Zehn Dinge über Gladbach im Europapokal

Schüsse, Flugverbote und David Hasselhoff

16 Jahre mussten die Gladbach-Fans auf ein Comeback ihrer Mannschaft auf Europas Bühne warten. Heute Abend ist es gegen Dynamo Kiew endlich soweit. Zum Aufwärmen gibt es hier die zehn schönsten Geschichten aus der Europapokal-Historie der Borussia.

Echte Pioniere

Borussia Mönchengladbach war der erste Verein, der Deutschland im Europapokal der Pokalsieger repräsentierte. Gegner der Mannschaft von Trainer Bernd Oles im November 1960 waren die Glasgow Rangers. Im Hinspiel im Düsseldorfer Rheinstadion verlor Gladbach mit 0:3, Angreifer Dieter Bedürftig traf es dabei besonders hart. Kurz vor Schluss wurde der von Gegenspieler Davis niedergestreckt, brach sich den Kiefer und verlor vier Zähne. Zwei Wochen später reisten die Gladbacher dann nach Schottland. Allein 16 Mitgieder der 22-köpfigen Delegation hatten vor dem Abflug auf die britische Insel noch nie in einem Flugzeug gesessen. Ob es an den entsprechend weichen Knien lag, dass Gladbach im Rückspiel bei den Rangers mit 8:0 unterging, ist nicht abschließend geklärt.

Novizen vom Punkt
Zehn Jahre später stand die Borussia erstmals im Europapokal der Landesmeister und fackelte gleich ein Feuerwerk ab. In der ersten Runde schickten Vogts, Netzer und Co. EPA Larnaca mit 6:0 und 10:0 nach Hause. In der zweiten Runde schrieb die Mannschaft dann Geschichte, im Rückspiel gegen den FC Everton kam es nämlich zum ersten Elfmeterschießen im Europapokal der Landesmeister. Und das Duell vom Punkt startete blendend, als Gladbach-Keeper Wolfgang Kleff gleich den ersten Elfmeter parierte. Danach lief es allerdings nur noch mittelprächtig. Herbert Laumen und Lüdwig Müller verschossen, Gladbach flog raus. Besonders bitter: Intern galt Müller als mit Abstand bester Elferschütze, schließlich hatte der der Abwehrmann sechs Jahre lang keinen Elfer mehr verschossen.

Die Luft ist frei
Über das Skandalspiel gegen Inter Mailand aus dem Oktober 1971 ist ausreichend berichtet worden. Heute reichen die Worte Dose und Bonisegna, um rund um den Bökelberg für Schaum vorm Mund zu sorgen. Für das Wiederholungsspiel auf neutralem Boden in Berlin sprang den Anhängern der Borussia an der Spree eine Welle der Sympathie entgegen. Zahlreiche Taxifahrer fuhren die Borussia-Anhänger umsonst zum Olympiastadion, erstmals nach dem 2. Weltkrieg wurde sogar das Nachtflugverbot über Berlin aufgehoben, damit die zahlreichen Fans auch nach Abpfiff in den Sondermaschinen nach Hause kamen. Ein besonderes Schmankerl ließ sich indes der Barchef des Hotels »Schweizerhof« einfallen, der kurzerhand einen Cocktail mit dem Namen »Borussia« auf die Karte nahm. Der Inhalt: Ein Schluck Asbach Uralt, ein Schluck Advokaat, ein Eigelb mit Zucker, etwas warme Milch und Sahne garniert mit Pistazien. Genützt hat es nicht, Gladbach spielte 0:0 und schied aus.

Immer wieder Mailand
Im April 1974 machte die Borussia erneut schlechte Bekanntschaft mit einem Mailänder Klub, diesmal allerdings mit dem AC Milan. Nach der 0:2-Hinspiel-Niederlage in Mailand ruhten alle Hoffnung der Borussia auf das Rückspiel, für das der Verein extra ins Düsseldorfer Rheinstadion umzog. Durch ein Eigentor des Italieners Sabadini ging Gladbach früh mit 1:0 in Führung, danach entwickelte sich ein Schauspiel auf Hollywood-Niveau. Immer wieder wurden die Italiener ihrem Ruf gerecht, ließen sich bei jeder Gelegenheit fallen und schindeten so Minute um Minute. Als Schiedsrichter Franco-Martinez den Fohlen gleich drei glasklare Elfmeter verweigerte, brachen auf dem Rasen Tumulte aus, die sich auf die Ränge übertragen. Nach dem Abpfiff motzte Klaus-Dieter Sieloff: »So bin ich in meinem ganzen Leben noch nicht betrogen worden!« Währenddessen jagten aufgebrachte Gladbach-Fans den spanischen Schiedsrichter über den Rasen. Der musste später in eine Polizeiuniform schlüpfen, um das Stadion schadlos verlassen zu können. Gladbach musste am Ende eine Strafe von 5000 D-Mark bezahlen und verpasste das Finale.

Todesangst in Saragossa
Die Heimreise vom Uefa-Cup-Achtefinalrückspiel nach Saragossa wird für die Mannschaft von Hennes Weisweiler fast zur Tragödie. Nachdem die Fohlen locker in die nächste Runde eingezogen waren, freute man sich im Bus schon auf ein kühles Feierabendbierchen. Doch plötzlich krachte es gewaltig, zwei Scheiben gingen zu Bruch. Schnell stellte sich heraus, dass offenbar auf den Bus geschossen wurde. Die Täter wurden nie ermittelt. Glück im Unglück: Keiner der Spieler wurde verletzt, lediglich ein mitgereister Journalist bekam einige Glassplitter ins Auge. Aua.

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