02.06.2014

Wieso der bayerische Verband ein Fußballspiel boykottierte

Mia san koane Franken

Weil ein Fußballtrainer eine Freizeitmannschaft aus fränkischen Spielern ins Leben rief, schlug der Bayerische Fußballverband Alarm. Vor einem Spiel gegen eine Schweizer Mannschaft drohte der BFV allen teilnehmenden Spielern mit sportgerichtlicher Bestrafung. Wieso nur?

Text:
Sebastian Leisgang
Bild:
imago

Sechs Minuten sind noch zu spielen. Martin Driller hat ein gutes Spiel gemacht, jetzt verlässt er den Platz, streift sich einen schwarz-gelben Pullover von Borussia Dortmund über sein verschwitztes Trikot und setzt sich auf die Auswechselbank. Der 44-jährige Ex-Profi kaut Fruchtgummis und scherzt mit Markus Lützler. Von bedrückter Stimmung ist hier, in der nordbayerischen Kleinstadt Lohr am Main, keine Spur.
 
Dabei hätte Driller eigentlich gar nicht auf der Bank sitzen dürfen. Zumindest, wenn es nach dem Bayerischen Fußballverband gegangen wäre. Rainer Koch, BFV-Präsident und Vize-Präsident des DFB, hatte in den vergangenen Wochen mehrmals zum Boykott gegen das Spiel zwischen Drillers Franken-Elf und dem Schweizer Team Raetia aufgerufen. Ein Boykott gegen ein Spiel, dessen Einnahmen für ein Jugendzentrum und für krebskranke Kinder in Würzburg gespendet werden sollten. Was war nur passiert?
 
Die Vorgeschichte: Die Rechtsabteilung des BFV hatte alle Spieler schriftlich darauf hingewiesen, dass »Auswahlspiele, bei denen Spieler unterschiedlicher Mannschaften mitwirken, grundsätzlich nur vom Verband durchgeführt werden«. Weiter war auf der Verbandshomepage zu lesen: »Für den 29. Mai 2014 ist ein Spiel einer selbsternannten ›Franken-Elf‹ gegen ›Raetia‹ (Schweiz) unter dem Dach des Nicht-FIFA-Verbandes CONIFA angekündigt. Der Bayerische Fußball-Verband weist darauf hin, dass die Teilnahme an dem Spiel für Mitglieder des Bayerischen Fußball-Verbandes (BFV) strikt untersagt ist. Eine Teilnahme wird sportgerichtlich verfolgt und kann bestraft werden.«
 
Für Rudolf Schiebel, den Organisator des Spiels, ist dies nach wie vor ein schlechter Witz. Er spricht von diktatorischem Vorgehen des Verbands und sagt: »Wir wollen einfach nur einen Freizeitkick für einen guten Zweck. Wir wollen selbstständig Freundschaftsspiele machen. Da lassen wir uns nix vorschreiben.« Vom Verband ist Schiebel enttäuscht. Er ist beim Verband CONIFA der Generalsekretär für Europa. In der CONIFA, der Confederation of Independent Football, spielen nicht anerkannte Staaten und Minderheiten. Aktuell findet im schwedischen Östersund sogar eine alternative Weltmeisterschaft mit Teams aus Darfur, Kurdistan oder Sri Lanka statt. Die Veranstalter hoffen auf drei- oder vierstellige Zuschauerzahlen.
 
Zum Spiel zwischen der Franken-Elf und Raetia sind gerade mal 80 Fans gekommen, doch das liegt auch am Wetter, 15 Grad, Regen. Das Spiel findet nun auf dem Sportplatz am Nägelseezentrum statt, einem neutralen Areal der Kommune, denn wegen der Drohungen des BFV wollte kein Verein seinen Rasen bereitstellen. Doch immerhin eine gute Sache hatte die ganze Aufregung im Vorfeld: Mit dem Bayerischen Fernsehen und Sky sind nun auch zwei Fernsehsender vor Ort.
 
Die Idee mit der Franken-Elf

Als Schiebel erstmals die Idee zu diesem Spiel hatte, bekam er zahlreiche Zusagen von Vereinsspielern und ein paar Ex-Profis aus der Region. Sie waren Feuer und Flamme, doch heute sind nur ein paar von ihnen gekommen. Neben Martin Driller spielt zum Beispiel Thomas Ziemer in der Franken-Elf. Ein Fußballkünstler, nach wie vor. Drei Minuten vor Ende der Partie bekommt er den Ball auf Höhe der Mittellinie, dreht sich und hebt ihn gefühlvoll in die Schnittstelle. Man sieht: Aus seiner Zeit bei 1860 München, Mainz 05, Hansa Rostock und dem 1. FC Nürnberg hat er kaum etwas verlernt.
 
»Ich spiele gerne mit, weil ich die Aktion gut finde«, sagt Martin Driller nach seiner Auswechslung. Der ehemalige Profi von Dortmund, St. Pauli und Nürnberg hat keine Angst, dass der BFV ihm seine Trainerlizenz entzieht. »Die können sie mir gerne nehmen, wenn sie die brauchen«, sagt er und grinst. Ein Seitenhieb in Richtung BFV? Nun, sagt er, Fußball schaffe Freundschaften und verbinde die Völker mehr als jede Verhandlung von Politikern. »Ich verstehe nicht, warum die sich um so einen Mist kümmern. Anscheinend haben diese Leute in den Büros nix anderes zu tun.«
 
Martin Schneider: »Das ist schwach«
 
Doch neben Driller und Ziemer gibt es auch aktuelle Vereinsspieler und Ex-Profis, die ihre Zusage zurückgezogen haben. Einer von ihnen ist Martin Schneider. Er steht nun in Lederjacke und mit Regenschirm am Spielfeldrand und schaut sich die Partie mit seiner Lebensgefährtin an. Der ehemalige Bundsligaprofi, der einst für den 1. FC Nürnberg und Borussia Mönchengladbach spielte, hat sich dem Druck des BFV gebeugt. Denn als Coach des FV Karlstadt wollte er seinen Trainerschein nicht riskieren. »Man sagte mir, dass es Ärger gibt. Ich kann es aber nicht nachvollziehen, dass der Verband Steine in den Weg legt, wenn jemand was auf die Beine stellen will. Das ist schwach.«

 
 
 
 
 
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