WM-Qualifikation: Tahiti, Salomonen, Iran, Usbekistan und Co.

Ihr da oben, wir hier unten

Endlich Bundesligapause! Endlich Usbekistan gegen Südkorea, Libanon gegen Iran, Tahiti gegen Neukaledonien. Ach, ihr kennt die Teams nicht? Nun, wir auch nicht! Aber wir haben ein bisschen recherchiert und präsentieren: Außerordentlich nützliches Wissen für die WM-Qualifikation ganz unten.

Ihr habt genug von den ewigen Zauberpässen Xavis, von den Fantasietoren Balotellis, von den Superparaden Manuel Neuers? Ihr wollt Fußball ganz unten. Fußball, bei dem ihr denkt: »Mensch, da könnte ich auch mitkicken, wäre ich nur ____________« (bitte hier Saolonone, Tahitianer oder Neukaledonier einfügen). Dann bitte, hier ist euer Programm für den 11. und 12. September, Uhrzeiten gemäß MEZ (Obacht: Das Programm ist zeitlich für Groundhopper nicht durchführbar).

Neuseeland - Salomonen, 11. September 2012, 8:35 Uhr

Feinster Stoff gleich zu Beginn. Was man wissen sollte: Neuseelands Mannschaft ist nicht so schlecht, wie man annehmen könnte. Stürmer Chris Wood spielt zum Beispiel bei West Bromwich Albion und sein Sturmkollege Shane Smeltz war schon Profi beim AFC Wimbledon und Genclerbirligi Ankara. Sowieso Smeltz: Der ist seit der WM 2010 der neuseeländische Fußballgott. In der Vorrunde schoss er beim 1:1 gegen Italien ein Tor. Auch gegen Paraguay und die Slowakei erkämpften die Neuseeländer Unentschieden.   Smeltz like Teamspirit! Schön und gut – das Team schied trotzdem aus.

Über die salomonische Nationalelf gibt es nicht viel Gutes zu berichten. Sie belegt momentan Platz 159 der Fifa-Weltrangliste. Immerhin hat sie einen Stürmer, Commins Menapi, der eine Gerd-Müller-Quote aufweist (30 Toren in 34 Länderspielen). Als Spieler des neuseeländischen Klubs Waitakere United beging er einst ein Foul, das unser Archivar (78) kürzlich auf einem Clip in seiner Privat-Videothek wiederfand. Wir haben ihm gesagt, dass er solche Clips in Zukunft in seiner Privat-Videothek lassen soll:



Usbekistan - Südkorea, 11. September 2012, 15 Uhr

Usbekistan war kurzzeitig eine richtig dicke Nummer im Welt-Fußball. 2008 wechselte der Brasilianer Rivaldo zum Hauptstadtklub Bunjodkor Taschkent. Als Trainer folgte erst Zico und als der entlassen wurde, kam Luiz Felipe Scolari. In dieser Goldgräberstimmung sollten auch Spieler wie Samuel Eto’o, Andres Iniesta, Carles Puyol und Cesc Fabregas verpflichtet werden. Doch die Euphorie war nur von kurzer Dauer. Supertrainer und Superfußballer verließen den Verein alsbald wieder. Ende 2011 versuchte man den Hype neu zu entfachen – und verpflichtete Thomas Brdaric als Sportdirektor. Der Klub wurde in diesem Jahr Meister. Für die Nationalmannschaft gab es bislang wenig zu holen. Ein vierter Platz bei den Asienmeisterschaften ist der größte Erfolg. Außerdem schmückt man sich mit einem 15:0-Sieg aus dem Jahr 1998. Gegner damals: Die Mongolei.

Wir wissen nicht, wie es euch geht, aber wir denken ein- bis dreimal am Tag an Bum-kun Cha. Dieser pfeilschnelle Flitzer aus Fernost. Cha ist übrigens mit 55 Toren nach wie vor Rekordtorschütze seines Landes. Zuletzt war der ehemalige Bundesligaspieler (Bayer Leverkusen und Eintracht Frankfurt) als Trainer bei den Suwon Samsung Bluewings tätig. Ach, Bum-kun Cha! Ob der Mann weiß, dass es eine deutsche Band gibt, die sich »Bum Kun Cha Youth« nennt, dass Eckhard Henscheid einst ein Gedicht mit dem Titel »Hymne auf Bum Kun Cha« geschrieben hat oder dass Frankfurt-Fans im August 1980 als »Bum-kun Cha Mordkommando« Jürgen Gelsdorf erschießen wollten?

Libanon - Iran, 11. September 2012, 16 Uhr

Star der libanesischen Mannschaft ist Roda Antar, ein alter Bundesliga-Bekannter. Der 30-Jährige spielte für den HSV, den SC Freiburg und den 1. FC Köln. Seit 2009 ist er für den chinesischen Klub Shandong Luneng aktiv, mit dem er 2010 Meister wurde. Trainer ist mit Theo Brücker ein Otto Pfister in Light-Version. In den vergangenen zehn Jahren war der Rheinländer für Ismaily SC, Zamalek SC, Al-Wahda, Al-Ahly, Tripolis, Masry Port oder Said Al Ahed tätig. Er ist der einzige Trainer in der Geschichte des Libanons, der es schaffte, ein Team zur letzten Qualifikationsrunde einer WM zu führen.

