WM-Qualifikation: Das Drama von Panama City

»We love you forever and ever!«

Für wenige Minuten schnuppert die Nationalelf von Panama am Ticket zur WM 2014. Doch dann überschlugen sich die Ereignisse und zwei Staaten, die sich nicht besonders mögen, kommen sich plötzlich ganz nah.

imago

Wer Details über das gereizte Klima zwischen den USA und dem Nachbarland Mexiko wissen möchte, der sollte sich viel Zeit nehmen. Viel zu lang ist die Liste von Beleidigungen, Missverständnissen und politischen Scharmützeln zwischen beiden Staaten. Wenn man sich hingegen kurz fassen möchte, kann man sagen: Beide Nationen können sich nicht ausstehen.

Vor diesem Hintergrund muss man sich schon fragen: Wie konnte es dazu kommen, dass ein mexikanischer Sportreporter vor laufender Kamera atemlos brüllt »We love you forever and ever! God bless America!«?

20:30 Uhr, Panama City, San José, Kingston
Die Spiele Jamaika-Honduras, Panama-USA und Costa Rica-Mexiko werden parallel angepfiffen. Es geht um das Ticket zur WM 2014. 

84. Minute, Estadio Nacional, San José, Costa Rica
Vor knapp zwanzig Minuten hat Costa Ricas Topstürmer Álvaro Saborío das 2:1 für seine Mannschaft erzielt und damit untermauert, warum die Mittelamerikaner am Ende zurecht direkt für die WM qualifiziert sind. Auf der anderen Seite hängen die Köpfe. Mexiko, der Olympiasieger von 2012, der zuvor als haushoher Favorit in CONCACAF-Qualifikation gehandelt wurde, ist dabei, sich in die Play-Off-Spiele gegen Neuseeland zu würgen. Für das Selbstverständnis der Mexikaner ist das ein Desaster. Trainer Víctor Vucetich kann bei so viel Unfähigkeit seiner Mannen nur den Kopf schütteln. Die direkte Qualifikation ist sicher verpasst, denn Honduras hat beim Spiel gegen Jamaika das 2:2 erzielt, ist damit an Mexiko vorbeigezogen. Stürmer Raul Jimenez winkt ab. Als wäre alles nicht schon schlimm genug, taucht plötzlich ein Ergebnis auf der Anzeigetafel auf. Pling. 2:1. Was ist das?

84. Minute, Estadio Rommel Fernández, Panama City, Panama
US-Keeper Brad Guzan lässt eine harmlose Hereingabe in die Mitte abklatschen. Doch da steht Panamas Angreifer Luis Tejada, er hält den Fuß hin. 2:1. Alle rasten aus: »Tejada hält Panama am Leben. Der Traum von der WM lebt wieder«, brüllt ein US-Kommentator. Die USA ist längst qualifiziert, tritt hier mit einer besseren B-Elf an. Und durch dieses Tor hat Panama soeben Mexiko vom Play-Off-Platz gestoßen, schaut plötzlich selbst in Richtung WM 2014. Da werden ja die Tigerenten verrückt.



90.+2, Estadio Nacional, San José, Costa Rica
Hier geht nichts mehr. Da kann Mexiko-Coach Vucetich noch so an der Seitenlinie herumfuchteln. Mexiko blamiert sich bis auf die Knochen. Der Kommentator setzt zum Trauergesang an. Auf den Fußball. Auf Mexiko. Und überhaupt. Es ist zum Weinen. Superstar Chicharito vergräbt sich in seiner viel zu großen Trainingsjacke. God fuck America! Und als wäre alles nicht schon schlimm genug, taucht plötzlich ein Ergebnis auf der Anzeigetafel auf. Pling.

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