Wo der »Kiezclub« sein Heimspiel austragen kann

Quo vadis, FC St. Pauli?

Platzsperre statt Geisterspiel für den FC St. Pauli. Der DFB revidierte sein Urteil zum Becherwurf, jetzt sucht der Kiezklub einen Spielort für das erste Heimspiel der neuen Saison. Wir hätten da ein paar Ideen. Wo der »Kiezclub« sein Heimspiel austragen kann

Der DFB hat sich tatsächlich vom Einspruch der Hamburger erweichen lassen. Statt eines Geisterspiels muss der Kiezklub das erste Heimspiel der neuen Saison auf fremdem Platz austragen. Vorgaben: Mindestens 50 Kilometer Entfernung zum Millerntor und maximal 13.750 Zuschauer. Acht Vorschläge für den Alternativplan.

Bremen, Weserstadion
92 Kilometer Luftlinie


Seit West- und Ostkurve näher an das Spielfeld gezogen wurden, entsteht auch hier gelegentlich etwas, das an Stimmung erinnert. Bietet mit einer Kapazität von 42.354 Plätzen genug Platz, fast schon zu viel. Gefahr, dass der Gesang im weiten Rund verhallt, ist vorhanden. Für den gemeinhin maritim veranlagten St.Pauli-Fan ist die Anreisemöglichkeit per Schiff auf der Habenseite zu verbuchen. Die Astra-Knolle wird an der Weser durch Haake-Beck ersetzt. Seit der »Metronom« sich dem Kampf gegen Alkohol verschrieben hat, verspricht die Bahnfahrt leider nur noch so viel Spaß wie Mikado auf Baldrian.

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Rostock, DKB-Arena
151 Kilometer Luftlinie


Sollte der Kiezclub den Klassenerhalt doch noch schaffen, droht das anekdotenreiche Nordderby einmal mehr auszufallen. Schade, sagen wir, etliche Fahnen in den Rasen rammend. Und schicken die einst Ostseestadion genannte Arena als Millerntor-Ersatz ins Casting. Mit 29.000 Plätzen und 26 VIP-Logen bestehen gute Chancen auf den Recall. Zudem treibt im Rostocker Untergrund eine gallische Bastion aus St.Pauli-Fans ihr Unwesen. In diversen Foren wird die Möglichkeit jedenfalls schon jovial kichernd diskutiert. Von »Höhle des Löwen« bis »Teufels Küche« ist alles dabei und keine Redewendung zu abgedroschen. Die Geschmacksumstellung auf Lübzer Pilsener kann gleichwohl problematisch geraten.

Lübeck, Stadion an der Lohmühle
58 Kilometer Luftlinie


Profifußball, den gibt es noch? Mit dem FC St. Pauli würde an der Trave womöglich auch die Erinnerung an bessere Zeiten einkehren, immerhin hatte der VfB die Braun-Weißen einst 6:0 vermöbelt. 2002/03 war das, damals noch in der 2. Bundesliga. Heute zuckelt Lübeck durch die Regionalliga Nord. Aber 17.869 Plätze, 18 funktionstüchtige Lautsprecher sowie die Nähe zu – Achtung, Schleichwerbung! – ALDI und Edeka sprechen für die Lohmühle. Dazu Holsten statt Astra. Knallt am dollsten und macht am ... ach, lassen wir das.

Meppen, Vivaris Arena Emsland
201 Kilometer Luftlinie


Das Stadion im Meppener Norden wird ab dem Sommer 2011 auf MEP-Arena getauft. Schon die vierte Namensänderung seit der Gründung, Meppen hier auf Augenhöhe mit P. Diddy. Internationales Flair auch im Inneren: 4.600 der insgesamt 16.500 Plätze sind Sitzschalen, eine Tartanbahn gibt es nicht. Dafür emsländische Gemütlichkeit, Deichambiente und Friesenwitze.

Kiel, Holstein-Stadion
89 Kilometer Luftlinie


Da auch die der deutsche Football-Erstligist »Baltic Hurricanes« das Grün nutzt, dürften bei den Braun-Weißen zumindest rasentechnisch heimatliche Gefühle aufkommen. Tradition, auf dem Heiligengeistfeld auch immer gerne bemüht, gibt es reichlich. Das Holstein-Stadion gehört zu den zwanzig ältesten Spielstätten in Deutschland. Die 11.386 Plätze können in Ausnahmesituationen auf 15.000 erweitert werden – ideal für ein Heimspiel, das keines ist. Mehr Ausnahme geht nicht. Weil Kiel anno 2009 die DFB-Anforderungen nicht erfüllte, wird seither gewerkelt. Pufferzonen und neue Fluchtwege entstehen. Das Stadionbier Warsteiner könnte unter St.Pauli-Fans eine amüsante Debatte um drinking correctness entfachen.

Glasgow, Celtic-Park
944 Kilometer Luftlinie


»It’s like leaving a graveyard to enter paradise«, heiligen die Schotten ihr Schmuckstück an der Kerrydale Street, nahe eines Friedhofes. Kein Ort letzter oder irgendeiner Ruhe ist die Schüssel, deren steile Tribünen 60.832 Zuschauer schlucken. Allein der North Stand, genannt »The Jungle«, würde mit seinen 26.970 Plätzen schon reichen. Ein Groundhopping zum Heimspiel des FC St. Pauli, mit dem sich auch die jahrzehntelange Freundschaft beider Anhängerkreise mal wieder praktisch testen ließe. Wurde 2003 von der BBC zum beliebtesten britischen Stadion gewählt. Absolutes No-Go aber: das hier geltende Alkohol- und Rauchverbot.

Oldenburg, Marschweg-Stadion
126 Kilometer Luftlinie


In Oldenburg wird ein interessanter Spagat versucht. Die neue Haupttribüne mit weißem Tuchdach zeigt architektonische Querverweise zu Wembley, München und Bierzelt, der Rest fällt ab. Grashügel und Betonstufen versprühen rustikale Romantik. Trotzdem oder deshalb satte 15.200 Plätze. Auf Anfrage erklärt Ulrich Niegel, Leiter im Marketing beim VfB Oldenburg: »Natürlich wäre das ein Riesending für uns. Allerdings kenne ich die infrastrukturellen Richtlinien der Bundesliga nicht.« Würde der FC St. Pauli ins tiefste Niedersachsen ausweichen, muss das Spiel definitiv bei Tag stattfinden. Flutlicht kennt man beim Oberligisten nämlich auch nicht.

Sinsheim, Rhein-Neckar-Arena
486 Kilometer Luftlinie


Auto- und Technikmuseum, Autobahnausfahrt – die Rhein-Neckar-Arena, Heimat der TSG Hoffenheim, lohnt jede Anreise. 30.150 Zuschauer gehen rein. »Susi’s Showbar« könnte die Tanzstangen in einer der 40 Business-Logen aufziehen. Idee: Dietmar Hopp stellt den wilden Hexenkessel im Tausch gegen Trainer Holger Stanislawski kostenlos zur Verfügung. Nächster Zughalt Elsenz, am Stadionkiosk Bezahlung mit der achtzehn99-Karte, dem Hoffenheimschen Millerntaler.

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