Wiese und die Lederhose: Zehn Dinge über Manuel Neuer

Manuel Neuer – der »Spieler der Saison«

Manuel Neuer ist der »Spieler der Saison«. Die 11FREUNDE-Jury entschied in der neuen Ausgabe (ab heute im Handel!): »Ein echter Sportsmann, bald der beste Keeper der Welt.« Wir haben für euch zehn Dinge über unseren Spieler der Saison zusammengesucht! Wiese und die Lederhose: Zehn Dinge über Manuel Neuer
Heft#116 07/2011
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1.
Erstens: Ja. Manuel Neuer war mal aktiver Ultra bei Schalke 04. Gähn. Zweitens: Ja, er trug früher tatsächlich ein T-Shirt mit der Aufschrift »Buerschenschaft« – ein netter Gruß an die alten Schalke-Kumpels von einst – unter seinem Trikot. Drittens: Das ist aber schon lange vorbei. Der »SZ« teilte Neuer jüngst mit: »Das besagte Shirt trage ich schon seit 2009 nicht mehr, weil ich darin so viel geschwitzt habe.« Wissen wir wieder mehr.

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2.
»Koan Neuer!«, prangte es im Pokalspiel Bayern gegen Schalke auf hunderten weißen Pappkartons. Soll heißen: Du hier nicht, Westdeutscher! Neuer kam, wir wissen es, trotzdem nach München. Und weil er nicht nur ein guter Torwart, sondern auch ein cleveres Kerlchen ist, wusste der Neu-Bayer die neuen Fans gleich auf seine Seite zu ziehen. Der »Bild« verriet Deutschlands Nummer eins: »Ich habe schon eine Lederhose!« »Bild« hartnäckig: »Reicht die Lederhose, um ein echter Bayer zu werden?«

3.
Interessant, was dem Boulevard alles einfällt, wenn es an Themen mangelt. 2007 stellte eines der bunten Blättchen die Sternzeichen der Bundesligaspieler vor. Eine gewisse Christiane Woelky urteilte über Manuel Neuers Sternzeichen Widder: »Der Widder ist eine Sportskanone, er liebt den Kampf – auch auf dem Rasen! Er ist eher der aktive Stürmer, während der pflichtbewusste Steinbock das Tor verteidigt.« Andere Widder neben Neuer: Thomas Hitzlsperger (defensives Mittelfeld), Pierre Womé (Abwehr), Vincent Kompany (Abwehr). Hm.

4.
Kaum ein anderer deutscher Journalist versteht sich so darauf die Tränendrüsen seiner Leser zu strapazieren wie der gute, alte Franz Josef Wagner. Nachdem Manuel Neuer 2008 in der Champions League mit irren Paraden den FC Porto in den Wahnsinn getrieben hatte, herzschmerzte Wagner in seiner täglichen »Post«: »Wir müssen uns einen Jungen vorstellen, dessen Eltern sich scheiden ließen und dessen einzige Konstante Schalke war. Gegen Porto war er so genial – wie Picasso, wie Michelangelo, wie Dürer. Er war der beste Torwart, den die Welt jemals gesehen hat. Er war ein Mensch, von dem die Vögel in den Büschen flüstern. Er war perfekt, fehlerfrei, ein Genie, großartig, wunderbar. Er war ein Mensch, wie wir alle sein möchten. Ein Held.« Herzlichst, Kotz.

5.
Überhaupt das Porto-Spiel: Wie ein Irrer flog Neuer durch seinen Strafraum und verschaffte sich damit erstmals internationale Aufmerksamkeit. Selbst im fernen Barcelona hatte ein Mann mit kleinen Locken und großen Augen vor der Mattscheibe gesessen und katalanische Bauklötze gestaunt: Barca-Trainer Frank Rijkaard. Blitzschnell hakten die deutsche Medien nach, Frage: »Ist es möglich, dass Sie Neuer holen?« Rijkaard offen: »Alles ist möglich.« Immerhin: Nichts ist unmöglich. Deshalb blieb Neuer auf Schalke und wechselt nun zu den Bayern.

6.
Da war was los, als Schalke 04 und Borussia Dortmund im Herbst 2009 zum Derby aufeinander trafen. Nicht nur, dass Schalke in Dortmund mit 1:0 gewann, nein, Schalke-Keeper Manuel Neuer wurde nach einer giftigen Kabbelei mit Dortmunds Vorzeigeproll Kevin Großkreutz auch noch der vorsätzlichen Tätlichkeit bezichtigt! »Neuer hat mich mit Absicht angegriffen«, klagte Großkreutz nach dem Spiel. »Sein Kopfstoß war die erste Attacke, die mich zum Glück nicht voll erwischte. Danach kam noch sein Ellenbogen.« Und weiter: »Er lügt, wenn er das bestreitet!« Neuer abgeklärt: »Das muss wohl ein anderer Neuer gewesen  sein. Ich habe weit und breit keinen Großkreutz gesehen.« Immer noch besser als irgendwas mit Jackettkronen.


7.
Als wichtigster Förderer der Neuerschen Karriere gilt Lothar Matuschak, einst Jugendbetreuer beim FC Schalke. Als er dem kleinwüchsigen C-Jugend-Spieler Neuer erstmals begegnete, »da war er so groß wie eine Tischkante und hatte einen piepsige Stimme, dass man ihn kaum hören konnte.« Schalkes Nachwuchschef Helmut Schulte wollte den Wicht schon rauswerfen lassen, doch Matuschak forderte Geduld. Ein guter Plan, wie sich bald herausstellen sollte. Matuschak: »In der B-Jugend ist er dann an allen vorbeigeschossen.« Das Ende ist bekannt.

8.
Noch ein letztes Mal Porto. Angesprochen auf seine größte Tat, jene spektakuläre Parade in der 52. Minute gegen Tarik Sektioui, erklärte Neuer der überraschten Medienmeute: »Ich habe gedacht, dass er erwarten würde, dass ich reinspringe wie Tim Wiese. Aber ich habe versucht ihn nervös zu machen. Bei einem anderen Spieler hätte ich es vielleicht anders gemacht, aber Sektioui ist clever.« Merke: Tim Wiese pariert nur gegen blöde Fußballer.

9.
Ach, was war das lustig, als Manuel Neuer nach Schalkes Auswärtserfolg beim FC Bayern 2009 mit der Eckfahne jubelte. Brüllend wie ein Stier lag Neuer auf dem Münchener Rasen und schüttelte die arme Eckfahnenstange wie ein Barkeeper den nächsten Drink. Wer wollte da schon eine gewisse Ähnlichkeit zum legendären Meisterjubel von Neuers Vorbild Oliver Kahn verneinen? In einem Interview mit der »Welt am Sonntag« korrigierte Neuer nun allerdings seine Tat: »Das war pure Freude. Und mal ehrlich: Ich habe da hinten als Torhüter fast nie einen, mit dem ich jubeln kann. Oder soll ich mir den Balljungen schnappen?« Bitte nicht.

10.
Die Fußball-Gene sind in der Familie Neuer doch arg einseitig verteilt: Marcel, Manuels Bruder, Schiedsrichter in der NRW-Liga, ist nach eigener Aussage froh »zumindest in der Schiedsrichter-Mannschaft als Verteidiger mitzuhalten.« Schön auch die Antwort des Theologie-Studenten auf die Frage, ob er denn den triumphalen 5:2-Erfolg seines Bruders bei Inter Mailand live vor Ort verfolgt habe: »Das ging nicht, denn am Mittwoch musste ich um acht Uhr bei einer Griechischvorlesung seinn. Da kann ich nicht fehlen.« War sicher genauso spannend.

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