03.11.2012

Wie sieht das perfekte Stadion aus?

Das Stadion unserer Träume

Seite 3/4: Keine Kurven mehr
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HH Vision

Gut, wir sind überzeugt und einigen uns darauf, dass im »11 FREUNDE-Stadion« ein Bundesligist spielt und wir 35 000 Plätze anbieten, zu den noch gut 3000 weitere im Retro-Block kommen. In den Ecken könnte man die Kapazität mit temporären Tribünen noch um insgesamt 10 000 Plätze erweitern – wenn wir es in die Spitzengruppe der Bundesliga schaffen sollten. Schwungvoll steil nach oben soll es ebenfalls gehen: 26 Grad unten, gut 36 Grad im oberen Teil der Haupttribüne. Das ist ungefähr so steil wie auf der Südtribüne in Dortmund.
Damit sind die Grundbedingungen für den Hexenkessel geschaffen, den jeder Fan möchte. Dazu gehört auch, dass wir mit den Rängen so nah wie möglich ans Spielfeld heranrücken und die ersten Reihen nicht erst in ein paar Metern Höhe beginnen, sondern schon auf Grasnarbenniveau. Und auf noch etwas einigen wir uns: Die Tribünen sollen unterschiedlich groß sein, damit das Stadion nicht so einförmig wirkt. Macht doch vielerorts das Zusammengeschusterte den Reiz eines Stadions aus, und zumindest etwas von diesem Charme wollen wir auch für unseren Neubau.

Doch wie wollen wir ihn innen ausgestalten? In ihrer internen Vorbesprechung haben die vier Architekten und Planer über eine Revolution des Stadionbaus nachgedacht, die sie nun vorsichtig vortragen. Auf den besten Plätzen, also jenen entlang der Seitenlinie, sollen die zu Hause sein, die den Klub am meisten lieben und am meisten mit ihm leiden. Kurzum: In Umkehrung der bestehenden Ordnung soll man auf Haupt- und Gegentribüne stehen können, die Sitzplätze kommen hinters Tor.

Stehplätze an der Längsseite

Dazu müssen wir aber nicht mühsam überredet werden. Schließlich ist fast vergessen, dass in sehr vielen Stadien die Fans zunächst durchaus nicht in der Kurve standen, ob in der Glückauf-Kampfbahn in Schalke oder der Roten Erde in Dortmund. Sie wichen von dort nur, wenn auf der Gegengerade die Preise erhöht oder Sitzplätze eingebaut wurden. Heute hingegen gibt es in den Neubauten der ersten drei Ligen Stehplätze entlang der Seitenlinie nur noch beim FC St. Pauli, bei Union Berlin und in Offenbach. Beim Start der Bundesliga 1963 war das noch in elf von 16 Stadien der Fall.

Seither ist ein halbes Jahrhundert vergangen und in den Stadien wurden immer mehr Sonderbereiche ausgewiesen. Einst saßen die Honoratioren einfach auf der Haupttribüne, inzwischen gibt es selbst dort vielfältige Abstufungen von VIPs unterschiedlicher Kategorien. Deshalb hat es natürlich ein utopisches Moment, wenn die Architektur diese Ordnung durcheinanderwirbelt und ein Stadion so gebaut wird, dass die Idee der Gemeinschaft im Mittelpunkt steht. Also ist der Beschluss klar: Im »11 FREUNDE-Stadion« wird man entlang beider Längsseiten nur stehen können, denn auch die Anhänger der Gastmannschaften sollen für die Mühen der Anreise mit besonders guter Sicht belohnt werden.
Weil es die Planer in Frankfurt mitunter nervt, wenn die schönen Stadien, die sie bauen, hinterher oft so schreckliche Namen bekommen, hat Stefan Klos noch ein Konzept entwickelt, das mittelfristig eine weniger utopische als durchaus realistische Alternative zur bisherigen Praxis der Namensvergabe werden könnte. Statt die ungeliebten Namen eines Unternehmens oder Investors akzeptieren zu müssen, sollen die Fans ihrem Verein die Namensrechte für das Stadion abkaufen können. Im Gegenzug würden ihre eigenen Namen auf der Medienfassade des Stadions im Licht von LEDs erstrahlen. Das ist heute noch sehr teuer, und die Sichtbarkeit bei Tageslicht ist nicht ganz ausgereift, aber hier liegt die Zukunft. Da die durchschnittliche Einnahmen aus Namensrechten in der Bundesliga rund zwei Millionen Euro im Jahr sind und die sichtbare Fassadenfläche des Stadions rund 15 000 Quadratmeter beträgt, müsste man ebenso viele Namensflächen von einem Quadratmeter Größe für 134 Euro pro Jahr verkaufen oder entsprechend mehr von einem halben Quadratmeter zu halbem Preis. Es deutet sich ein Weg aus dem Elend der Signal-Iduna-Parks und Easycredit-Stadien an, und Fans könnten Freunden stolz ihren Namen auf der Stadionfassade zeigen.

 
 
 
 
 
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