Wie wichtig ist Sami Khedira?

Ein Riss durchs Herz

Ein WM-Ausfall Sami Khediras träfe die deutsche Nationalelf hart – er ist ihr Kraftzentrum.

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Es sagt einiges, dass zwei Ärzte von Real Madrid sich unverzüglich auf den Weg gemacht hatten, um bei der Operation Sami Khediras in der Augsburger Hessingpark-Clinic von Ulrich Boenisch zu assistieren. Der deutsche Mittelfeldstar hat für den spanischen Weltklub eine beachtliche, für die deutsche Nationalmannschaft aber eine herausragende Bedeutung. Dessen Kreuz- und Innenbandriss beim 1:1 gegen Italien ist ein Schock. Eine solche Verletzung gilt im Fußball noch immer als eine der verhängnisvollsten. Es lässt sich nicht wirklich vorhersagen, ob der Profis je wieder seine Leistungsfähigkeit wird erreichen können. Und wenn doch, ab wann?

Während die schlimme Verletzung Khediras für die Madrilenen ein akutes Problem darstellt, könnte sie für den deutschen Fußball vor allem eine böse Langzeitwirkung haben.

Urplötzlich tut sich für den Bundestrainer ein Problem auf, wo er es am allerwenigsten gebrauchen kann. Auf der strategisch so bedeutsamen Sechserposition, dem Scharnier zwischen Abwehr und Angriff, ist Joachim Löw ein halbes Jahr vor der Weltmeisterschaft in Brasilien der Topmann weggebrochen. »Gerade beim Sami, der für uns eine große Persönlichkeit und ein wichtiger Spieler ist, hat uns das getroffen«, sagte Joachim Löw.

Da nicht sicher ist, ob der gerade am Sprunggelenk nachoperierte Bastian Schweinsteiger und der Langzeitverletzte Ilkay Gündogan spielfähig werden, könnte den Deutschen bei der WM in ihrer  Zentrale eine Lücke drohen. Khediras Ausfall würde Löw am heftigsten treffen. Diesen Spielertyp kann der Bundestrainer im Moment nicht ersetzen. Weit und breit ist niemand da, der Khediras Spiel kopieren könnte.

»Es ist gut für die anderen, die um ihn herumspielen«

Dabei sind es nicht die erregenden und auffälligen Momente eines Fußballspiels, die Khediras Tun so einzigartig machen. Löw hat den Wert Khediras mal vor einem Jahr in einen Satz gepresst. »Es ist gut für die anderen, die um ihn herumspielen, dass er da ist.« Dieser eine Satz Löws ist bis heute das größte Kompliment, das dem Bundestrainer je über die Lippen gegangen ist. Er ist Ausdruck größter Wertschätzung und Anerkennung für einen Spieler, der inmitten einer Ansammlung begabter und verwegener Offensivkünstler wie Özil, Reus, Götze und Kroos fast ein wenig in Vergessenheit gerät. Einer, der aber erst das große Bild des Spiels auf den Rasen wirft. Wenn Kapitän Philipp Lahm der Kopf ist, dann ist Sami Khedira das Herz dieser Mannschaft. Neben Thomas Müller gibt es keinen zweiten Spieler, der sich mit so viel Verve in die Aufgabe schmeißt, der sich dafür zerreißt, dieser Mannschaft zu dienen. Sein Spiel ist nie darauf angelegt, selbst zu glänzen, sondern es zielt darauf, seine Nebenleute zum Glänzen zu bringen und dabei alles in der Balance zu halten.

Als Michael Ballack nach einem groben Foul kurz vor der WM 2010 in Südafrika ausfiel und sich vermutlich niemand in Deutschland so richtig vorstellen konnte, wie diese deutsche Mannschaft überhaupt die Vorrunde überstehen wollte, rückte Khedira ins Team. Und wie. Sami Khedira zählte schließlich zu den großen Entdeckungen des gesamten Turniers und ist seitdem unverzichtbar. Joachim Löw hat seit dieser WM auch personell viel experimentiert, er hat dabei phasenweise prominente Spieler auf dem Feld hin- und hergeschoben, bisweilen auch ganz draußen gelassen, aber an Khedira hat er nie auch nur im Ansatz gerüttelt.

»Natural Born Leader«

Für Löw ist Khedira die optimale Besetzung für jene Position, die für die Symmetrie und Statik des Systems zuständig ist. Für diese Position ist Khedira die idealtypische Besetzung. Er ist technisch beschlagen, mental robust und hat ein ausgeprägtes Gespür für Gefahr. Vor allen Dingen aber besitzt er einen seltenen Eifer. Was nach der WM 2010 auch José Mourinho dazu verführte, ihn nach Madrid zu lotsen. Aber auch Mourinhos Nachfolger bei Real, Carlo Ancelotti, schätzt die Qualitäten des Deutschen. Neben Cristiano Ronaldo ist Khedira der Spieler mit den häufigsten Einsätzen. »Ancelotti hat keinen weiteren Spieler dieser Art in seinem Kader«, schrieb Spaniens Sportblatt »Marca«.

Ein WM-Ausfall Khediras würde die deutsche Elf an ihrer empfindlichsten Stelle treffen. Gerade deshalb wird der Bundestrainer die Tür für Khedira vermutlich lange offen halten, länger als für jeden anderen. Denn es ist eben nicht nur der Fußballer, der der deutschen Mission in Brasilien fehlen würde, sondern auch die Persönlichkeit des klugen und klaren jungen Mannes. Sami Khedira ist der »Natural Born Leader« der deutschen Elf. Das sagt eigentlich alles.

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