14.03.2013

Wird Hans-Joachim Watzke der neue Uli Hoeneß?

Aki Attacke

Hans-Joachim Watzke hat großen Anteil daran, dass der BVB wieder auf Augenhöhe mit dem FC Bayern spielt. Nun versucht der Geschäftsführer, Uli Hoeneß auch dessen Rolle als Chefideologe und Vordenker der Liga streitig zu machen.

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Manchmal erscheint Borussia Dortmund wie eine schwarzgelbe Utopie. Großartige Fans, lange Tradition, glitzernde Pokale im Schrank. Der Verein verfügt über ein nachhaltiges sportliches Konzept. Eine monumentale Beinahe-Pleite, Folge des schleichenden Größenwahns der damaligen Machthaber, hat im Klub auch wirtschaftlich zu einem verantwortungsvollen Handeln geführt. Mit Jürgen Klopp hat die Borussia einen der besten Trainer, dem in Sachen Charisma und Redegewandtheit kaum ein Kollege das Wasser reichen kann. Manager Michael Zorc ist nicht nur eine Lichtgestalt in der Vereinsgeschichte, sein staubtrockenes Westfalentum, diese kokette Form von Maulfaulheit, mit der er Ironie und Ernsthaftigkeit zu einem bunten Strauß von Überzeugungskraft verbindet, machen ihn zudem zum prägenden Kopf der BVB-Identität.

Die Trias der neuen Sachlichkeit komplettiert Hans-Joachim Watzke. Freunde, Bekannte und viele der unverbesserlichen Fußball-Hipster rufen ihn neckisch »Aki«, so wie einen dürren Knipser vom Bolzplatz um die Ecke. Auch Watzke verfügt über die Fähigkeit, aus dem Mundwinkel milieuübergreifend zu kommunizieren. Wenn er am Rednerpult steht und die Hände lässig in die Hosentaschen wandern lässt, wirkt das CDU-Mitglied beileibe nicht wie der Paragraphenhengst und kühle Rechner, der er als Vorsitzender der Geschäftsführung in einem verschuldeten Klub irgendwie doch sein müsste. Bislang schien Watzke mit der Rolle des väterlichen Strippenziehers, der seiner sportlichen Leitung den Rücken freihält, mehr als zufrieden. Doch die Erfolge der jüngeren Vergangenheit haben offenbar sein Selbstbewusstsein befeuert. Mit aller Macht drängt er neuerdings in die Rolle des Debattenanstoßers und Vordenkers. Dass Funktionsträger im Fußball von der Sucht nach dem tagtäglichen Twist mit der Öffentlichkeit erfasst werden können, ist bekannt. Uli Hoeneß ist der Großmeister in dieser Disziplin, die wahlweise unter »Finger in die Wunde legen« oder »Klartext reden« firmiert. Seit geraumer Zeit befindet sich der BVB wieder auf Augenhöhe mit dem großen Rivalen aus München. Und so scheint Watzke die sportliche Konkurrenz auch auf ideeller Ebene ausbauen zu wollen.

Während von der Säbener Straße derzeit der Ligaalltag eher moderat kommentiert wird, avanciert die bislang in unregelmäßigen Abständen laufende Serie »Watzke kritisiert…« zur Daily Soap. Der diplomierte Betriebswirt will den BVB in der öffentlichen Wahrnehmung als Innovations-Lokomotive vor dem Ligazug etablieren. Der Klub soll für eine neue Leitkultur stehen. Und sich selbst hat Watzke dabei anscheinend die Rolle des volksnahen Traditionalisten zugedacht.
Wie ein Vorstand-Ultra prangert er deshalb die mangelnde Fan-Kultur bei den »Werksklubs« an. Eine TSG Hoffenheim brauche die Bundesliga doch gar nicht. Zur Erinnerung: Der BVB war im Angesicht des Konkurses nicht nur auf großes Entgegenkommen von Gläubigern angewiesen, sondern bekam auch zwei Millionen Euro vom FC Bayern zugesteckt. Trotzdem stilisiert sich Watzke als Robin Hood, der keine Liga wolle, in der ein mit Audi-Geld aufgeblasener FC Ingolstadt spielt. »Der liebe Gott möge es verhindern, dass bald noch Rasenschach Leipzig dazu kommt. Wir müssen Traditionsvereine mehr unterstützen, denn sie rocken die Liga«, staubt er in der Manier des hemdsärmeligen Fußball-Puristen ab.

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