Wie sollen BVB-Fans den Götze-Wechsel verdauen?

Geld allein macht auch nicht unglücklich

11FREUNDE-Redakteur Uli Hesse ist Fan von Borussia Dortmund. Als er das erste Mal vom Wechsel Mario Götzes zum FC Bayern erfuhr, war das »wie ein unerwarteter Schlag in die Magengrube«. Wie fühlt es sich jetzt, mehr als einen Tag danach, an?

Das Schlimmste an der Nachricht von Mario Götzes Wechsel war der Zeitpunkt. So einen Mist kann man nie gebrauchen, aber erst recht nicht zwei Tage vor dem größten Spiel der jüngeren Vereinsgeschichte. Zwar wird ihn heute wohl nur einer kleiner Teil der Fans auspfeifen, während die mit der Fähigkeit zur Selbstkontrolle ausgestatten Anhänger wissen, dass dieses Spiel zu wichtig ist und dass man am 4. Mai (gegen Bayern – wie passend!) oder vermutlich eher am 18. Mai (gegen Hoffenheim – wie passend!) noch Gelegenheit haben wird, den jungen Mann gebührend zu verabschieden. Allerdings: Bejubeln werden ihn die Zuschauer kaum, und auch ein selbstauferlegtes Schweigen ist dann sozusagen laut genug. Und dass Götze heute nicht unbelastet aufspielen wird, dürfte auch klar sein.

Nein, halt! Das Schlimmste an der Nachricht von Götzes Wechsel war die Identität des Käufers. Dass ein Spieler die Chance ergreift, zu Real Madrid oder Manchester United zu gehen, das kann man in Dortmund verschmerzen, ja sogar verstehen. Aber zu den Bayern? Das gilt nördlich von Freising nicht als clever, geschäftstüchtig oder ehrgeizig, sondern bloß als charakterschwach. Von den Mitgliedern der Söldnertruppe, die vor einem Jahrzehnt die Meisterschaft nach Dortmund holte, hätte man ein solches Verhalten geradezu erwartet, aber die enorme Beliebtheit der aktuellen Mannschaft liegt nicht nur an ihrem Erfolg und an ihrem Fußball, sondern auch daran, dass das alles irgendwie gute Typen zu sein schienen. Spieler, für die Fußball mehr ist als eine ertragreiche Karriereoption und die scheinbar mehr als nur der Zufall zur selben Zeit an den selben Ort gebracht hat.

»Lewandowski zu Manchester City«? Na gut...

Moment! Nein. Das Schlimmste an der Nachricht von Götzes Wechsel war, dass sie so unerwartet kam. Wären wir an jenem schicksalsträchtigen Morgen von den Schlagzeilen »Lewandowski zu Manchester City« oder »Hummels wechselt nach Barcelona« oder von mir aus auch »Santana zu Schalke, dafür Metzelder zurück nach Dortmund« geweckt worden, dann wäre das nur ein vergleichsweise milder Schock gewesen. Aber Götze? Das kam so überraschend wie ein Schlag in die Magengrube während des Torjubels und fühlte sich auch so an.

Stop! Auch nicht richtig. Das Schlimmste an der Nachricht von Götzes Wechsel war die Angst, dass das erst der Anfang ist. Vor zwei Jahren, als der BVB völlig überraschend die Meisterschaft holte, fragte mich jeder zweite ausländische Journalist, wie lange diese Mannschaft zusammenbleiben könnte. Damals antwortete ich recht naiv, dass die Spieler alle so jung seien, dass sie noch genügend Zeit hätten, um zu namhafteren Vereinen zu gehen, dass sie im Moment bei einem Wechsel mehr verlieren als gewinnen könnten. Doch dann ging Nuri Sahin, danach Shinji Kagawa, nun Götze, bald Lewandowski. Mats Hummels wirkt auch wechselwillig. Das kann einem schon den Tag verderben.

Hinweis: Wenn Du feststellst, dass hier extremistisches Gedankengut verbreitet wird, Nutzer diskriminiert werden oder Diskussionen einen unschönen Ton annehmen, dann informiere uns bitte per Mail! Wir werden dann gegebenenfalls eingreifen. Diskussionen bei 11FREUNDE sollen sportlich und sauber ablaufen! Diskriminierung und Intoleranz werden von uns nicht akzeptiert! Niemals! Danke für deine Hilfe!