Willi Lemke über das Duell Bayern–Werder

»Bei uns brennt der Baum nicht«

Willi Lemke über das Duell Bayern–WerderImago Willi Lemke, da kommt es zum Pokal-Kracher Bayern gegen Bremen und Sie sind nicht im Stadion.

Nein, leider nicht. Ich lese in Reutlingen aus meinem Buch »Ein Bolzplatz für Bouaké«. Das ist ein Termin im Rahmen einer Lesereise, der schon seit langer Zeit feststeht. Aber ich habe mich schon erkundigt, wie weit mein Hotel vom Veranstaltungsort entfernt ist. Ich werde wohl nur eine Viertelstunde verpassen und mir das Spiel im Fernsehen anschauen.

Aus Ihrer Abwesenheit lässt sich also nicht schließen, dass Sie der Partie eine eher geringere Bedeutung beimessen?

Nein, das Spiel ist für beide Mannschaften sehr wichtig, auch in wirtschaftlicher Hinsicht. Es ist so etwas wie das vorweggenommene Endspiel, eine Neuauflage des Finales von 2010. Eigentlich kommt diese Paarung zu früh. Für eine der beiden Teams wird es bitter, weil es jetzt schon aus dem DFB-Pokal ausscheidet.

[ad]

Nicht nur Bayern, auch Bremen ist schlecht in die Saison gestartet.

Das stimmt. Aber es ist noch alles offen. Wir sind in der Lage, die Bayern im Pokal zu schlagen. Mit dem Punkt in Enschede können wir noch aus eigener Kraft das Achtelfinale der Champions League erreichen. Und was die Meisterschaft angeht, hat der SV Werder Bremen oft genug bewiesen, dass er eine Serie starten kann. Mit dem 4:1 Sieg in Gladbach sind wir wieder im Rennen. Die Champions League-Ränge sind nicht mehr so weit weg.

Unlängst hat Ihr Team in der europäischen Königsklasse eine Lektion erteilt bekommen. Beim 0:4 gegen Inter Mailand wirkte die Mannschaft von Thomas Schaaf hoffnungslos überfordert. Waren Sie nicht auch erschüttert?

Man darf nicht vergessen, gegen wen wir da gespielt haben. Inter Mailand ist der Titelverteidiger. Tottenham hat gegen Inter auch 0:4 hinten gelegen…

Verkürzte dann abernoch auf 3:4…

Ja, aber mich hat die Niederlage gegen Mailand wirklich nicht so dramatisch mitgenommen. Das ist längst abgehakt.

Bayern gegen Bremen – da denkt man heute noch an die verbalen Scharmützel, die Sie sich in den 80er und 90er Jahren mit Uli Hoeneß geliefert haben.

Das gehörte einfach zu dieser Zeit. Es waren spannende Jahre. Wir haben uns sachlich gestritten und das sorgte für Schlagzeilen. Sie müssen zugeben, dass das die Bundesliga nicht weniger interessant gemacht hat. Es gab ja nicht viele, die dem Uli Hoeneß widersprochen haben.

Sie beide sind inzwischen Aufsichtsratsvorsitzende in Ihren Vereinen. Wie ist heute das Verhältnis zu Uli Hoeneß?

Es gibt kein Verhältnis. Wenn wir uns treffen geben wir uns freundlich die Hand und wünschen uns einen guten Tag. Sorry, aber mehr gibt es dazu wirklich nicht zu sagen.

Was unterscheidet die beiden Klubs in der Gegenwart?

Beide Vereine werden hervorragend geführt und haben ein gutes Image. Aber die wirtschaftliche Ausgangslage ist weiterhin nicht vergleichbar. München ist ein Standort mit einer ganz anderen Wirtschaftskraft, das ist eine Weltstadt. Die ganz großen Sponsoren finden Sie in Bremen eben nicht. Wir versuchen das durch eine bessere Einkaufspolitik und Jugendarbeit auszugleichen. Aber Bayern macht da auch eine gute Arbeit. Ach ja, da ist noch ein großer Unterschied: die Medienlandschaft. In Bremen geht es viel ruhiger zu als in München. Bei uns brennt der Baum nicht.

