Wolfgang Kleff über Gladbach-Bayern

»Auslaufen und ausschwitzen«

34. Spieltag der Saison 1973/74: Die Bayern aus München sind zu Gast am Gladbacher Bökelberg. Ein Spiel ohne Bedeutung – eigentlich. Gladbach-Keeper Wolfgang Kleff erinnert sich an volltrunkene Tanzbären und einen Auftrag.

Der letzte Spieltag in der Saison 1973/74 ­– tatsächlich ein ziemlich historischer Tag. Wenn auch nicht für uns, denn die Bayern lagen uneinholbar vorne in der Tabelle, waren also schon Deutscher Meister und zu allem Überfluss hatten die Roten zwei Tage zuvor in Brüssel auch noch das Europacup-Finale gegen Atletico Madrid gewonnen und den Pokal mit den großen Ohren stemmen dürfen. Für uns Gladbacher natürlich eine relativ unangenehme Vorstellung den Erzrivalen aus dem Süden so die Titel einheimsen zu sehen.

Ganz offensichtlich hatten die Bayern Grund zum Feiern – und taten das nicht zu knapp. An diesem 18. Mai 1974 torkelten uns elf ziemlich angeschickerte Profis aus München auf den Rasen im Bökelberg-Stadion. Und wer schon wieder halbwegs nüchtern war, schien noch ordentlich verkatert zu sein. Für dieses letzte und bedeutungslose Spiel hatten sie nur ein Motto: Auslaufen und ausschwitzen.

Dieser versoffene Haufen

Mit einer so unausgeschlafenen Truppe, die einzig mit der Ambition angereist war nicht zu hoch zu verlieren, hatten wir aber auch nicht gerechnet. Die meisten Spieler hatten anscheinend kaum geschlafen und tapsten wie halbbetrunkene Tanzbären über den Rasen. Berechtigterweise, denn wenn man die beste Mannschaft Deutschlands und Europas ist, darf man natürlich auch die Korken knallen lassen! Wir hätten das ganz genauso gemacht, da können Sie sich sicher sein.

Wir waren allerdings ziemlich heiß auf dieses Spiel. Bayern gegen Gladbach – das war ein echtes Prestige-Duell in den siebziger Jahren. Vor dem Anpfiff war uns klar: Gegen diesen versoffenen Haufen können wir uns nur nicht blamieren, wenn wir sie vom Platz fegen!

Und wir hatten noch einen anderen Motivationsgrund, um auch am 34. Spieltag Vollgas zu geben: Jupp Heynckes, unser Mann für die schnellen Hütten, stand vor dem Spiel mit 28 Treffern auf Platz zwei der Torschützenliste – hinter Gerd Müller, der 30 Tore auf seinem Konto hatte. Gerd, so viel war klar, würde in diesem Spiel nicht mehr auch nur irgendwas reißen können, so groß, wie seine Augenringe waren. Da hätte ich ein paar dressierte Delfine durchspringen lassen können! Wir benötigten dann allerdings doch eine halbe Stunde für das erste Tor, immerhin war es Jupp, der zur Führung traf. Simonsen, Bonhof und wieder Jupp erhöhten noch vor der Pause auf 4:0, den Bayern war da schon alles egal. Nur Sepp Maier und Franz Beckenbauer waren stinksauer.

Kaltes Wasser in der Halbzeitpause

Ich hatte auch in der zweiten Halbzeit einen lauen Nachmittag. Ich will nicht sagen, das mir langweilig war, es war eben nur relativ uninteressant. In der Pause hatten sich die Bayern offenbar etwas kaltes Wasser über die Köpfe geschüttet, unsere Stürmer hatten es nach Wiederanpfiff jedenfalls deutlich schwerer. Nur noch Lorenz-Günther Köstner netzte nach 71 Minuten noch einmal ein, danach war Feierabend.

5:0, ein fantastisches Ergebnis völlig ohne Wert. Was uns dann auch egal war, die Saison war zu Ende, und nun warteten auch auf uns ein paar kühle Getränke in der Kabine.

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