Wolfsburg entlässt Augenthaler und Littbarski (fast)

Wolf frisst Weltmeister

Als Pierre Littbarski und Klaus Augenthaler 1990 Weltmeister wurden, kickte Wolfsburg noch in der Oberliga. Gut 20 Jahre später hat der Klub den einen Champion schon entlassen, der andere wird folgen. Doch wohin geht der VfL? Wolfsburg entlässt Augenthaler und Littbarski (fast)

Klaus Augenthaler und Pierre Littbarski gewannen 1990 in Rom gemeinsam die Weltmeisterschaft. »Memento mori«, pflegt man Helden auf ihrem Zenit ins Ohr zu flüstern. »Bedenke, dass du sterblich bist.« Es ist alles lächerlich, wenn man an den Tod denkt. Bei Auge und Litti hätte ein Blick in die nähere Zukunft gereicht: »Eines Tages wirst du beim VfL Wolfsburg entlassen.« 

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Am 10. Mai 2007 gab Klaus Augenthaler ebenda, mitten in der sportlichen Krise, eine denkwürdige Pressekonferenz. Sie dauerte 42 Sekunden. Vier Fragen waren zugelassen, er stellte sie selbst und beantwortete sie auch.



Augenthaler, als passionierter Angler tief vertraut mit dem Schweigen, vollbrachte hier das Kunststück, zu reden, ohne etwas zu sagen. Ein Nullnull der Außendarstellung. Kein Tor gemacht, aber auch keines zugelassen. Wie früher. Eine Demonstration seiner ureigenen Ausputzerhaftigkeit. Neun Tage später musste Auge gehen. 

Wo ist bloß Icke Häßler geblieben?

Heute, knapp vier Jahre danach, ist Pierre Littbarski der Wolfsburger Übungsleiter. Seine Bilanz: Fünf Spiele, vier Niederlagen, akute Abstiegsgefahr. Doch im Gegensatz zu Augenthaler redet Littbarski viel. Sehr viel. Zu viel. Auch bei ihm ist das wie früher: Er dribbelt sich flackernd durch die Sätze, schlägt Haken, sucht Anspielstationen, findet keine. Wo ist bloß Icke Häßler geblieben? »Wenn man unten steht, gehen Dinge oft nach hinten los«, sagte er nach dem 1:2 zu Hause gegen Nürnberg. »Die Mannschaft hat gezeigt, dass sie den Abstiegskampf angenommen hat« und »Wer immer ans obere Limit geht, wird dafür auch belohnt« – Schablonensätze. Nullaussagen. Verzweiflungsrhetorik. 

Witze will jetzt niemand hören

Ja, Pierre Littbarski ist verzweifelt und kann es kaum verhehlen. Er war mal Litti, der Scherzkeks, der, als »Dingsda«-Kind verkleidet, Videowitze aus dem WM-Traingslager in die Heimat schickte. Kriegsmetaphern für den Abstiegskampf sind nicht so seins. Aber Witze will jetzt niemand hören. Und dass Litti nicht mehr Litti sein will, hat er selbst gleich am Anfang verkündet. Herr Littbarski sollte ein strenger Feuerwehrmann sein, das war Dieter Hoeneß' Idee. 

Das Schweigen übernahm nun dieser, in einem Ausmaß, das selbst Klaus Augenthaler als Plaudertasche erscheinen ließ. Wortlos verschwand er nach dem 1:2 gegen Nürnberg in den Katakomben. Vorstellbar, dass er allein sein wollte, als er darüber nachdachte, ob die Litti-Feuerwehrmann-Idee wirklich eine seiner guten war. Noch vorstellbarer, dass heute beim VfL Wolfsburg ein weiterer Weltmeister entlassen wird.

Ob die Abstiegsgefahr damit gebannt ist und wie viele gute Ideen Dieter Hoeneß noch parat hat, muss sich erweisen. 1990, als Litti und Auge triumphierten, hatte der VfL Wolfsburg übrigens gerade die Saison in der Oberliga Nord als Vierter abgeschlossen. Memento mori.

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