Der Iran ist trotzdem haushoher Favorit. Dreimal hat die iranische Nationalelf bereits bei einer WM teilgenommen. Der Erfolg ist allerdings überschaubar (ein Sieg bei der WM 1998). Trainer ist momentan der Portugiese Carlos Queiroz. Der Mann trainierte immerhin schon Real Madrid und Sporting Lissabon. Zweimal (2002-2003 und 2004-2008) war er zudem Co-Trainer von Alex Fersuon bei Manchester United.

Jordanien - Australien, 11. September 2012, 18 Uhr

Star der jordanischen Nationalelf ist Thaer Fayed Al-Bawab, der das Fußballspielen beim spanischen Klub UE Cornella lernte. Als 18-jähriger wechselte er zu Real Madrid und spielte schließlich für Castilla, die zweite Mannschaft der Königlichen. Seit 2011 steht er er beim rumänischen Verein Gaz Metan Medias unter Vertrag. Größter Triumph: Das Weiterkommen im Uefa-Cup gegen den FSV Mainz 2011. Thaer Fayed Al-Bawab schoss in beiden Spielen ein Tor.

Klar, Rudi Gutendorf hat auch schon mal die australische Nationalmannschaft trainiert. Und zwar von 1979 bis 1981. Er ging dabei allerdings als schlechtester Coach aller Zeiten in die australische Fußballgeschichte ein. Seine Siegquote: Erschütternde 17 Prozent. Bekanntes Gesicht im aktuellen Kader: Nikita Rukavytsya. Der Stürmer wechselte vor der Saison von Hertha BSC zu Mainz 05.

Antigua und Barbuda - Guatemala, 12. September 2012, 1 Uhr

Erste Pass – gleich scheiße. Am 10. November 1972 verlor Antigua und Barbuda sein Debütländerspiel mit 1:11 gegen Trinidad & Tobago. Wirklich erfolgreich ging es danach nicht weiter. Doch nun wird alles besser. Die Hoffnung heißt Dexter Blackstock, ein junger Stürmer, der früher für die Queens Park Rangers spielte und mittlerweile bei Nottingham Forest gelandet ist. Seine Quote liest sich dort nicht schlecht: 28 Tore in 76 Spielen. Auf seiner Twitter-Seite schreibt er Sachen wie: »Every male is not a man #fact«.

Guatemala hat bislang noch nie an einer WM teilgenommen. Der größte Erfolg datiert auf das Jahr 1996, damals wurde die Nationalelf Vierter bei der Nord- und Zentralamerikameisterschaft. Lebende Legende im aktuellen Kader ist Carlos Ruiz (100 Spiele, 50 Tore). In der US-amerikanischen MLS war er zweimal (2002 und 2003) bester Torjäger. Insgesamt hat er in der MLS 88 Tore in 169 Spielen geschossen.

Guyana - El Salvador, 12. September 2012, 2 Uhr

Guyana steht momentan auf Platz 122 der Fifa-Weltrangliste – und damit 13 Plätze vor Zypern und 47 Plätze vor Liechtenstein. Topspieler sind Jake Newton und Ricky Shakes. Newton spielt momentan beim englischen Sechstligisten FC Havant & Waterlooville, mit dem er mal dier vierte Runde im FA-Cup erreichte und dort mit 2:5 am FC Liverpool scheiterte. Shakes hat hingegen schon höherklassige Fußballluft schnuppern dürfen. Er begann seine Karriere bei den Bolton Wanderers (ohne Einsatz), später spielte er dann bei Swindon Town und Ebbsfleet United. Heute ist er aktiv bei Kidderminster Harriers.

El Salvador ist eine richtig große Nummer in dieser Runde. Schon zweimal qualifizierte sich die Mannschaft für eine WM. Rekordtorschütze des Landes ist Raul Díaz Arce (55 Spiele, 39 Tore). Die wohl berühmteste Person der el salvadorischen Fußballgeschichte ist allerdings Pipo Rodríguez. Er schoss am 27. Juni 1969 das 3:2 gegen Honduras. Wenige Wochen danach flogen Flugzeuge des el salvadorischen Militärs über Honduras und warfen Bomben ab. Es gab mehrere tausend Tote. Der bewaffnete Konflikt dauerte 100 Stunden und ist als »Fußball-Krieg« in die Geschichte eingegangen. Mehr zu dem Thema hier.

Honduras - Kuba, 12. September 2012, 3:30 Uhr

Na, noch wach? Dann bitte um 3:30 Uhr zum Klassiker Honduras gegen Kuba schalten. Oder eine Runde Maumau spielen. Oder einfach ins Bett gehen.

Tahiti - Neukaledonien, 12. September 2012, 8:00 Uhr

Zinedine Zidane ist seit etwa zehn Jahren Stammgast auf Tahiti. Auch weil sein ehemaliger Mitspieler in der Nationalelf Pascal Vahirua aus Papeete (Tahiti) stammt. Und seit Zidane das erste Mal zu Besuch war, geht es bergauf. 2012 gewann Tahiti die Ozeanienmeisterschaft, an denen auch Neuseeland teilgenommen hatte. Im Endspiel siegte Tahiti mit 2:0 gegen Neukaledonien. Geschichten, die nur der Fußball schreibt: 15 Turniertore der Neukaledonier gingen auf das Konto der Brüder Jonathan, Lorenzo und Alvin Tehau und ihres Cousins Teaonui. Hach!

Zypern - Island, 12. September 2012, 19:00 Uhr

Hier noch ein All-Time-Highlight aus Europa: Zypern gegen Island. Gut abgehangene Teams, Fußball wie ein feuchter Lappen, der seit Wochen unter der Spüle liegt. Kann es einen schöneren Abschluss geben?

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