Wie spielt eigentlich WM-Geheimfavorit Kolumbien?

Die Erben der Klobürste

Kolumbien gilt vielen als Geheimfavorit auf den WM-Titel. Doch welchen Fußball spielen die Nachfolger des großen Carlos Valderrama?

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Lange Jahre war das kolumbianische Team dafür bekannt, zwar über eine gute Defensive zu verfügen, nur mit dem Toreschießen klappte es nicht wie gewünscht. Mit einem defensiv ausgerichteten Team, das sich auf Zonenverteidigung verstand, qualifizierte sich die Auswahl für drei aufeinanderfolgende Endrunden in den Neunzigern, doch seitdem blieb der Auswahl lediglich die Zuschauerrolle. Umso entschlossener wirkt die Mannschaft für die kommenden Aufgaben in Brasilien.

Zonenverteidigung, ununterbrochenes Pressing, Ballbesitz

Die Präsentation von Jose Pekerman als Nationaltrainer Anfang 2012 wurde in Kolumbien mit gemischten Gefühlen aufgenommen. Vor dem Argentinier bekleidete als letzter ausländischer Coach dessen Landsmann Carlos Bilardo das Amt des Trainers. Doch der verpasste 1982 die Teilnahme an der WM. Neuer Trainer wurde 1987 Francisco Maturana, der die Strukturen rund um die Nationalmannschaft revolutionierte. Unter Maturana und seiner rechten Hand, Hernán Darío Goméz, machte sich Kolumbien mit drei aufeinanderfolgenden Endrundenteilnahmen international einen Namen, und verfolgte dabei eine klare Philosophie: Zonenverteidigung, ununterbrochenes Pressing und Ballbesitz-bezogenes Spiel. Maturana kehrte später noch einmal zurück und verhalf dem Team 2011 sogar zum bisher einzigen Erfolg bei der Copa America. Aber er schaffte es nicht, sein ehemals eingeführtes System erfolgreich weiterzuentwickeln, das er zusammen mit der goldenen Generation um Carlos Valderama hatte spielen lassen. Kolumbien sollte die nächsten 16 Jahre vergeblich versuchen sich für eine weitere Endrunde nach 1998 zu qualifizieren.

Und auch zu Beginn der Qualifikation für Brasilien 2014 unter Trainer Leonel Alvarez, einem Helden der Neunziger, begann Kolumbien zögerlich. Nach der Niederlage gegen Argentinien in Barranquila wurde Alvarez bereits nach seinem dritten Pflichtspiel als Coach wieder entlassen. Pekerman übernahm und mit ihm kam der Erfolg. Unter dem Argentinier begann Kolumbien wieder ballbesitzorientierten Fußball zu spielen. Sein 4-2-2-2 System schöpft zudem das Talent der Stürmergarde komplett aus.

Pekermans Angriffsphilosophie ist simpel: er spielt mit zwei Spitzen, wovon eine in der Schaltzentrale zwischen Mittelfeld und Sturm zu finden ist. Dazu zwei Flügelspieler, die das Spiel über die Außenbahnen forcieren sollen und Flanken schlagen.

Geht es auch ohne Falcao?

Genauso gefährlich wie die Flügelspieler sind die zwei Außenverteidiger Camilo Zuniga und Pablo Armero, die sich ständig in das Angriffsspiel einschalten. Diese Spielweise erlaubt es Kolumbien zudem gegnerische Angriffe über die Außen schnell zu unterbinden. Zwei defensive Mittelfeldspieler sollen zudem die Lücken in der Abwehr bei eigenem Angriff schließen.

Jetzt muss Kolumbien nur noch die alten Geister vertreiben – und endlich Tore schießen. Mehr als eine Hiobsbotschaft war daher die Nachricht, dass der am Kreuzband verletzte Superstar Falcao nicht rechtzeitig gesund werden würde. Gegen Griechenland stehen heute wohl Teofilo Gutierrez, Jackson Martinez und Carlos Bacca in vorderster Front. Neu-Dortmunder Adrian Ramos sitzt zunächst nur auf der Bank. Wer sich solchen Luxus leisten kann, darf sich durchaus zu den Geheimfavoriten zählen.

Alejandro Pino arbeitet für den kolumbianischen Rundfunk-Sender Caracol und ist Teil des »Guardian-Netzwerks«. Folgt ihm hier auf Twitter!

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