sorten, Internet- und Telefonverträge, Mobiltelefone, Last-Minute-Urlaub, Burger, Computerspiele und Bahnfahren. Selbst eine Michael Ballack-Actionfigur verkaufte sich binnen kürzester Zeit 40.000 Mal.
7. Im Vorfeld der WM 2006 machte der Ballack-Hype nicht mal vor der Intimsphäre halt: Beate Uhse verkaufte tatsächlich WM-Vibratoren mit der Aufschrift »Michael B.« Und da sich über Geschmack bekanntlich streiten lässt, gab es auch einen Dildo, der »Olli K.« hieß. Besonders dreist hieß es im Werbetext: »Der knallrote Heartbraker wird zum nationalen Fußballstar Olli K. erklärt und das grüne Paulchen präsentiert sich als Frauenschwarm Michael B. Unsere Jungs jubeln erst, wenn er ganz drin ist.« Für das Nachspiel sorgten die Fußballstars höchstpersönlich mit einer erfolgreichen Klage. Schwarz-Rot-Geil.
8. Ballacks Wirkung aufs andere Geschlecht zog viel Konkurrenz für Simone Ballack nach sich. Der TV-Tratschtante Nina Ruge lief einst das Wasser im Munde zusammen: »Einsneunundachtzig. Schwarzgelockt. Der muskulöse Körperbau eines Leoparden...Götter sind so.« Schockschwerenot! Von den Leserinnen der »Max« wurde Ballack sogar zum erotischsten Sportler Deutschlands gewählt. Selbst Uli Hoeneß schien zeitweilig bezirzt: »Ballack wirkt wie eine antike Statue.« Ob er jedoch am Tegernsee eine Ballack-David-Nackedei-Skulptur ohne Arme aufstellen ließ, ist eher zweifelhaft, denn ob man den Sachsen sexuell anziehend fände, wäre dann doch eher »Geschmackssache«. Die 50 Liebesbriefe pro Tag zensierte Simone sicherheitshalber wachsam – er sollte nicht jeden zu lesen bekommen.
9. Die Leichtigkeit in den Bewegungsabläufen. Das leicht arrogant wirkende Auftreten auf dem Platz. Die überragende Technik und das fußballerische Talent. Michael Ballack wurde schon früh mit Beckenbauer verglichen: Er wurde »Ballabauer« und schon in der Jugend »kleiner Kaiser« genannt. Dass die Analogie nicht einmal vor der Familienplanung halt machte, muss höhere Gewalt sein: Denn wie einst der Kaiser, wurde auch Michael Ballack Vater ausschließlich von Söhnen und wünschte sich eine Tochter. Beckenbauer blieb einfach dran: Dessen Tochterwunsch wurde nach vier Söhnen 2003 erfüllt.
10. Nur der Vollständigkeit halber: Kein Spieler schaffte es je, das Vize-Quadrouple zweimal zu erreichen. Ballack wurde 2002 und 2008 in einer Saison je Zweiter in vier Wettbewerben (Meisterschaft, nationaler Pokal, Champions-League, Welt- bzw. Europameisterschaft). Das Pech war ein Leitmotiv in Ballacks Fußballkarriere. Der mediale Widerhall bestätigte dies oft: »der Unvollendete«, »der ewige Zweite«, »Vize-Ballack«. Ein Eigentor gegen Unterhaching verhinderte die Meisterschaft, eine Gelbsperre verhinderte das WM-Finale 2002 und eine Boateng-Grätsche zerstörte die Teilnahme an der WM 2010. Die Wade der Nation sei getröstet: Tragik plus Zeit ergibt Komik.