Reif für das Traineramt? Vom freundlichen Dressman-Look sollte sich bei den Bayern niemand täuschen lassen, Guardiola kann auch Arschloch: Im Juni 2008, kurz nach seinem Amtsantritt, kündigte der neue Barca-Trainer an, man wolle sich von Ronaldinho, Deco und Eto'o trennen – zufällig das Trio, das den FC Barcelona in den Jahren vor Guardiola am meisten geprägt hatte. Kerniger Kommentar des neuen Übungsleiters: »Ich plane die Saison ohne sie. Aber wenn sie dennoch bleiben, gebe ich mein Bestes, um sie wieder auf ihr altes Niveau zu heben.« Ronaldinho und Deco machten sich vom Acker, Eto'o blieb – und schoss im Champions-League-Finale 2008/09 das 1:0 gegen Manchester United. Spätestens da dürfte sich »kicker«-Autor Harald Irnberger in die Tastatur verbissen haben. In seinem Artikel »Drei Stars auf dem Abstellgleis« hatte der Journalist Zweifel an Guardiolas Star-Entsorgung geäußert und sich gefragt, »ob der 37-jährige Coach reif ist für sein neues Amt«. Nun ja.
Lautsprecher Kaum hatte Guardiola die Zügel in der Hand, lenkte der fleißige Katalane die Dinge schon in eine andere Richtung. War sein Vorgänger Frank Rijkaard neben seinem fußballerischen Sachverstand vor allem wegen seiner entspannten Haltung gegenüber den Ausschweifungen der Stars um Ronaldinho, Deco und Co. bekannt, führte der gebürtige Katalane bald ein strenges Regiment im Camp Nou. Neben saftigen Strafen fürs Zuspätkommen beim gemeinsamen Frühstück (6000 Euro) und der Androhung »Bei mir müssen die Spieler jeden Tag hart arbeiten«, fiel der ehemalige Mittelfeldmann auch durch seine ständig strapazierten Stimmbänder auf. Kommentar von Torwarttrainer Juan Carlos Unzué: »Zum Geburtstag schenke ich ihm einen Lautsprecher. Er redet und redet, in jedem Training, in jedem Spiel. Mit einem Lautsprecher würden ihn wenigstens alle hören.«
Tiki-Taka Muss man hier noch erwähnen, dass der große Barca-Renovierer Johan Cruyff das Vorbild von Guardiola ist? Eher nicht. Vielleicht aber, wie man in nur einem Satz die viel gerühmte Barca-Philosophie zusammenfassen kann. Zitat Guardiola: »Wenn du den Ball einmal berührst, spielst du sehr gut; wenn du ihn zwei Mal berührst, spielst du mittelmäßig; und wenn du ihn drei Mal berührst, spielst du schlecht.« So einfach ist das.
Viva la Vida 2009 zerlegte eine furios aufspielende Barca-Mannschaft den FC Bayern mit 4:0, selten hatte man den großen FC Bayern so chancenlos gesehen. Anschließend verriet Guardiola, wie man sich in den Minuten vor dem Anpfiff auf das Spiel eingestimmt hatte: In einem eilig zusammengeschnittenen Video, untermalt von Coldplays »Viva la Vida«, sah die Mannschaft den schreienden Torwart Valdés, den betenden Mittelfeldmann Keita und den jubelnden Stürmer Eto'o. Darf's noch etwas mehr Gänsehaut sein?
Love was in the air Guardiola in der Bundesliga – eine unglaubliche Geschichte? Schon 2011 ließ der gefeierte Barca-Trainer durchblicken, dass er sich ein wenig in den deutschen Fußball verguckt habe: »Ich mag die deutsche Liga, wegen des Landes, der Stadien und weil ich eine neue Sprache lernen würde.« Und: In Spanien werde es ihm »unmöglich« sein, eine andere Elf zu trainieren, als den FC Barcelona. Fazit: Es kam, wie es kommen musste.
Der bescheidene Pep Sollte noch irgendjemand Zweifel an der Popularität Guardiolas beim FC Barcelona haben, dem sei dieser Satz von Barca-Präsident Joan Laporta ans Herz gelegt: »Wenn ich wiedergeboren werde, möchte ich Pep Guardiola sein!« Der bleibt allerdings bescheiden. Auf die Frage: »Macht Pep Guardiola große Mannschaften oder machen große Mannschaften Pep Guardiola?« antwortete Guardiola nach dem spanischen Pokalsieg 2009: »Mein Verdienst ist nur, dass ich gute Spieler habe. Sucht bitte keine anderen Erklärungen.«