Wie übersteht Felix Magath den Transferwinter?

Einsam am C64

Jahrelang konnte Felix Magath im Winter seinem größten Hobby nachgehen: einkaufen. In diesem Jahr muss er dem bunten Treiben auf dem Transfermarkt tatenlos zusehen. Doch wie übersteht er das überhaupt?

Endlich ist das winterliche Transferfenster wieder geöffnet. Und schon wehen die ersten nasskalten Geldscheine hinfort, schon verdienen sich windige Berater mit einer Unterschrift den Jahreslohn, schon platzen Gerüchte schneller als sie sich überhaupt hätten aufblasen können und schon werden schwulstige Treueschwüre wertlos wie ein Stück aufgeschwemmter Hundekot. Kurzum: Es sind herrlich wilde Tage, die da bis zum 31. Januar vor uns liegen.

Jahrelang war diese Zeit die große Bühne des letzten hemmungslosen Einkäufers im deutschen Fußball: Felix Magath. Doch weil Magath beim VfL Wolfsburg im Herbst vergangenen Jahres auch den letzten Kredit verspielt hatte, muss er in diesen Tagen dem hektischen Geschehen aus Angebot und Nachfrage tatenlos zuschauen. Doch wie übersteht ein Mann diese Zeit, die jahrelang für ihn zum Leben gehörte wie die tägliche Tasse Pfefferminztee? Wie sehr quält es ihn, diesen Winter nicht mit großem Geld einen noch größeren Kader zusammenzubauen? Wie kann er diesen stechenden Schmerz der Untätigkeit überwinden?

Langeweile auf Peter-Neururer-Niveau

Wie schlimm es um König Felix bestellt sein muss, erkennt man an seinen Aktivitäten im Sozialnetzwerk Facebook. Dort postet er mittlerweile vollkommen wahllos Grüße, Glückwünsche und Herzerwärmendes in die Welt hinaus. Da wird Huub Stevens gefeiert, Magdalena Neuer geadelt und sich vor Alex Ferguson verbeugt. Es scheint, als sei Felix Magath doch gar nicht so hart wie er immer gemacht wird. All das verrät aber auch: Felix Magath ist langweilig. Nicht nur ein bisschen, er hat bereits jetzt Peter-Neururer-Niveau erreicht. Was kann er also tun, bevor er auch noch das Golfspielen anfängt?

Vielleicht sollte er mal in den Keller gehen, den ausgedienten C64 – quasi der Medizinball unter den Computern – entstauben und sich die Nächte mit dem legendären »Bundesliga Manager« um die Ohren schlagen. Wo sonst kann er sonst noch das wärmende Gefühl des mächtigen Alleinherrschers spüren? Oder er könnte allmorgendlich lautstark seine Kinder ins Achtung stellen und sie vor versammelter Familie zusammenfalten, weil sie sich daumendick Nutella aufs Brot geschmiert haben. Oder wie wäre es mit ausgedehnten Winterferien in Slowenien? Vielleicht lässt sich beim Aprés Ski schon mal das Vorkaufsrecht auf das nächste Ostblock-Jahrhunderttalent aushandeln. Oder Magath wechselt das Metier und bringt das lustige 44-teilige Transfermemory »Meine unbekanntesten Neuzugänge« auf den Markt. Sicherlich ein Spaß für Jung und Alt. Die Möglichkeiten des Felix Magath sind in diesem Winter so vielfältig wie nie zuvor. Er hat Zeit, er hat Geld, er hat alle Möglichkeiten.

Eines jedoch wird er in diesem Winter nicht tun können: Er wird keine wahnwitzigen Millionenbeträge investieren, um einen Kader auf Bataillonsstärke aufzublähen. Er wird keinen Giovanni Sio ausgraben, keinen Hrvoje Cale auf den Markt spülen und keinen Ali Karimi mit der Rückennummer 243 versorgen können. Er wird zuhause sitzen und tatenlos zusehen müssen, wie andere stümperhaft seinen Rolle kopieren. Ihm wird es körperliche Schmerzen bereiten. Er wird Transferkummer bekommen. Neuverpflichtungsherzschmerz. Ablöseeifersucht. Vielleicht weint er diese Pein abends in sein Kopfkissen. Es sind die Gefühle eines Alleingelassenen, die sich in der Tristheit des nasskalten Wintergraus weiter verschlimmern. Für die Bundesliga ist das wunderbar. Aber wenn wir nur einen Moment lang ehrlich sind, müssen wir gestehen: Wir vermissen ihn jetzt schon. Zumindest ein bisschen.

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