Wie Uli Hoeneß seine Spieler kaputtliebt

Hotel Mama

Wie Uli Hoeneß seine Spieler kaputtliebtImago Wenn der FC Bayern München eine Familie ist, dann ist gestern Abend der älteste Sohn, Oliver Kahn,  ausgezogen. Mit Cousin Klinsi hätte er sich eh nicht verstanden. Paul Breitner indes ist der verschrobene Onkel, bei dem man immer Angst haben muss, dass er beim Kaffeetrinken einen Streit vom Zaun bricht. Auch Franz Beckenbauer redet in letzter Zeit auffallend oft von »dem« und nicht mehr von »seinem« FC Bayern. Wie Gene Hackman in »The Royal Tenenbaums« ist er der Vater, der sich aus der Familie herausmanövriert hat, aber nie so ganz von ihr loskommen wird.

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Doch bei keinem Granden des Rekordmeisters ist die Analogie zu einem Familienmitglied so greifbar wie bei Manager Uli Hoeneß: Er ist die Mutter.

Er gluckt, er streichelt, er verteidigt seinen Clan gegen äußere Angriffe, er hält das Geld zusammen, macht das Haus gemütlich und hilft bei den Hausaufgaben. Zuweilen ist er bei all der Arbeit mit den Nerven ziemlich am Ende. Dann schnauzt er in die Mikros, die ihm hingehalten werden, und nachts hört man aus seinem Büro den 50er-Jahre-Gassenhauer »Das bisschen Haushalt (kann so schlimm nicht sein, sagt mein Mann)« von Johanna von Koczian schnarren. Das tröstet. Am nächsten Tag ist es wieder gut.

Die Nestwärme-Heizung steht immer auf 5


In einem jedoch ist Hoeneß so schnell nicht zu beruhigen: Wenn man ihm nicht dankbar ist.  Weiß eines der Kinder nicht zu würdigen, wie hoch Mama die Nestwärme getrieben hat, und  schert aus, dann setzt es was.

Die pubertierenden Schweini und Poldi sind solche Kandidaten. Er werde, so Hoeneß nach der WM 2006, dem Bastian den Zucker, den man ihm sonst wohin geblasen habe, schon wieder herausklopfen. Und als Podolski aufgrund seiner frustrierenden Situation als Stürmer Nummer 3 hinter Toni und Klose unlängst wieder einmal maulig wurde, befahl er: »Lukas soll aufhören, in der Ecke zu jammern.« 

So redet tatsächlich eine Mutter mit ihren Kindern, nicht aber ein Manager mit seinen Angestellten. Sich vorzustellen, dass junge Männer wie Schweinsteiger und Podolski sich nicht besonders gern in einem solchen Ton ansprechen lassen, fällt auch mit gewollter Energie ziemlich leicht. Sie üben ihren Beruf unter höchstem Druck und mit beträchtlichem Erfolg aus. Daraus ziehen sie ihr Selbstwertgefühl und ihre Stärke. Eine Wertschöpfungskette, die durch die Knutenrhetorik des Managers empfindlich gestört wird. Welcher heldenhafte Athlet lässt sich schon gern infantilisieren – und das auch noch öffentlich?

Aus dem Umfeld Bastian Schweinsteigers war schon des Öfteren zu hören, dass er es ziemlich satt habe, von Hoeneß noch immer so unter die Fittiche genommen zu werden wie als schmächtiger Knirps in der Bayern-B-Jugend. Seine Entwicklung zum Führungsspieler, so Schweinsteigers Befürchtung, werde behindert, wenn ihm auch mit Mitte 20 noch das Image des Nesthäkchens anhafte.

Nachvollziehbar also, dass er sich des Öfteren mit Abwanderungsgedanken getragen hat. Raus aus der Familie und woanders, auch wenn oder gerade weil es dort nicht so behaglich ist – und endlich kein Kind mehr sein. Bei Podolski verhält es sich zwar einen Deut anders – sein Dauerflirt mit dem 1. FC Köln ist auch vom Familiensinn beseelt, dort aber kann er sich sicher sein, immer das Lieblingskind zu sein. Doch auch zu ihm wird Hoeneß auf lange Sicht die emotionale Verbundenheit, nach der er sich sehnt, verlieren.

Der Bayern-Manager täte also gut daran zu begreifen: Er muss das Loslassen lernen. Mutterliebe kann erdrückend sein.

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