Woher kommt die Rivalität zwischen Braunschweig und Hannover?

Messeparkplatz-Ost vs West-Peine

Nach 37 Jahren treffen Eintracht Braunschweig und Hannover 96 wieder in einem Bundesliga-Derby aufeinander. Seit dem Mittelalter stehen sich beide Städte mehr als skeptisch gegenüber – und piesaken sich, wo es nur so geht.

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»Es gibt nur ein richtiges Derby – und das ist gegen Eintracht Braunschweig«, sagte der damalige Hannover-96-Trainer Dieter Hecking als er im Jahr 2008 auf das »Derby« gegen Wolfsburg angesprochen wurde. Diese Aussage würden sämtliche Anhänger der 96er und auch im umgekehrten Sinne die Fans der Eintracht sofort unterschreiben.

An diesem Freitag kommt es nach 37 Jahren nun endlich zur Neuauflage des Derbys in der höchsten deutschen Spielklasse, dem beide Fanlager voller Vorfreude entgegenfiebern. Bei den Verantwortlichen und Sicherheitskräften hingegen ist die Angst vor Ausschreitungen groß – und vor allem nicht unbegründet.

Seit Wochen schon behaken sich die Fans beider Lager nicht nur verbal. So  beschmierten 96-Fans im Vorfeld des Derbys einen Eintracht-Bus; die Eintracht-Fans hingegen bestückten ein Schwein mit 96-Logo und -Fanschal und ließen es in der Hannoveraner Oststadt los. Die Rivalität und teilweise sogar Hass ist förmlich greifbar. Doch liegen die Gründe hierfür nur in der unmittelbaren Nähe der Städte zueinander begründet? Wohl kaum. Denn dann wären ja die Duelle zwischen  Hannover und Wolfsburg bzw. Braunschweig und Wolfsburg ähnlich aufgeheizte Derbys.

Grenzkontrollen dauert acht Tage

Die wirklichen Gründe gehen bis weit zurück ins Mittelalter: Im Jahr 1140 gelangte der welfische Herrscher »Heinrich der Löwe« an die Macht. Dieser wählte Braunschweig zu seiner Residenz, so dass die Stadt an der Oker zur Löwenstadt wurde. Braunschweig wurde damit als Hauptstadt des Herzogtums Sachsens, das den gesamten Nordwesten umfasste, ins Rampenlicht der Politik gerissen. In den folgenden Jahren sollte Hannover, das pikanterweise durch den Braunschweiger Herzog Otto überhaupt erst den Stadtstatus zugesprochen bekam, keine Konkurrenz für Braunschweig darstellen: Die Löwenstadt zählte schon im Mittelalter 20.000 Einwohner und stellte eine der wichtigsten Großstädte des Reichs dar.

Der Herzog Friedrich Ulrich verpasste Anfang des 17. Jahrhunderts die große Chance, den Konkurrenzkampf zwischen Braunschweig und Hannover vorzeitig zu Gunsten der Löwenstadt zu entscheiden. Er hatte für keinerlei Nachkommen gesorgt, so dass mit ihm die Braunschweiger Linie erlosch. Der kurz darauf an die Macht gekommene Herzog Georg wählte dann jedoch Hannover als seine Residenzstadt aus. Mit einem Schlag hatten sich damit die Machtverhältnisse verschoben, woraufhin das komplette Machtzentrum von der Oker an die Leine wanderte.
Die folgenden Jahre kann man getrost als dunkelstes Kapitel in der Hannoversch-Braunschweigischen Geschichte beschreiben. Kampflos wollten sich die Braunschweiger nämlich nicht ihrem Schicksal ergeben, so dass sie sogar eine Allianz mit Frankreich gegen Hannover bilden wollten. Die Hannoveraner bekamen davon jedoch Wind und schlugen den Braunschweiger Aufstand kurzerhand nieder.

In der Folgezeit vergiftete das Verhältnis der Nachbarn immer mehr: Die hannoverschen Zöllner kontrollierten alle Braunschweiger, die mit dem Zug unterwegs waren, in aller Ruhe und Gründlichkeit. Dabei verzögerten sie die Kontrollen so lange, dass der Zug bereits wieder abfuhr und die Koffer nachgeschickt werden mussten. Auch die Braunschweiger Zöllner nahmen ihren Beruf sehr ernst und kontrollierten die Hannoveraner Wagen so penibel an der Grenze, dass sich die Wagen kilometerlang stauten und zeitweise sogar bis zu acht Tagen warten mussten.

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