Wir beruhigen HSV-Stürmer Paolo Guerrero

Baum-Yoga und Trainspotting

Pöbeleien, Flugangst, Flaschenwurf, Eckfahnenfluggrätsche. Paolo Guerrero scheint das Problemkind des HSV zu sein. Wie beruhigt man den Stürmer nur? Wir haben einen Fünf-Punkte-Plan aufgestellt. Wir beruhigen HSV-Stürmer Paolo Guerreroimago

Jeder kennt das: Die eigene Mannschaft liegt 0:3 hinten, die Mitspieler schlappen über den Platz wie Pinguine, das Bier kommt schal aus dem Zapfhahn, die Fangesänge sind von vorvorgestern und dein Nebenmann erzählt abgestandene Gags von Fips Asmussen. Du schreist laut. Brüllst dir die Kehle aus dem Leib. Doch niemand hört dich. Du bist unten. Verdammt: Du bist ganz unten.

Doch glücklicherweise hat jede Mannschaft diesen einen Spieler, der seine Pinguin-Kollegen wachrütteln kann. Heißblütige Männer, die Wind und Wetter trotzen, die die Ärmel hochkrempeln und die Stutzen tief ziehen. Einen Mark van Bommel oder einen Oliver Kahn. Sie rempeln, rufen, zerren, fuchtel, grätschen. Zeichen setzen, nennt das der moderne Fußball-Jargon. Ausrufezeichen!

Der HSV hat auch einen, der gerne solche Zeichen setzt. Er heißt Paolo Guerrero. Allein, er setzt seine Zeichen stets zur falschen Zeit am falschen Ort. Bei einem Länderspiel gegen Ecuador im Juni 2009 beleidigte ihn etwa ein Fan als »Tunte«, Guerrero antwortete: »Wenn du ein Mann bist, warte ich vor dem Stadion auf dich.« Im Spiel gegen Uruguay, ebenfalls im Juni 2009, beschimpfte er den Schiedsrichter als »Hurensohn«. Im Frühjahr plagte den Stürmer angeblich Flugangst, er traf mit 17 Tagen Verspätung in Hamburg ein. Kurze Zeit später bewarf er einen HSV-Fan mit einer Wasserflasche. Danach war es für längere Zeit still.

Am Samstag dann der Rückfall. Im Spiel gegen den VfB Stuttgart fluggrätschte Guerrero Torhüter Sven Ulreich um. An der Eckfahne. Das sah aus wie ein eine Mischung aus Rautezeichen und Komma. Wie aus dem Satz gefallen und irgendwo an anderer Stelle wieder eingesetzt. Hässlich. Eine Aktion, die man gelegentlich bei arg frustrierten Zeitgenossen an gängigen Fußballcomputersimulation sieht. »Dort muss ich kein Zeichen setzen«, sagte Marcell Jansen. Guerrero sagte auch was. Leider wieder zur falschen Zeit am falschen Ort: »Der Torwart hat weitergespielt. Ich verstehe nicht, warum daraus eine dramatische Sache gemacht wird.«



Ist dieser Mann tatsächlich gefährlich? Wird er demnächst seine Gegenspieler im Kabinengang abgrätschen? Und, wenn ja, wie kann man diesen Mann nur beruhigen?  

Wir präsentieren den Fünf-Punkte-Plan für den entspannten Fußballstürmer von heute:

1.
Trainspotting
Erscheint auf den ersten Blick sinnlos. Auf den zweiten entdeckt man allerdings:  ICEs, ICs, Metronome, Regionalbahnen, U-Bahnen, S-Bahnen. Ein großes Hallo der  der schienengebundenen Verkehrsmittel für den Personenverkehr. Ganz recht: Das klingt äußerst interessant und verspricht mehr Entspannung als acht Monate im buddhistischen Schweigekloster. Machen Sie doch mit und lernen zum Einstieg folgende ICE-Nummerierungen auswendig: 411 001–032 (1. Bauserie), 051–078 (2. Bauserie), 080-084 (Mehrsystem Schweiz), 090-092 (ÖBB), 415 001–006, 020–024. Alternativen: Flugzeugspotting, Arbeitskollegenspotting, Zebrastreifenspotting.

