Wo bitte geht's zu Tennis Borussia Berlin?

Immer den Bach runter

Der Charlottenburger Traditionsverein Tennis Borussia Berlin ist am Pfingstsonntag in die Berlin-Liga abgestiegen. Bereits vor zwei Jahren sahen wir das Unheil kommen: Der Weg von TeBe führt nur nach unten. Wo bitte geht's zu Tennis Borussia Berlin?
Heft #88 03/2009
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Das Engagement der geheimnisvollen Treasure AG ist nicht der erste Versuch eines Investors, bei Tennis Borussia Berlin einzusteigen. Kurzfristigen Erfolg, aber auch unrühmliche Bekanntheit erlangte der Traditionsverein Mitte der 90er Jahre, als der Finanzdienstleister »Göttinger Gruppe« den Klub übernahm und von der Regionalliga in den Europapokal führen wollte.

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Der Einstieg erfolgte zu einem denkbar günstigen Zeitpunkt – rund 8 Mio. DM Schulden plagten die Charlottenburger, als sich der damalige Präsident und Mäzen, Schlagerproduzent Jack White, zurückzog. Dem Investor aus Niedersachsen ging es allerdings keineswegs um eine die eigene Eitelkeit streichelnde Imagekampagne, vielmehr schmiedete er einen kühnen Plan: Tennis Borussia sollte nichts anderes als eine profitable Tochterfirma der »Göttinger Gruppe« werden. Alle Investitionen dienten einzig allein dem Zweck, den Verein an die internationale Spitze zu führen, um dann dort die entsprechenden Gewinne abzuschöpfen. Für fußballerische Sentimentalitäten fehlte jegliches Gespür.

Melzig und Copado kamen

Um die eigenen Interessen jederzeit zu wahren, durchdrang der Investor die Gremien des Vereins und besetzte die entscheidenden Posten entsprechend - »GG«-Chef Erwin Zacharias saß dem Aufsichtsrat vor, »GG«-Vorstandsmitglied Kuno Konrad wurde zum TeBe-Präsidenten bestellt. Selbst die Pressearbeit wurde nach Göttingen ausgelagert. Beim einst klammen Klub spielte Geld keine Rolle mehr – es war einfach da. Bundesliga-Kickern wie Jens Melzig oder Francisco Copado wurde die Regionalliga mit fürstlicher Entlohnung schmackhaft gemacht.

Tennis Borussia wurde damit zunehmend zur Projektionsfläche aller Ängste vor einer  Kommerzialisierung des Fußballs. Tenor: »Spieler kann man kaufen, Fans nicht«.

Zwar fanden tatsächlich nicht viele Fans den Weg ins Mommsenstadion, die wenigen, die kamen, bildeten aber zunehmend die größte Opposition zur »Göttinger Gruppe«. Sie erkannten, dass ihr Verein gegen die Wand gefahren und das Image komplett ruiniert wird. Vor allem im Osten der Republik wurde TeBe massiv angefeindet und zum Inbegriff des Bösen gemacht. Antisemitische Beschimpfungen und tiefe Griffe in die Klischeekiste waren an der Tagesordnung, so dass Auswärtsspiele zum Spießrutenlauf mutierten. TeBe wurde zum idealen Feindbild: der neureiche Verein aus West-Berlin, der seelenlos durch die Regionalliga pflügt und den ostdeutschen Traditionsklubs keine Chance lässt. Grund genug für die kleine Fanszene, enger zusammenzurücken und den Anfeindungen (selbst-)ironisch entgegenzutreten. Ein Geist, der sich bis heute erhalten hat und sich wohltuend vom Sauf- und Raufethos vieler anderer Fankurven abhebt.

Die Investitionen aus Göttingen sorgten rasch für sportlichen Erfolg: 1998 gelang der Aufstieg in die 2. Liga, der direkte Durchmarsch im Jahr darauf wurde nur knapp verpasst.  Für die »Göttinger Gruppe« Anlass, das Rad immer weiter zu drehen. Die Lizenzmannschaft wurde aus dem Verein aus-  und in eine KGaA (Kommanditgesellschaft auf Aktien) eingegliedert. Heute ein normaler Vorgang, im Jahre 1999 aber noch ein Tabubruch. Offensiv wurde der Anspruch formuliert, mittelfristig am Europapokal teilzunehmen. Zuvor ging es allerdings erst einmal darum, in die Bundesliga aufzusteigen.

Schäfer für Gerland

Dem beliebten Trainer Hermann Gerland wurde das nicht mehr zugetraut, statt seiner wurde diese Mission Winfried Schäfer übertragen. Mit dem bis dahin teuersten Zweitligakader aller Zeiten, gespickt mit Uwe Rösler, Sergej Kirjakow oder Jan Suchoparek, scheiterte Schäfer grandios. TeBe fand sich im Abstiegskampf wieder und konnte erst am letzten Spieltag den Klassenerhalt sichern. Auch die »Göttinger Gruppe« geriet ins Schlingern. Vorwürfe des Anlagebetrugs wurden immer lauter. Im Lizenzierungsverfahren kam es  zum großen Knall. Der DFB forderte eine Millionenbürgschaft, um TeBe die Lizenz erteilen zu können. Ein Bürge fand sich – allerdings eine Bank, die der »Göttinger Gruppe« gehörte. Man wollte also für sich selbst bürgen. Das ließ der DFB natürlich nicht zu und verweigerte die Lizenz für die folgende Zweitligasaison, so dass die Mannschaft stattdessen in der Regionalliga antreten musste.

Die hochbezahlten Spieler verabschiedeten sich. Zurück blieb eine nicht-konkurrenzfähige Mannschaft, die abgeschlagen auf dem letzten Platz landete. Statt in der Champions League fand sich Tennis Borussia in der Oberliga wieder – die inzwischen insolvente Göttinger Gruppe war man aber endlich los.

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