Wolfgang Funkel über das Wunder von der Grotenburg

»Wie ein Hammerschlag«

0:2 im Hinspiel, 1:3 zur Pause im Rückspiel. Heute vor 30 Jahren feierte Uerdingen gegen Dresden eines der größten Comebacks der Fußballgeschichte. Wolfgang Funkel erinnert sich.

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Wolfgang Funkel, wenn Sie von Fremden auf das Europapokal-Rückspiel zwischen Uerdingen und Dresden am 19. März 1986 angesprochen werden: Was interessiert die am meisten?
Meistens erzählen mir die Leute, dass  sie spätestens zur Halbzeit umgeschaltet haben, weil sie dachten, die Partie sei gegessen.

Kein Wunder. Nach der 0:2-Hinspiel-Pleite netzte Minger in Uerdingen schon in der ersten Minute gegen Sie ein. Waren Sie zu offensiv ausgerichtet?
Wir waren schon sehr offensiv ausgerichtet, da wir mindestens drei Tore schießen mussten, um weiterzukommen. Als wir uns dann das 0:1 gefangen haben, war das wie ein Schlag mit dem Hammer. Viele von uns haben das Spiel in diesem Moment abgehakt.

Haben Sie die Resignation auch beim Trainer gespürt?
Nein, er ist von der Bank gesprungen, hat wild gestikuliert und noch versucht, uns nach dem Rückstand nach vorne zu peitschen. Er war jemand, der Theater gemacht hat, ein Hans Dampf eben.

Das Heißmachen dürfte sich in der Pause beim Stand von 1:3 erledigt haben.
Ja, in der Halbzeit saßen wir alle mit hängenden Köpfen da. Keiner von uns hat mehr an ein Weiterkommen geglaubt. Beide Spiele zusammengerechnet lagen wir mit 1:5 hinten und hatten noch 45 Minuten Zeit, um das zu drehen – ein in Ding der Unmöglichkeit.

Wie hat Feldkamp reagiert?
Der Trainer hat nur gesagt: »Wir müssen uns zumindest mit Würde verabschieden.« Also sind wir rausgegangen und wollten versuchen, vielleicht noch ein Unentschieden oder einen knappen Sieg zu holen, um den Menschen im Stadion und an den Fernsehschirmen etwas zurückzugeben.



Als Sie wieder auf den Platz gingen, stand für den Dresdner Keeper Jakubowski Ersatzkeeper Ramme auf dem Platz.
Jakubowski hatte kurz vor der Halbzeit einen Zusammenprall mit mir. Ich hatte ihn mit dem Knie am Rücken erwischt, allerdings unbeabsichtigt.

Später stellte sich heraus, dass sich Jakubowski in Folge des Zusammenpralls die Schulter gebrochen hatte und anschließend seine aktive Laufbahn beenden musste. Haben Sie noch einmal über die Situation gesprochen, die zu seiner Verletzung führte?
Als ich Co-Trainer in Oberhausen war, hatten wir Ende der Neunziger ein Trainingslager in Ostdeutschland. Plötzlich tippt mir Jakubowski bei einem Freundschaftsspiel auf die Schulter. Es hat nicht lange gedauert, bis wir auf den Unfall zu sprechen gekommen sind. Er meinte: »Eigentlich müsste ich dir jetzt in den Hintern treten.« Aber im Endeffekt mussten wir beide lachen.

Hat der Torwartwechsel das Uerdinger Spiel beeinflusst?
Erst einmal nicht. Als wir aus der Kabine gekommen sind, wussten wir nichts von dem Wechsel. Zudem kannten wir Ramme nicht – weder seine Stärken noch seine Schwächen.

Sie haben es in der zweiten Halbzeit auffallend häufig über hohe Bälle versucht.
Das hatten wir uns schon vor dem Spiel vorgenommen, weil unsere Mannschaft mit kopfballstarken Spielern gespickt war. Als der Ersatztorwart dann unglaubliche Schwächen bei hohen Bällen zeigte, versuchten wir es umso häufiger. Zumal er auch beim Rauslaufen nicht die beste Figur machte.

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