29.01.2013

Wie sieht die perfekte Wutrede aus?

»Da kotze ich doch im Strahl«

Doll, Labbadia, Müller – eine ordentliche Wutrede hat schon einigen Verantwortlichen durch das sportliche Tal geholfen. Aber wie sieht eigentlich eine gute Wutrede aus? Eine Anleitung.

Text:
Benjamin Kuhlhoff
Bild:
Imago

Eine gut platzierte Wutrede ist das Allheilmittelel, um sportliche Misserfolge ein paar Tage in den Hintergrund rücken zu lassen. Zuletzt probierte sich Hoffenheims Andreas Müller an einer Schelte im ganz großen Stil. Doch oft wirken die Standpauken vor versammelter Journalistenschar unbeholfen, impulsiv, mitunter sogar vollkommen unverständlich. Deswegen haben wir die besten Wutexperten des Landes gebeten, die perfekte Wutrede zu erarbeiten. Hier ist das Ergebnis.

Gehen Sie die Pressekonferenz wesentlich strenger als üblich. Während sich die Journalisten noch ausgiebig am Bockwurst-Buffet verlustieren und klammheimlich Bier in ihre Kaffeebecher füllen, sollten Sie bereits kerzengerade auf dem Podium sitzen. Ihr Blick ist streng geradeaus gerichtet. Auf die ersten lästigen Journalistenfragen antworten Sie allenfalls einsilbig, kratzen sich mehrfach gelangweilt am Kopf, blicken immer wieder mürrisch zu Boden. Spätestens bei der fünften Frage schnellt ihr Blick hoch, Sie fixieren einen Journalisten und blicken ihn minutenlang scharf an. Warten Sie noch drei weitere Frage ab, auf ein Stichwort Ihres Pressesprechers atmen Sie ein letztes Mal tief durch – dann schlagen Sie zu:

»Jetzt möchte ich mal in aller Deutlichkeit was sagen: Mir reicht es! Wirklich! Wenn ich den Namen ______ (hier bitte den Namen eines Ex-Spielers einfügen) schon höre, kommt mir das Frühstück wieder hoch. Das ist schade um das Omelett, aber es geht nicht anders. Wer hat denn hier in den letzten Jahren den Ruf des Klubs gerettet? War das ________ (hier bitte den Namen des Ex-Spielers einfügen)? So ein Schwachsinn!

Jungs wie ______(hier bitte den Namen eines hoffnungsvollen Talents einfügen), ______ (hier bitte den Namen eines alternden Mittelfeldarbeiters einfügen) oder ______ (hier bitte den Namen eines Ersatzspielers mit maximal drei Einsätzen pro Saison einfügen), die reißen sich hier für die Mannschaft, für die Fans, für den Klub, auf gut Deutsch gesagt, den Arsch auf. Und dann müssen die sich jeden Montag anhören, dass sie nur Mitläufer sind. Da kotze ich doch im Strahl!

(jetzt energisch nachsetzen) Und was macht ________ (hier bitte den Namen des o.g. Ex-Spielers einfügen)? Der ist weg! Seit mittlerweile ______ (hier bitte eine Zahl einfügen) Jahren verdient der sich beim ______ (hier bitte den Name des jeweiligen Vereins einfügen) dumm und dämlich. Dem weint hier intern keiner eine Träne nach. Ihr seid die einzigen, die den vermissen. Bis heute braucht der sich doch sowieso nur richtig den Schuh zu binden, dann kriegt der von euch schon Puderzucker hinten reingeblasen. Da lache ich mich doch kaputt! (Kunstpause, schnaufen Sie vor Wut, setzten Sie mit ruhiger Stimme wieder an)

Ich bin jetzt auch schon ein paar Jahre dabei und weiß, wie das hier läuft. Und da muss ich mir echt mal die Frage stellen: Mach ich das noch mit? Oder scheiß ich auf den ganzen Laden? Auf das ganze Geschäft. (lauter werdend) Man muss doch auch mal sehen, mit welchen Mitteln wir hier zurechtkommen müssen. Natürlich hätten wir auch gern einen ______ (hier bitte den Namen eines überteuerten Superstars aus dem Ausland einfügen), aber wer soll den bezahlen? Ein ______ (hier bitte den Namen des Vorstandsvorsitzenden des Hauptsponsors einfügen)? Oder die Zuschauer? Oder ihr? Wer denn nun? Da seid ihr still, was? Da fällt euch nichts mehr ein. Dabei fallen euch doch auch sonst immer so viele schlaue Sachen ein. Mir fällt aber was ein: Eurer ganzer Mist steht mir echt bis hier (führen Sie Ihre Hand mit theatralische Geste von der Brust bis zum Haaransatz hoch, kurze Pause, dann krachend auf den Tisch hauen anschließend kleine Pause)

 
 
 
 
 
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