Wieso sich Barca und Real nicht leiden können

In aller Feindschaft

Heute treffen der FC Barcelona und Real Madrid aufeinander. Die Feindschaft dieser Erzrivalen reicht bis in die vierziger Jahre zurück. Doch warum können sich die beiden Vereine nicht aufs Fell gucken?

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Die Geburt des »El Clásico« ist eine Demonstration der Macht. Schon vor dem Anpfiff des Halbfinalrückspiels in der nationalen Copa del Generalísimo betritt José Finat y Escriva de Romani, Chef der Staatssicherheit, die Barca-Kabine und gibt den Spielern zu verstehen, dass einige von ihnen nur deshalb auflaufen, weil das »großzügige« Regime ihnen ihre unpatriotische Haltung aus dem Hinspiel verziehen habe. In diesem hatte Barca Real 3:0 aus dem Stadion gefegt, doch nicht nur das, die Fans der Katalanen hatten die Gäste mit Schmähungen und Pfiffen überschüttet. Nun, am 13. Juni 1943 in Madrid, fliegen Gegenstände aufs Spielfeld, und der Lärm der Trillerpfeifen, die an die Fans der »Königlichen« ausgegeben wurden, schmerzt in den Ohren. Barca-Keeper Luis Miro hat längst die Flucht ergriffen. Er steht weit vor seinem Tor, während die Angriffe auf ihn zurollen und beinahe jeder Schuss im Netz zappelt. Zugleich beobachtet er die Bemühungen seiner Stürmer, die stets vom Schiedsrichter zurückgepfiffen werden. Eine abgekartete Partie.

Zur Halbzeit steht es, zur Freude des Regimes, 8:0 für die Hausherren aus Madrid. Gedemütigt schleichen die Barca-Spieler in die Kabine – und weigern sich, wieder aufzulaufen. Doch sie werden von einem Uniformierten mit gezogener Pistole und unter Androhung ihrer Verhaftung aufs Feld gescheucht. Am Ende gewinnt Real mit 11:1. Es ist bis heute der höchste Sieg über den Rivalen. Und es ist, so sagt man, die Initiation des »Clásico« – ein Fußballspiel, das der »Guardian« heute als »die größte Show auf Erden« bezeichnet, und ein Duell, das seine Brisanz aus den Dekaden nach dem spanischen Bürgerkrieg zieht.

Barcelona wurde zum Zeichen bürgerlichen Widerstands

Vier Jahre vor Barcas Demontage in Madrid, im April 1939, hatte Francisco Franco die Macht in Spanien an sich gerissen. Sein klerikalfaschistisches Regime richtete sich nicht nur gegen das »atheistische Gesindel« aus Kommunisten, Anarchisten, Sozialisten, sondern auch gegen die autonomistischen Bestrebungen in Katalonien und im Baskenland. Trotzdem avancierte der FC Barcelona nach der Zerschlagung katalanischer Strukturen »zum sichtbaren Zeichen bürgerlichen Widerstands gegen diktatorische Herrschaft« (Manuel Vásquez Montalbán). Der Fußball diente den unterdrückten Katalanen als Ventil. Wobei der Klub sogar Trophäen gewinnen durfte. Allein, er sollte seine Triumphe nicht politisieren. Was das bedeutete, spürte er an jenem 13. Juni 1943. Dabei spielte Real bis zu dieser Begegnung für Barca keine bedeutende Rolle. Die Konkurrenten der Katalanen waren in den ersten Jahren nach dem Bürgerkrieg andere, etwa Valencia oder Bilbao. Und auch Anfang der Fünfziger änderte sich nichts: 1950 und 1951 hieß Spaniens Meister Atlético Madrid, 1952 und 1953 FC Barcelona.

Die Dominanz Barcelonas in den frühen fünfziger Jahren trug vor allem einen Namen: Ladislao Kubala. Den ungarischen Exilanten nehmen die Katalanen 1950 unter Vertrag. Für seinen Entdecker, Barca-Legende Josep Samitier, nun Technischer Direktor, markiert der Spieler den Übergang des Fußballs »von der Operette zur Oper«. Auch Real hatte ein Auge auf Kubala geworfen. Dass der Ungar bei den Katalanen landet, ist seiner Liebe zum Alkohol und dem Geschick Samitiers zu verdanken. Er legt dem betrunkenen Kubala einen Vertrag vor, den dieser in der Annahme unterschreibt, er weise ihm den Weg nach Madrid.

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