Wie viel Mitleid verdient Tim Wiese?

Mit dem Kopf im Klo

Hoffenheims Torwart Tim Wiese erlebt die schlimmsten Wochen seiner Karriere. Aus dem ehemaligen Nationalkeeper ist ein nach allen Regeln der Kunst entmachteter Bankdrücker geworden. Bleibt die Frage: Wie viel Mitleid hat die Reizfigur Tim Wiese verdient?

Es ist so einfach, Tim Wiese nicht zu mögen. Er sieht aus, er redet, er verhält sich wie der zweimal sitzengebliebene Schulhof-Proll, der die kleinen Jungs früher in der großen Pause mit dem Kopf ins Klo stopfte und zur Belohnung trotzdem mit der Oberstufen-Blondine auf der Rückbank seines Golf-Cabrios knutschen durfte. Wenn man nicht zufällig selbst so ein Mensch oder mit solchen Menschen befreundet ist, mag man solche Menschen nicht. Dass Tim Wiese, der Torwart gewordene Schulhof-Proll, auch noch einen Traumjob ausüben darf und dafür sehr großzügig entlohnt wird, macht die Sache nur noch schlimmer.

Sein komisches Haar, seine komische Gesichtsfarbe

Bislang verhielt es sich mit Tim Wiese allerdings so wie mit dem Pausenschläger: War man auf seiner Seite, fand man das irgendwie auch ganz in Ordnung. Als Wiese noch für den 1. FC Kaiserslautern spielte, wurde er bei Spielen im Weserstadion mit Hass überschüttet. Als Wiese dann kurze Zeit später für Werder Bremen spielte, hatte das Weserstadion selbst gegen sein rosafarbenes Torwarttrikot nichts einzuwenden. Im Gegenteil: Wiese gehörte jetzt zur Familie. Sein komischen Haare, seine komische Gesichtsfarbe, seine ganzes schulhofschlägereskes Verhalten wurde jetzt mit Leidenschaft gegen den Hass aus Hamburg, München oder Hoffenheim verteidigt.

Denn Tim Wiese hatte einen entscheidenden Vorteil: Er war einer der besten Torhüter der Bundesliga. Leistung und Erfolg machen jeden Fan blind und taub und stumm.

Das ist jetzt anders. Tim Wiese spielt inzwischen bei der TSG Hoffenheim. Weil er mit der TSG Hoffenheim Champions League spielen wollte. In Bremen mögen sie ihn deshalb nicht mehr. Noch schlimmer, sie lachen sich über Tim Wiese kaputt, der ja nicht nur den aus heutiger Sicht lächerlichen Champions-League-Grund als Auslöser für seinen Abschied genannt, sondern einen aus heutiger Sicht fast noch lächerlicheren angeblichen Kontakt zu Real Madrid in Umlauf gebracht hatte. Eigentlich wäre das nicht so tragisch, schließlich hat Tim Wiese einen neuen Verein. Eine neue Familie, die ihn gegen all den Hass und Neid und Hohn verteidigt.

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