Wird in der Bundesliga falsch trainiert?

»Dortmund hat eine Menge Probleme«

Die Topklubs in Europa haben ein Problem – sie trainieren einfach falsch. Behauptet zumindest der niederländische Fitnessguru Raymond Verheijen.

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Vor einigen Jahren galt mein Landsmann Arjen Robben als »Mann aus Glas«, weil er ständig verletzt war. Aber die vermeintliche Anfälligkeit für Verletzungen lag daran, dass seine Trainer nicht gut genug waren. Sie hatten nicht verstanden, dass so explosive Spieler wie er eine besondere Muskulatur haben. Sie wird nicht so gut durchblutet, dementsprechend schlechter mit Sauerstoff versorgt und regeneriert langsamer als bei Ausdauertypen.

Man muss sich das wie mit einem Auto an einer Ampel vorstellen. Fährt man bei Grün scharf an, verbraucht man viel Sprit. Robben zieht ebenfalls mehr Energie aus seinen Muskeln, und zugleich erholt er sich nicht so schnell. Damals bei Chelsea habe ich dem Trainerteam geraten, sein Trainingsvolumen zu reduzieren, damit seine Muskulatur nicht ermüdet, denn Spieler verletzen sich dann leichter.

Das liegt daran, dass das menschliche Nervensystem bei Müdigkeit langsamer arbeitet und das Signal vom Gehirn zum Muskel länger braucht. Für einen Fußballprofi bedeutet das ein drastisch steigendes Verletzungsrisiko, denn während explosiver Fußballaktionen hat er weniger Kontrolle über seinen Körper. Er kann sich leichter den Knöchel oder das vordere Kreuzband im Knie verdrehen. Bei einer Rotationsbewegung ziehen sich die Muskeln im Knie normalerweise zusammen, halten es stabil und beschützen es. Spieler können das in ihrer Karriere problemlos eine Million Mal machen. Sind sie aber müde und kommt das Signal vom Gehirn zu spät im Knie an, fällt der Schutz weg und schwerste Verletzungen können die Folge sein.

80 Prozent der Verletzungen wären vermeidbar

Bei Chelsea habe ich damals mit meinen Kollegen für Arjen Robben eine individuelle Periodisierung des Trainings erarbeitet, um die Belastung seinen Bedürfnissen anzupassen. In der Folge hatte er viel weniger mit Verletzungen zu kämpfen. Inzwischen gehe ich sogar davon aus, dass 80 Prozent der Verletzungen im Fußball durch eine richtige Trainingssteuerung vermeidbar wären. Leider ist der Fußball aber noch nicht so weit, selbst wenn die besten Trainer der Welt am Werk sind. Ich habe mit Louis van Gaal bei der holländischen Nationalmannschaft zusammengearbeitet und weiß: Taktisch sind nur wenige Trainer so gut wie er.

Aber schon bei der Vorbereitung auf die Weltmeisterschaft in Brasilien fiel auf, wie viele holländische Spieler Muskelverletzungen hatten: Rafael van der Vaart, Jonathan de Guzman, Robin van Persie, Leroy Fer, Nigel de Jong und Wesley Sneijder. Als van Gaal nach dem Turnier als Nationaltrainer aufhörte und anschließend bei Manchester United begann, setzte sich das Muster fort. Am Ende der Vorbereitung hatten sich fast ein Dutzend United-Spieler verletzt.

van Gaal spielt mit seinen Spielern russisches Roulette

Wenn man bei Manchester United arbeitet, viele Spieler bei der WM waren und der Klub noch eine Sommertour in die USA unternimmt, muss ein Trainer sein Programm anpassen. Van Gaal ist mit den externen Faktoren, wie der Müdigkeit durch viele Spiele, lange Reisen, Jetlag usw., jedoch nicht richtig umgegangen. Er hat mit der Gesundheit seiner Spieler russisches Roulette gespielt. Das gilt auch für Arsène Wenger, der nach der WM ähnlich viele Verletzte zu beklagen hatte, darunter Mesut Özil.

Aber wenn schon die besten Trainer der Welt in dieser Frage inkompetent sind, was können wir dann von den anderen erwarten? Dass viele Spieler, die in Brasilien dabei waren, nach der WM Verletzungen erlitten haben, dafür gibt es eine Erklärung. In der normalen Sommerpause, in der Spieler vier, fünf oder gar sechs Wochen Pause haben, verlieren sie Fitness, aber zugleich erholen sie sich von der vorangegangenen Saison.

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