WM 2006: Zizou vs. Brasilien

C'est Zidane

Heute Abend steigt der Klassiker Frankreich-Brasilien. Wir erinnern an jenen unglaublichen Auftritt von Zinedine Zidane bei der WM 2006 im Viertelfinale gegen, genau, Brasilien.

imago

Wir befinden uns im Jahr 2006. In Deutschland beginnt die Fußball-Weltmeisterschaft. Frankreich ist mit dabei. Und natürlich er:

Zinédine Zidane, dreimaliger Weltfußballer, 34 Jahre alt, sah den Karrierehorizont flirren. Der Franzose befand sich in einer Phase, in der jedes Fußballspiel sein ultimativ letztes sein konnte, er hatte es so gewollt, und er hatte es so gesagt.

Er wirkte müde. Nicht satt, aber matt

Die Ankündigung Zidanes, seine Karriere nach der Weltmeisterschaft 2006 in Deutschland zu beenden, begleitete seine Auftritte und jene von Frankreichs Nationalauswahl. Zidane, das Sportlerheiligtum, das Denkmal in Kickstiefeln, der Mann, der die Équipe Tricolore 1998 zum Titel köpfte, dieser Zidane wanderte auf den finalen Pfaden einer langen Reise. Nach der Europameisterschaft 2004 war er vom fußballerischen Vaterlandsdienst zurückgetreten, doch als die Qualifikation für 2006 in Gefahr geriet, kehrte der Regisseur zurück. Er wirkte müde. Nicht satt, aber matt. Hörte der Körper nicht mehr auf die Befehle des Geistes? Oder hatte schlicht die Biologie gesiegt, war es zu spät für diese genialen Eingebungen, die Zidanes Vermächtnis begründet hatten?

Frankreichs Kader war eine Zusammenstellung, die wenig Platz ließ für Talente. Der 23-jährige Franck Ribéry bildete die Ausnahme einer Truppe, die mit verdienten, aber gealterten Akteuren besetzt war: der kahlköpfige Torhüter Fabien Barthez, Außenverteidiger Lilian Thuram, die Stürmer Thierry Henry, David Trézéguet, Sylvain Wiltord. Und Zidane, Herz, Hirn und Doppeltorschütze von damals.

Die Rettung gegen Togo

Acht Jahre später personifizierte er die Qualen der Vorrunde. Kein Esprit, keine Inspiration, ein Vortrag im verfestigen Trott. Raymond Domenechs Team mühte sich zu einem 0:0 gegen die Schweiz, es folgte das 1:1 gegen Südkorea, bei dem - Sakrileg! - Zidane, der Großmeister der Grandezza, in der Schlussminute ausgewechselt wurde. Wegen seiner zweiten gelben Karte fehlte er gegen Togo, und rasch wurden dunkle Gemälde gezeichnet: Sollte seine Karriere ihr letztes Kapitel als Zuschauer schreiben? Ohne Worte, sicherlich, er sprach mit den Füßen. Aber auch ohne Taten? Frankreich musste gewinnen, Zidane war machtlos. Und Frankreich gewann, 2:0.

Dann passierte irgendetwas in dieser Mannschaft. Wahrscheinlich weiß bis heute kein Mensch, was genau.

Im Achtelfinale ließen die Franzosen den Spaniern, die so brillant durch die Vorrunde marschiert waren, beim 3:1 keine Chance. Ribéry traf, Zidane legte Patrick Vieira das Führungstor vor, für den Schlussakt sorgte er persönlich. Eine Körpertäuschung, Schuss in Schräglage, die Vereinigung von Eleganz und Effizienz. Alles wie früher. Zidane, die weiße Katze, die mit dieser unvergleichlichen Geschmeidigkeit über Fußballfelder pirschte, zeigte der Welt, dass ihre Krallen noch geschärft waren.

Aus den Brasilianern wurde Zauberlehrlinge

Am 1. Juli 2006 kamen 48.000 Zuschauer ins Frankfurter Stadion, um eine Neuauflage des Endspiels von 1998 zu erleben. Frankreich gegen Brasilien. Mit Ronaldo, den sie noch immer »Il Fenomeno« rühmten, mit Ronaldinho, dem Fußball-Fetischisten, mit Kaká, der eine Dynamik besaß wie kein Zweiter. Alle Welt erwartete, dass sie die größte aller Bühnen mit Schmuck erfüllen würden, dass sie Spiele prägen und das Turnier an sich. Doch die Seleção war träge ins Viertelfinale vorgedrungen, Ronaldinho und Kaká fehlte die Frische, Ronaldo war über dem Zenit. Als es gegen die Franzosen ging, mutierten die brasilianischen Künstler zu Zauberlehrlingen, die ganz vorne beginnen mussten, beim Trick mit Hut und Kaninchen, und die sogar daran scheiterten.

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