Zehn Alternativen zur Freizeitgestaltung ohne Bundesliga

Bildungsreise mit Hans-Peter

Am Anfang war es noch schön, aber so langsam wird es ein unendlicher Schmerz. Die bundesligafreie Zeit scheint zum Tunnel ohne Licht zu werden. Zum Glück kennen wir zehn Alternativen, die die bittere Zeit ohne echten Fußball versüßen. Zehn Alternativen zur Freizeitgestaltung ohne Bundesliga

1.
Campingurlaub in Mexiko

Wie wäre es mit einer Reise in die jüngere Fußballzeitgeschichte? Begeben Sie sich unter der Führung von Abwehrveteran Hans-Peter Briegel auf die Spuren unserer 86er-Vizeweltmeisterhelden nach Mexiko. Was macht die Hand Gottes eigentlich heute? Wo entschwand Felix Magath der fettigen Umarmung von Helmut Kohl? Und wo kaufte Uli Stein eigentlich sein Sonnenöl? Zum Abschluss gibt es dann den großen WM-Test unter Realbedingungen: Nach wie viel Dosenbier lässt sich in der segenden Hitze von Mexiko-Stadt noch geregelt Fußball spielen? Erleben Sie zwei traumhafte Wochen in den kargen Kasernen Mittelamerikas. Ein unvergessliches Erlebnis für den ganzen Freundeskreis. Also: Kutte an, Fahne bügeln, Stimmbänder ölen und los geht es. Briegel wartet.

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2.
Rundreise zu allen Bundesligastadien

Fährt man während der Saison zu Auswärtsspielen, gibt es Haupt- und Nebensachen: Das Spiel an sich und das ganze Drumherum. Dosenbier im Zug beispielsweise. Oder Herumgrölen im gegnerischen Hauptbahnhof. Jetzt gibt es keine Spiele. Daran können wir nichts ändern. Aber warum lassen wir uns das Drumherum nehmen? Fahren wir nach Augsburg/Berlin/Dortmund/Freiburg,  packen unsere Flaggen aus dem Rucksack, überraschen die Polizei, fallen in Horden in deutsche Klein- und Großstädte ein, bringen die Straßenbahnen zum Entgleisen und die Anwohner zum Verzweifeln, essen Würste vor verlassenen Stadien, trinken Bier zum Frühstück. Und bald gilt dann wieder: Hauptsache Fussball.

3.
Abseitige Sportarten gucken

Wenn es kein Bundesligafußball gibt, dann gibt es immer noch Tennis, Radfahren, Segeln, Tischtennis, Handball - abseitige Sportarten eben. Diese Sportarten, so komisch es klingen mag, werden auch im Fernsehen übertragen. Irgendwo. Mann muss nur lang genug suchen. Nehmen wir Tennis: Da stehen sich zwei Menschen gegenüber, zwischen ihnen ein hüfthohes Netz, in ihren Händen gitterbespannte Schläger und dreschen einen Filzball hin und her, der nicht größer ist als der achte Teil eines echten Balls. Oder Radfahren: Da fahren erwachsene Menschen Fahrrad. Ganz ohne Ball. Es lohnt sich mal reinzugucken. Nur einige Minuten. Dann weiß man, was man hat – an echtem Sport.

4.
Die Vereinsmuseen betouren
Jeder Bundesligist, der etwas auf und von sich hält, betreibt mittlerweile ein Vereinsmuseum. Unter grellem Neonleuchten werden hier die Relikte alter, manchmal auch besserer Zeiten präsentiert: fast vergessene Pokale, Meisterschalen, Lederschuhe aus den Zwanzigern, päpstliche Ehrenmitgliedschaftsurkunden (Schalke 04) und alte Plastikstühle (Eintracht Frankfurt). Gelegenheit genug für den Fußballfan, endlich mal sein Klischee vom Kulturmuffel zu korrigieren, ohne sich aber gleich mit unendlich tiefsinnigen Kunstexponaten zu überfordern. In den Fußballmuseen darf der Fan auch Fan bleiben, Kutte erlaubt. Eine Fahrt nach Sinsheim muss allerdings von der Museumskarte gestrichen werden. Die TSG 1899 Hoffenheim hat trotz mehr als hundertjähriger Geschichte keine Räumlichkeiten, in der diese präsentiert werden kann. Merkwürdig.

5.
Die Saison an der Konsole vorspielen

Sich das aktuelle Bundesliga-Managerspiel kaufen, für den PC oder alternativ natürlich auch die Konsolen dieser Welt, und schon mal die neue Saison durchspielen – ein Tipp, so geheim wie Ratsecken: beruhigt die eigene Nervosität ungemein. Bei diesem Zeitvertreib offenbaren sich übrigens in der Regel zwei unterschiedliche Spieler- respektive Managertypen: Typ A klebt ganz korrekt am realen Tagesgeschäft und aktualisiert nur Wechsel, die tatsächlich Vollzug gemeldet wurden. Er will ein Echtheitserlebnis. Wundert sich dann vielleicht, wenn das eigene Team plötzlich gegen den Abstieg kämpft. Typ B befleißigt indes absolute Fantasietransfers aus der Sensationskategorie, pimpt den Kader in allen Belangen an das Maximum der Leiste und rauscht zu Meisterschaft und Pokal. Wundert sich dann vielleicht, wenn das reale Team nach Saisonbeginn nicht Schritt halten kann mit der durch den virtuellen Höhenflug entstandenen Erwartungshaltung.