2.
Fernsehen
Die Hauptprogramme des Fernsehens sind in den vergangenen zwei Jahrzehnten leider zu schnell geworden, als dass Paolo Guerrero hier irgendwo zur Ruhe kommen könnte. Daher: Entweder einen Tag mit dem Alltagsentschleuniger MDR (Obacht: Die Sendung »Karin auf Zack«, die ist geradezu rasant) verbringen oder diverse Spiele der WM 1970 in Mexiko in Zeitlupe angucken (zum Beispiel Sowjetunion gegen El Salvador oder Bulgarien gegen Marokko). Wenn das alles die Nerven nicht beruhigen kann: Die 11FREUNDE-Redaktion hat verschiedene ARD-Testbilder der Jahre 1978, 1985 und 1987 auf VHS-Kassette. Mail an testbildarchiv@11freunde.de reicht.





3.
Ausgleichssport
Beim Yoga gibt es heutzutage so viele Spielarten wie beim Heavy Metal. Und da gibt es circa 7854 (Southern Doomgrind nicht mal mit eingerechnet). Aus dieser bunten Yoga-Tüte empfehlen wir das beliebte Baum-Yoga (nicht zu verwechseln mit Yoga-Baum). Die Zeitschrift Brigitte informiert dazu: »Das sind sanfte Übungen aus dem Kundalini-Yoga, einer dynamischen Yoga-Form, die Bewegung und Atem miteinander verbindet.« Ausgeführt werden sie, ganz recht, unter einem Baum. Großer Vorteil für Paolo Guerrero: Bäume gibt es in Hamburg, einer der grünsten Metropolen Europas, zur Genüge. 2010 zählte man alleine mehr als 40 Baumarten. Alternativen: Baumarten-Statistik für das Jahr 2011 auf den aktuellen Stand bringen. Oder: Lach-Yoga (einfach mal wieder richtig lachen).

4.
Musik
Wir wissen nicht, wie Paolo Guerreros iPod-Playlist aussieht. Vermuten aber im Shuffle-Modus schlimmstenfalls Songs von Anal Cunt, Panflötenaktivisten, Westbam, Marimba-basierte Lounge-Musik und Xavier Naidoo einfach so hintereinander weg. Hier unsere äußerst relaxte Alternative: »Walstimmen. Gesänge und Rufe aus der Tiefe«. Eingespielt und zusammengestellt von Wolfgang Tins bzw. diversen Walen. Ein Amazon-Kunde schreibt: »15 Wale und Delfine in solch atemberaubender Qualität habe ich noch nie gehört!«   

5.
Anti-Aggressions-Tools
Naturtypen empfehlen wir: Lustige Holzfiguren schnitzen oder angesagte Kastaninemännchen bauen. Vielleicht auch gemeinsam mit Maskottchen Hermann auf dem Vereinstandem ins Umland fahren und mit einem Picknickkorb und der Sonne im Nacken einfach mal fünfe gerade sein lassen. Darüberhinaus gibt es auch einiges für den sportlichen Home-Trainer-Typen. Zum Beispiel den »Anti-Aggression Punch Zylinder«. Der Hersteller verspricht: »Sportlich Aggressionen abbauen – so bietet der Boxpartner Spielspaß drinnen und draußen.« Die billigere Variante heißt »Anti-Aggressionsschläger«. Die Dinger kosten nur 35,95 Euro und haben eine faszinierende Wirkung auf ehemalige urbane Schlägergangs, Kriegsveteranen und Terroristen. Bestes Beispiel: Ein ehemaliger U-Bahn-Aggressor aus Berlin-Wedding arbeitet heute, nach einem Jahr intensiven Anti-Aggressionsschläger-Trainings, professionell als Baum. Für Baum-Yogisten.

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