Wie wertvoll war die Bayern-Niederlage?

Ein Wachmacher

Die überraschende 0:2-Niederlage des FC Bayern gegen den FC Arsenal war vor allem eines: ein Dämpfer zur richtigen Zeit. Vielleicht hat die Pleite den Rekordmeister sogar noch besser gemacht.

Selten klangen die Antworten der Bayern-Größen nach einer Niederlage so harmonisch wie am Dienstagabend. »Es ist ganz gut jetzt, dass wir mal wieder einen Dämpfer haben in unserer heiteren Sonnenschein-Welt.« (Thomas Müller) »Vielleicht ist ein Wake-Up-Call zur richtigen Zeit. Wir wurden ja überall schon als beste Mannschaft gelobt.« (Arjen Robben) »Wir können von Glück sagen, dass wir in London ausreichend Tore erzielt haben. Das muss ein Warnschuss sein.« (Karl-Heinz Rummenigge) Nur bei Uli Hoeneß klang das Urteil nach der 0:2-Niederlage gegen den FC Arsenal etwas wütender (»Wir spielen seit Wochen schönen Dreck!«), aber wenn man mal die übliche Hoeneßsche kurz-nach-dem-Spiel-Aggressivität substrahiert, blieb auch beim Präsidenten die Erkenntnis: »Das war ein Warnschuss zum richtigen Zeitpunkt.«

Die Niederlage als Warnschuss, Wake-up-Call, Dämpfer oder Wachmacher. Eine Bayern-Pleite, zumal im eigenen Stadion, als notwendiges Aufputschmittel für die Endphase der Saison? Das klingt zunächst einmal unlogisch, definiert sich doch kein anderer deutscher Verein so über Souveränität und Dominanz wie der FC Bayern. Kein anderer Vereinspräsident könnte sich es erlauben, bei einem 20-Punkte-Vorsprung in der Liga, und der sicheren Halbfinal-(DFB-Pokal) bzw. Viertelfinale-(Champions League)-Teilnahme von wochenlangem »Dreck« zu sprechen, ohne dafür als komplett wahnsinnig bezeichnet zu werden. Bayern München kann das. Und weil der Verein das kann, dürfte sich auch ausgerechnet eine unangenehme Niederlage als bestmögliche Motivation erweisen.

Warum? Weil die Bayern dieses Reizklima brauchen wie den Rasen unter den Stollen. In einer Mannschaft, die ausgewiesene internationale Stars wie Arjen Robben oder Mario Gomez wochenlang nur auf der Bank sitzen lässt, in einem Verein in dem der Anteil sehr ichbezogener Persönlichkeiten schon immer groß war und gegenwärtig auch groß ist, ist das ständige Gefühl von Überlegenheit und Harmonie Gift. Das klingt vor Begegnungen gegen Leverkusen, Hamburg oder Frankfurt vielleicht lächerlich, aber die Bundesliga ist für die Bayern momentan keine echte Herausforderung mehr. Gleiches gilt für den DFB-Pokal, dort heißen die Mitstreiter im Halbfinale Stuttgart, Freiburg und Wolfsburg. Die wirklich entscheidenden Spiele finden für den FC Bayern in dieser Spielzeit aber in der Champions League statt.

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