6.
Einen Kochkurs belegen

Schimpfen kann ja jeder, aber selbst ist der Fan. Denn entgegen anders lautender Meinungen ist eine richtig gute Stadionwurst alles andere als ein Hexenwerk. Also ran an den George-Foreman-Grill, die Fackelmann-Grillschürze auf Halbmast geflaggt und hinein ins Land der Rostbratwürste. Ebenfalls zu empfehlen: der Aufbaukurs »Sieben Minuten sind ein halbes Leben – Bierzapfen für Großgruppen«. Diese Lektion in Demut wird sich beim nächsten Stadionbesuch sicher auszahlen.

7.
Die Trikotsponsoren kennenlernen

Ein Vorschlag für Besserverdiener: alle Erstliga-Trikotsponsoren miteinander kombinieren - an einem Tag. Los geht's: Miete Dir mit einem Anruf via Telekom (FC Bayern) einen Volkswagen (Wolfsburg) aus Caravan-Leichtbau (Augsburg), der zur Hälfte mit Gas betrieben wird (Schalke) - und zur anderen Hälfte mit Atomkraft (Nürnberg). Das Geld hebst Du bei der Targobank ab (Werder). Wenn Du dort kein Konto hast, errichte eines! Fahre mit der Bahn (Hertha) zum Wagenverleiher, mit dem Auto hälst Du kurz beim Supermarkt (Köln) und deckst Dich ein mit ganz viel Joghurt, halal-zertifiziertem Käse und Allgäuer Latschenkiefer (Freiburg, Stuttgart und Kaiserslautern). An der Kasse fallen Dir Überraschungseier auf; Du nimmst zwei Sück (Leverkusen, Auswärts und Heim). Dann fährst Du zum Flughafen, buchst bei TUI (Hannover) einen Flug nach Dubai (HSV). Diesmal holst Du das Geld bei der Postbank (Mönchengladbach). Da ein langer Flug bevorsteht, blätterst Du in der Flughafenlobby schon einmal in der Programmzeitschrift (Hoffenheim) - und entdeckst einen Film über die Gefahren des Klimawandels. Du cancelst den Flug und fährst nach Mainz, um dich bei Entega für den Umweltschutz zu engagieren. Den Wagen, diese Drecksschleuder, lässt Du den Betzenberg runterrollen. Anschließend genießt Du die zwei Ü-Eier. Es sind zwei wertlose Figuren zum Zusammenbasteln.

8.
Jubeln in freier Wildbahn
Kommt super: In den Edeka des Vertrauens gehen, die Fleischfachkraft hinter der Theke fragen, ob die Bouletten noch im Angebot sind und dann aber Rubbeldikatz! Laut schreiend mit geballter Faust durch den Markt rennen, vor dem Regal mit der Babynahrung die Wiege machen oder wahlweise im roten Läufer einrollen bis Carsten Jancker kommt und sich auf einen setzt. Alternativ bietet sich die Frage »Entschuldigen sie, hätten sie mal Feuer für mich?« im Park an. Ein gut dargebotener Diver auf dem nassen Geläuf oder die Raupe durch den Kinderspielplatz-Sandkasten werden sicherlich für die gewünschte Aufmerksamkeit sorgen.

9.
Maskottchen-Boxtraining
Die Fitness aufrechterhalten und dabei noch etwas über die Bundesliga lernen? Kein Problem, einfach ein Bild von allen Bundesliga-Maskottchen ausdrucken und auf Sandsäcke kleben. Von einem Freund abfragen lassen: Stuttgart? - Fritzle! Und: Zack! Auf die krokodils-Zwölf! Bei jeder richtigen Antwort zuschlagen und Wut ablassen. Am Ende des Tages bist Du Fachmann - und kannst mit Klitschko mithalten.

10.
Frauenfußball gucken!
Ganz genau. Die speckige Kutte und guten alten Vorurteile zu Hause lassen und einfach mal die Frauen-WM genießen. Die ganz Harten kramen sogar die schwarz-rot-güldene Fingerfarbe aus dem Schrank und bekleckern sich mit einem Spritzer Nationalismus, heften die Fahne an Balkon, Fahrradkorb und Außenspiegel, nehmen drei Wochen Urlaub und bauen sich ein hübsches Nest vor dem eigenen Fernseher. Auch gut: Das 11FREUNDINNEN-WM-Quartier in Berlin besuchen, Gerüchten zu folge wird da sogar die »Lindenstraße« auf Großbildleinwand ausgestrahlt. Zur intensiven Vorbereitung empfehlen wir die geballte Fachkompetenz unserer Kolleginnen und Kollegen von www.11freundinnen.de

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