Nach dem blamablen 1:4 gegen Hannover hatte man einen  anderen Eindruck. Klaus Allofs kürzte angeblich die Septembergehälter der Spieler. Die heile Werder-Welt bekam Kratzer. War das die richtige Reaktion auf die sportliche Misere?

Es war die Entscheidung der Geschäftsführung des SV Werder Bremen. Als Aufsichtsratsmitglied mische ich mich nicht ins Tagesgeschäft ein. Weiter werde ich das nicht kommentieren.

Sie sprachen vorher die Einkaufspolitik des SV Werder Bremen an. Mit Marko Arnautovic holte der Klub wieder einmal einen spannenden Spieler in die Bundesliga.

Ich habe vor ein paar Tagen mit Andi Herzog telefoniert. Wir sprachen auch über Marko Arnautovic. Andi hält sehr, sehr viel von ihm.
 
»Der stellt Krankl, Herzog, Polster und Prohaska in den Schatten«, hat Herzog über das Talent aus Österreich gesagt.

Marko Arnautovic bringt die besten Voraussetzungen mit. Ich hoffe, dass
dieser junge Mann sie ausschöpft.

Arnautovic steht ihm Ruf, ein eher schwieriger Typ zu sein.

Das kann ich nicht beurteilen. Ich habe Marko Arnautovic noch nicht kennen gelernt. Aber mit Thomas Schaaf haben wir einen Trainer mit einer hervorragenden pädagogischen Persönlichkeit.

Dortmunds Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke hat diese Woche mit einem Vorschlag für Aufsehen gesorgt. Er regte an, die Fernsehgelder zugunsten so genannter Traditionsklubs zu korrigieren.

Davon halte ich persönlich gar nichts. Ich sage das als Willi Lemke und nicht als Aufsichtsratsvorsitzender des SV Werder Bremen. Das ist ja kein neuer Vorschlag. Den kenne ich seit vielen Jahren, nur kam er vorher von einem Verein südlich des Mains. Der FC Bayern München hat doch immer wieder unter Hinweis auf die Konkurrenzfähigkeit auf internationaler Ebene für eine andere Verteilung der Fernsehgelder plädiert. Aber ich bin dagegen, das Auseinandergehen der Schere zu forcieren. Die Bundesliga ist doch gerade deshalb so reizvoll, weil der Letzte den Ersten schlagen kann.

Hinter Watzkes Forderung steckt eher die Furcht, von aufstrebenden Werksklubs wie Bayer Leverkusen, VfL Wolfsburg oder der vom Milliardär unterstützten TSG Hoffenheim abgehängt zu werden.

Aber auch dann halte ich nichts von dem Vorschlag. Wann ist man denn ein Traditionsklub? Wer definiert das? Man kann doch nicht Klubs, die gute Sponsorenverträge abgeschlossen haben, dafür bestrafen. Und aufstrebende Klubs dürfen nicht klein gehalten werden.

Im Pokalspiel gegen Bayern ist Bremen der David. Einmal abgesehen von den vielen Bayern-Fans im ganzen Land, wünscht sich wohl das restliche Fußball-Deutschand einen Werder-Sieg.

Wir haben uns über Jahrzehnte hinweg ein sehr gutes Image im deutschen Fußball erarbeitet. Zudem kennen die Leute die wirtschaftlichen Hintergründe beider Klubs. Es ist nun einmal so, dass die Menschen immer dem Kleineren die Daumen drücken.

Hinweis: Wenn Du feststellst, dass hier rechtes Gedankengut verbreitet wird, Nutzer diskriminiert werden oder die Diskussion einen unschönen Ton annimmt, dann informiere uns bitte per Mail! Wir werden dann gegebenenfalls eingreifen. Diskussionen bei 11FREUNDE sollen sportlich und sauber ablaufen!