03.04.2013

Wie wir uns an Bayerns Ungeheuerlichkeit gewöhnt haben

Liebling, wir haben Juventus geschrumpft

Vor dem Champions-League-Viertelfinale warnten Experten, dass Juventus Turin das neue FC Barcelona sei. Nach 90 Minuten konnten die Italiener von Glück sprechen, nicht mehr als zwei Gegentore kassiert zu haben. Ist es eigentlich noch schön, für den FC Bayern zu spielen?

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Also, mal ehrlich: So dolle war Juventus Turin dann doch nicht. Was haben uns die Experten nicht gewarnt vor dieser Wundermannschaft mit ihrer geheimnisvollen Dreierkette, einpendelnden Außenverteidigern, dem bösen Beißer Arturo Vidal, dem weisen Lenker Andrea Pirlo und einer ganzen Armada von Wunderstürmern, perfekt orchestriert vom raffinierten Strategen Antonio Conte auf der Trainerbank. Und dann so was! Chancenlos waren sie im Hinspiel des Viertelfinales der Champions League beim FC Bayern und konnten froh sein, dass sie nur 0:2 verloren hatten.

Gibt es überhaupt noch Gegner für den FCB?

Überhaupt scheinen die Münchner in diesem Jahr nur noch gegen Graupen zu spielen. Ein paar Tage vorher war der schlechteste Hamburger SV aller Zeiten da und holte sich die höchste Klatsche seiner Bundesligageschichte ab, dabei stand nicht mal Mladen Pralija im Tor. Oder im Februar Schalke, die ihrem Vereinsnamen alle Ehre machten und mit 0:4 unter die Räder kamen, auf dass Jens Keller noch griesgrämiger guckte als sowieso schon.

Die Grün-Weißen von Werder Bremen, die vor einer lange vergessenen Zeit mal als richtiger Gegner galten, wurden mal eben mit 6:1 verprügelt. In Mainz gab's ein lockeres 3:0, und selbst Borussia Dortmund war im Pokal völlig chancenlos. Von diesen ganzen Namenlosen, die Bayern noch im Zustand halber Bewusstlosigkeit (die anschließend von Matthias Sammer wütend gegeißelt wurde) aus den Schuhen spielte, wollen wir gar nicht reden.

Das Publikum ist die Sensation gewöhnt

Nein, dieser Tage ist es nicht schön, für den FC Bayern zu spielen, denn angesichts dieser ganzen Seriensiege hat sich das Publikum dermaßen an das Ungeheuerliche gewöhnt, dass es gar nicht mehr so richtig merkt, wie ungeheuerlich es eigentlich ist, was die Mannschaft von Jupp Heynckes da in den letzten Wochen zusammenkickt. 

Selbstverständlich hat Gianluigi Buffon schon größere Momente gehabt als am Dienstagabend in München, als er bei beiden Gegentoren nicht gerade wie ein Welttorhüter aussah. Auch Andrea Pirlo hat schon mal besser ausgesehen, wie wir in Deutschland nur zu schmerzhaft wissen. Die sagenumwobene Abwehr-Dreierkette wirkte mitunter auch wirklich etwas hüftsteif und nicht wie das neueste Produkt aus dem Forschungslaboren von Taktiknerds.

 
 
 
 
 
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