24.06.2013

Wie wird man Publikumsliebling?

McDonalds am Hotelpool

Ozeanienmeister Tahiti ist beim Confed-Cup nicht allzu überraschend und gar nicht knapp in der Gruppenphase ausgeschieden. Trotzdem wurde das Team mit tosendem Applaus verabschiedet. Wie wird man eigentlich vom Underdog zum Publikumsliebling? Ein Ratgeber in acht Schritten.

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1. Sei keine Miesmuschel
Der Außenseiter hat nur wenige Gelegenheiten, um sich zu präsentieren, denn den Ball bekommt er zumeist sowieso nicht und wenn doch, dann ist er das Leder nach wenigen Sekunden bereits wieder los. Dem Gegenpressing sei Dank! Also müssen die ruhigen Momente vor dem Spiel genutzt werden, in denen die gegnerischen Spieler überfallartig auf die nationalen Eigenheiten aufmerksam gemacht werden können. Im Repertoire eines organisierten Außenseiters sind mindestens 20 Muschelketten, eine Friedenspfeife, die wunsch- und wahlweise bei der Seitenwahl geraucht werden kann und ein gutes Fass selbstgebrannten Karibikrums zu finden.

2. Persönliche Schicksale
Der Fan will nah am Sportler sein. Deshalb erfordert es normalerweise harter PR-Arbeit, um den Massen zu beweisen: »Wir gehören zu euch! Wir kommen aus dem Volk!« Hier schlägt die große Stunde der Hobby-Nationalmannschaften. Ob als Taxi-Fahrer von Fernando Torres, Schafhirte, Regaleinräumer oder gleich arbeitslos; die Spieler sind dafür geschaffen, dass sich der gemeine Anhänger mit ihnen identifizieren kann. Doch an dieser Stelle wartet zugleich ein echter Stolperstein. Tahitis Teheivarii Ludivion ist hauptberuflich Höhenkletterer und das ist wiederum so exotisch, dass man auch gleich millionenschwerer Fußballstar werden kann.

3. Achte auf deine Ernährung
Gesunde Ernährung ist für den Fußballschüler von morgen wie das Amen in der Kirche – unabdingbar! Das weiß jeder Musterprofi und zieht sich vor dem Zähneputzen wenigstens eine gute Schüssel Haferflocken-Kirschkern-Müsli rein. Glücklicherweise hat der einsame Wolf deutlich weniger Anspruch an seinen eigenen Körper, der auch den Alltag neben dem frischfrisierten Fußballplatz überstehen muss. Ein fettiges, völlig überteuertes Menü der örtlichen Fast-Food-Kette ist daher ein absolutes Muss nach jedem Gruppenspiel. Dänemark konnte 1992 mit dieser Taktik sogar Europameister werden. Aber Vorsicht: Es sollte genügend Zeit eingeplant werden, falls die Bedienungen lästige Fotoanfragen stellen. Bei leidgeprüften Außenseitern besteht hier aber keine Gefahr, da sie eh nicht erkannt werden.

4. Bloß (k)ein Tor schießen
0:10, 0:8, 0:6 oder 1:7 sind klassische Ergebnisse des Außenseitertums. Das Publikum wird nach einiger Zeit jede Angriffsbemühung mit tosendem Applaus honorieren, während der eigene Stürmer zum sechsten Mal ins offensichtliche Abseits gelaufen ist. Der Underdog muss natürlich gar kein Tor schießen, geschweige denn einen Punkt holen. Allein der Versuch zählt. Sollten die gegnerischen Verteidiger doch einmal nicht aufpassen, sich gegenseitig die Schuhbänder verknotet haben oder nach einer Ecke nicht hochspringen, ist eines ganz wichtig…

 
 
 
 
 
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