Wie sinnvoll ist der Wechsel von Marco Reus zum BVB?

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Es ist schon jetzt der Transfer des Jahres: Für 17,5 Millionen Euro wechselt Marco Reus am Saisonende von Borussia Mönchengladbach zu Borussia Dortmund und nicht zum FC Bayern. Reus verzichtet dafür auf viel Geld – und hat doch die richtige Entscheidung getroffen. Wie sinnvoll ist der Wechsel von Marco Reus zum BVB?Bildmontage: 11FREUNDE mit imago

Man kann sich richtig vorstellen, wie sie sich bei Borussia Dortmund gerade ins Fäustchen lachen. Nur wenige Beobachter der Bundesligaszene hätten damit gerechnet, aber gestern gab es der amtierende Deutsche Meister bekannt: Marco Reus, aktuell der begehrteste deutsche Fußballer auf dem Markt, wechselt nach dem Ende der Saison von Borussia Mönchengladbach zum BVB – und nicht zum FC Bayern München. Nun, da der Überraschungseffekt aufgebraucht ist, stellt sich die Frage: Wie sinnvoll ist dieser Wechsel wirklich? Für Borussia Dortmund – und vor allem für Marco Reus.

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17,5 Millionen Euro muss der BVB für Reus bezahlen. Viel Geld, vor allem wenn man den Umstand bedenkt, dass dieser Reus noch 2006 in der eigenen Jugend kickte und somit quasi umsonst gewesen wäre. Ein Jugendtrainer degradierte Reus und seinen Kumpel Kevin Großkreutz aufgrund körperlicher Defizite damals zu Rot-Weiß Ahlen. Ein Fehler, den die Dortmunder nun teuer bezahlen müssen. Auch wenn die explosionsartige Entwicklung der beiden Fußballer vor mehr als fünf Jahren sicherlich nicht absehbar war: Großkreutz kostete den BVB vor zweieinhalb Jahren etwa eine Million Euro, für Marco Reus müssen die Borussen nun das 17,5-fache bezahlen.

Sind 17,5 Millionen Euro für einen ehemaligen Jugendspieler zu viel?

Das klingt auf den ersten Blick nach einem schlechten Geschäft. Aber wer kann schon sagen, ob sich Reus in Dortmund ähnlich entwickelt hätte wie zunächst in Ahlen und später in Mönchengladbach? Nun müssen die Dortmunder zwar tief in die Tasche greifen, bekommen dafür aber einen im Abstiegskampf gestählten Bundesligaspieler, der bei seinem Debüt für den BVB im Sommer 2012 bereits um die 100 Erstligaspiele vorweisen kann. Bleibt Reus unverletzt, hat er zudem gute Chancen, bei der Euro 2012 für die deutsche Nationalmannschaft zumindest im Kader zu stehen.

Im Idealfall hat der BVB also 17,5 Millionen Euro für einen frisch gebackenen Europameister ausgegeben. Bei den heutigen Verhältnissen auf dem europäischen Fußballmarkt ein durchaus akzeptabler Preis.

Eltern, Freundin, Geburtsort – Marco Reus kehrt in die Heimat zurück

Lässt man den wirtschaftlichen Aspekt mal beiseite, kann man den Dortmundern nur gratulieren. Reus ist in Dortmund geboren, hat bereits einige Jahre im Verein gespielt. Seine Eltern wohnen hier, ebenso wie seine Freundin. Glaubt man den Medienberichten, sind Reus und sein früherer Leidensgenosse Großkreutz nicht nur gute Bekannte, sondern enge Freunde. Während sie in München viel Energie und Zeit darauf hätten verwenden müssen, ihrem Neuzugang die Eingewöhnung zu erleichtern, braucht der BVB nicht mal einen Finger krumm zu machen.



Ein hochbegabter Fußballer, der in seiner sportlichen Entwicklung noch Luft nach oben hat und in seine Heimat zurückkehrt – Borussia Dortmund hat alles richtig gemacht. Selbst dem Jugendtrainer scheint die fehlende Weitsicht verziehen worden zu sein. Er arbeitet noch immer für den Dortmunder Nachwuchs.

Beim FC Bayern hätte Reus wohl das Doppelte verdient

Das ist die eine Seite der Medaille. Die andere heißt Marco Reus. Der hat sich laut eigener Aussage während des Weihnachtsurlaubs in Dubai für den Wechsel zu den Westfalen entschieden und die Dortmunder Vereinsführung darüber informiert. Nur gut 700 Kilometer weiter, in Doha, erhielt dann auch der FC Bayern die entscheidende Information. Dass der sonst so besonnene Trainer Jupp Heynckes ziemlich verschnupft reagierte (»Der FC Bayern kann Marco Reus bei dem riesigen Konkurrenzkampf hier keine Stammplatzgarantie geben.«) zeigt nur die Wertschätzung für den jungen Mittelfeldmann, um den die Bayern so intensiv geworben hatten.

Reus verzichtet durch seine Absage an die Bayern auf viel Geld. In Dortmund soll er durch die Unterschrift des Fünf-Jahres-Vertrags (bis 2017) knapp drei Millionen Euro pro Jahr verdienen – im größtmöglichen Erfolgsfall. Beim FC Bayern wäre es wohl das Doppelte an jährlichen Einnahmen gewesen.

80.000 Fans, Traditionsklub BVB: Dortmund hat was zu bieten

Dass sich Reus in Zeiten des Turbokapitalismus für ein finanziell deutlich schlechteres Angebot entschieden hat, muss man ihm hoch anrechnen. Allerdings hat der BVB durch die Meisterschaft 2011 auch die Grundlage dafür geschaffen, in den kommenden Jahren regelmäßig um den Titel mitzuspielen. Trainer Jürgen Klopp hat mit Mario Götze, Großkreutz oder Kagawa junge und weiterhin hungrige Top-Talente um sich versammelt, die Faszination BVB mit der Tradition eines großen Klubs und eines Zuschauerschnitts von fast 80.000 Fans sorgt dafür, dass der Verein seinen Spielern optimale Rahmenbedingungen zusichern kann.

Reus wird durch seinen Wechsel nach Dortmund kein armer Schlucker werden. Im Gegenteil, er verdient viele Millionen Euro. Aber vor allem spielt er quasi vor der Haustür mit einer Mannschaft um Meisterschaften, Pokale, Ruhm und Ehre, die einen – trotz des blamablen Champions-League-Auftritts – inzwischen europaweit anerkannten Offensivfußball präsentiert.
Für einen so offensiv ausgerichteten Spieler wie Marco Reus sicherlich ein weiterer entscheidender Faktor.

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